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BREGENZ/ FESTSPIELHAUS: GESCHICHTEN AUS DEM WIENERWALD von HK.Gruber. Uraufführung

24.07.2014 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

BREGENZER FESTSPIELE FESTSPIEHAUS

23. 7. 2014 URAUFFÜHRUNG  „GESCHICHTEN AUS DEM WIENERWALD“ / HK. GRUBER

Vom Publikum sehr angenommen wurde das neueste Werk von Gruber. Mit einjähriger Verspätung, zur Verabschiedung des Intendanten, ging das Werk gestern erfolgreich über die Bühne.

Unbenannt                       

© Bregenzer Festspiele / Karl Forster     Beichtszene

Musikalisch wurden wirklich alle Gefühlsnuancen wirkungsvoll umgesetzt, ein Komponist der alle Sänger „singen“ lässt und nicht musikalische „Bocksprünge“ veranstaltet. So kommen auch alle Stimmen wirklich gut über die sehr reichhaltige Orchestrierung.  In der Regie von Michael Sturminger, der auch das Libretto schrieb und fast nichts veränderte,  wird das Stück und nicht der Traum eines Regisseurs aufgeführt. Die Personenführung ist mehr als geglückt, eine gute Hand für die Umsetzung der einzelnen Schicksale. Das Opfer Marianne ist so gut getroffen, mitleiderregend, aber doch nicht so ganz sympathisch. Sehr gut vorgetragen, sowohl stimmlich als auch in der Darstellung von Ilse Eerens . Die aus Belgien stammende Sopranistin ist im europäischen Raum auch schon sehr gut unterwegs, Eine sehr lyrische, angenehm timbrierte Stimme, die technisch gut geführt ist. Vom zarten Piano bis zum doch heftigen Forte der Partitur hatte sie alles gut in der Kehle. Auch Angelika Kirchschlager fand in der Rolle der Valerie wieder ein Glanzstück. Auch bei ihr war die szenische Umsetzung,  ja wie immer bei der Künstlerin bis ins Detail ausgefeilt. Von extrem grausamer Bösartigkeit bot Anja Silja die Großmutter. Das war der Gruseleffekt pur. Gegen so eine Übermutter kommt natürlich keine Tochter weiter, so auch der schwache Widerspruch der Tochter, Mutter von Alfred, gut dargestellt von Anke Vondung. Ein schöne gut geführte  Mezzostimme, die auch sehr gut trägt und nie forciert klingt. Die Damenriege komplettierten Ursula Langmayr und Johanna von der Deken als die beiden Tanten. 

Jörg Schneider, von der Volksoper ist man gewohnt diesen Sänger mit dem Belcantotenor  nur in sympathischen Rollen zu erleben. Hier bot er eine so großartige Studie der verlogenen Doppelmoral dieser Kleinbürger. Einfach großartig. Auch Daniel Schmutzhard sang den „Strizzie“  Alfred hervorragend. Ein leichter Bariton mit sehr warmen Timbre, so konnte er gut schmeicheln. Von der Regie war er etwas weniger mies gezeichnet als vielleicht auf der Sprechtheaterbühne. Albert Pesendorfer als Zauberkönig war eine wunderbare Zeichnung des befehlenden  Vaters, der mit Gegenrede überhaupt nicht umgehen kann. Pesendorfers angenehm schöner Bass gab dieser Rolle auch genug Menschlichkeit. Der unangenehme „Erbsenzähler“ Erich, hebt sich deutlich als „strammer Deutscher“  von den in seinen Augen „laschen“ Wienern – Österreichern ab. Michael Laurenz, ein Tenor aus Halle/Saale setzte dieses Bild deutlich und sehr erfolgreich um. Großartig Markus Butter, ein wunderschöner Bariton war als Rittmeister gut, als Beichtvater großartig. Überhaupt diese Szene war eine der allerbesten dieser Premiere. Das erinnerte so an Faust, einfach toll. Der internationale Bariton David Pittman-Jennings ist hauptsächlich in zeitgenössischer Musik unterwegs. Er gestaltete die Rolle des Mister. Alexander Kaimbacher als der Hierlinger Florian und vor allem als Grammophon-Sänger wusste besonders mit der „Rudolfarie aus Die Boheme“  in deutscher Sprache im altmodischem Vortrag zu beeindrucken.  Der junge Wiener Robert Maszl konnte mit schönem Tenor in der kleinen Rolle des Havlitschek auffallen.

Die Lichtgestaltungen von Olaf Winter trugen sehr viel zum Erfolg dieser Produktion bei, eben besonders die Beichtszene sei da zu erwähnen.  Die passenden, daher wenig schönen Kostüme und die Bühnenausstattung voll Tristesse waren Arbeiten von Donmartin supersets, dahinter verbirgt sich das Team Renate Martin und Andreas Donhauser.  Das ergab eine Einheit, die sehr wirkungsvoll den Charakter des Stücks unterstrich.

Der Komponist stand natürlich selber am Pult der Wiener Symphoniker, und musizierte (s)ein Werk, dem man viele weitere Aufführungen wünschen soll. Im österreichischen Raum, aber auch weit in die Welt hinaus, es ist ein österreichisches Werk und eine herrliche Milieuschilderung dieser nicht sehr schönen Zeit im „Wiener Wald“.

Diese Premiere war eine Co-Produktion mit dem Theater an der Wien, da wird das Stück in der Spielzeit 14/15 aufgeführt.

Das Publikum war sehr angetan, bis auf so manch enttäuschten Gast, der mit dem Titel leider auf eine Operette wartete. Diese gibt es schon lange nicht mehr bei den Festspielen am Bodensee.     

Elena Habermann

 

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