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BOY 7

18.08.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover Boy 7~1

Ab 21. August 2015 in den österreichischen Kinos
BOY 7
Deutschland  /  2015 
Regie: Özgür Yildirim
Mit: David Kross, Jens Harzer u.a.

Es scheint, dass die „Lese“-Zeiten für Teenager von heute hart sind. Wenn sie nur mit Harry Potter in Zauberwelten gehen, ist es (obwohl vielfach schaurig genug) vergleichsweise harmlos, als Vampire und Werwölfe finden sie sich zwischen Buchseiten auch, und vor allem landen sie in totalitären Welten, und alles, alles ist extrem grausam und wird verfilmt. Von den „Tributen von Panem“ rollt demnächst der letzte Teil auf uns zu, die „Bestimmung“-Romane von Veronica Roth haben auch viele Fortsetzungen im Kino, und den Jugendroman „Boy 7“ haben interessanterweise die Holländer und die Deutschen gleichzeitig, unabhängig von einander auf die Leinwand gebracht. Nun, so toll ist er auch wieder nicht.

Aber die totalitäre Welt regiert: Jugendliche, die wegen mehr oder minder geringer Vergehen hinter Gitter müssen, landen zwar scheinbar in einem eleganten Schloß bei scheinbar vor Wohlwollen triefenden „Lehrern“, aber man kann sich vorstellen, wie sie behandelt und wofür sie ausgebildet werden. Das liegt dermaßen auf der Hand und bringt nicht das kleinste Bisschen an Überraschung.

Erzählt wird die Geschichte in auch bekannter Rückblenden-Manier – wieder einmal erwacht jemand ohne Gedächtnis, in diesem Fall der junge Mann, der nur die Klassifikation „Boy 7“ besitzt und dem offenbar die Flucht in die U-Bahn-Schächte geglückt ist. Gemeinsam mit „Girl 8“, die aus unerfindlichen Gründen auch dem Horror entkommen scheint, versucht er seine Vergangenheit zu erforschen, während die Schergen ihn jagen…

 Es ist weitgehend unspannend, eine vorhersehbare Geschichte zu verfolgen, die von Regiseur Özgür Yildirim auch nur brav heruntergespult wird, so dass man nicht einmal davon erschüttert wird, wie die Bösen da in den Köpfen des Nachwuchses herumoperieren. Das glaubt man ohnedies. Was man nicht glaubt, ist das abrupt-plötzliche, quasi aus der Luft gegriffene Happyend. Wieso das jetzt?

Das ist mager, zumal das Ganze nur eine einzige Attraktion bietet. Nicht David Kross, der jugendlichen Anstand brav herunterspielt und so sympathisch ist, wie der Held eines Jugendfilms sein sollte. Darstellerischer Höhepunkt des Films ist doch der geschniegelte, süffisante Bösewicht von Jens Harzer (der jedem Bond-Film zur Ehre gereichen würde). Theaterfreunde kennen ihn als besonders schillernden, nuancenreichen Darsteller, und hier zeigt sich, dass er seine Brillanz auf der Filmleinwand ebenso verbreiten kann wie auf der Bühne, selbst wenn die Rolle nur das Übliche hergibt. Das macht ja große Schauspieler aus – dass sie auch dann noch faszinieren.

Renate Wagner

 

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