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BONN: HOLOFERNES von Emil Nikolaus Reznicek

25.06.2016 | Oper

Opernrarität in Bonn: HOLOFERNES von Emil Nikolaus Reznicek  (Vorstellung am 25.6.2016)

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Mark Morouse als grausamer Feldherr Holofernes (Foto: Thilo Beu)

 Das Opernhaus Bonn, bekannt dafür, immer wieder mit selten gespielten Werken aufzuwarten, brachte in dieser Spielzeit die Oper „Holofernes“ des österreichischen Komponisten Emil Nikolaus von Reznicek zur Aufführung, dessen Uraufführung im Jahr 1923 in Berlin stattfand.Das Libretto verfasste der Komponist nach dem Drama Judith von Friedrich Hebbel.Emil Nikolaus von Reznicek, 1860 in Wien geboren, 1945 in Berlin gestorben), beendete sein Musikstudium 1884 in Leipzig und kam 1888 als Militärkapellmeister nach Prag, wo außer seiner Jungfrau von Orléans auch seine bekannteste Oper Donna Diana, deren Ouvertüre ein Welterfolg wurde, herauskam. Von 1896 bis 1899 war er Hofkapellmeister in Weimar, danach Kapellmeister in Mannheim Berlin und Warschau und von 1909 bis 1911 an der Komischen Oper Berlin. Seine zahlreichen Opern gerieten in Vergessenheit, aus der sie erst seit einigen Jahren in Deutschland – wie 2010 in Chemnitz Benzin und 2012 in Augsburg Ritter Blaubart  wieder entrissen wurden. Man fragt sich schon: Warum eigentlich nicht in Österreich?

Die Handlung der zweiaktigen Oper Holofernes in Kurzfassung: Holofernes, der Feldherr des assyrischen Königs Nebukadnezar, belagert Bethulien, dessen Bewohner mit ihren Tributzahlungen im Rückstand sind. Viele der Bürger sind inzwischen bereit, sich zu ergeben, doch die schöne Witwe Judith fordert ihre Mitbürger auf, mit der Kapitulation bis zum nächsten Morgen zu warten. – Sie begibt sich mit ihrer Vertrauten Abra ins Lager der Assyrer, wo Holofernes von der Schönheit der fremden Frau hingerissen ist. Obwohl Judith ihn provoziert und ihm ihren Hass entgegenschleudert, ist sie von dem Machtmenschen fasziniert und gibt sich ihm in der Nacht hin.

Als er schläft, trennt sie ihm den Kopf ab. In Bethulien wird sie als Befreierin gefeiert, doch Judith teilt den großen Freudentaumel nicht und tötet sich. Sie will nach ihrer grauenvollen Tat nicht weiterleben und möglicherweise als Folge dieser schicksalshaften Nacht einen Sohn des von ihr erschlagenen Führers der Feinde gebären.

Regisseur Jürgen R. Weber schuf gemeinsam mit dem Bühnenausstatter Hank Irwin Kittel und dem Kostümbildner Kristopher Kempf eine opulente Inszenierung, die in einigen Szenen nur schwer verdaulich war. Weniger wäre mehr gewesen! Die farbenprächtigen Kostüme entschädigten das Publikum ein wenig.

Vor Beginn der Vorstellung wurde bekanntgegeben, dass der Amerikaner Mark Morouse, der Sänger der Titelrolle, an einer starken Erkältung leide, aber die Rolle auf der Bühne spielen werde, und Bernd Valentin sich bereiterklärte, den Holofernes an der Bühnenseite vom Blatt zu singen, womit die Vorstellung gerettet war. Es war eine gute Lösung, da Mark Morouse so klug seine Rolle mimte, dass man meinte, er singe selbst. Der deutsche Bariton Bernd Valentin sang die Titelrolle mit Bravour vom Blatt.

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Johanni van Oostrum als Judith beim erotischen Tanz vor der Nacht mit Holofernes (Foto: Thilo Beu)

Star des Abends war eindeutig die südafrikanische Sopranistin Johanni van Oostrum als Judith. Mit ihrer von Leidenschaft glühenden Stimme bewältigte sie jede Höhe, schauspielerisch gab sie eine begehrenswerte junge Frau, der Holofernes erliegen musste. Am Schluss der Vorstellung erhielt sie vom Publikum verdientermaßen frenetischen Beifall. Ihre Magd Abra wurde von der in Wales geborenen Altistin Ceri Williams dargestellt, die – wohl auf Wunsch des Regisseurs – jede Geste von Judith nachahmen musste. Ein lähmender Gag, der auch die Zuschauer bald nervte.

Osias, den Oberpriester Bethuliens, gab der Bass Daniel Pannermayr, der mit „sterbender Stimme“ offensichtlich das Alter des Oberpriesters auszudrücken hatte. Aus der großen Anzahl der kleineren Rollen ragte stimmlich der kraftstrotzende Tenor Johannes Mertes als Achior, Hauptmann des Holofernes, sowie die Tänzerin Karioca heraus.

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Judith (Johanni van Oostrum) mit dem abgeschlagenen Kopf von Holofernes (Foto: Thilo Beu)

 

Der Chor des Theaters Bonn agierte als Bürgerschaft Bethuliens recht stimmkräftig (Einstudierung: Marco Medved), das Beethoven-Orchester Bonn brachte die schillernde und spätromantische Partitur des Komponisten, die eher illustrativen Charakter hatte, unter der Leitung von Jacques Lacombe gut zur Geltung.

 Eher müder Applaus zum Schluss, wobei Bernd Valentin und Mark Morouse Sonderapplaus erhielten. Für die Judith-Darstellerin Johanni van Oostrum rauschte frenetischer Beifall auf.

Udo Pacolt

 

 

 

 

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