Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BOHUSLAV MARTINŮ: DER SCHATTEN, BALLETT

24.08.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

5060113442499 BOHUSLAV MARTINŮ: DER SCHATTEN, BALLETT in einem Akt; Sinfonia Varsovia – TOCCATA CD – Frühe Orchesterwerke, Vol. 2 – Weltersteinspielung

Lohnt die Aufnahme einer Komposition, deren Schöpfer es selbst als „schwaches Lehrlingswerk“ bezeichnet hat? Das Ballet in einem Akt „Der Schatten“ als Teil eines Triptychons konzipiert, hat Martinů 1916  geschrieben, in einer Zeit, in der er von Beethoven, Brahms, Debussy und vor allem Richard Strauss fasziniert war. Das von Stanislav Novák entworfene Libretto ist so simpel wie gruselig: Ein Mädchen betritt einen Park und tanzt. Ihr Spiegelbild entschwebt einem Brunnen, hinter dem drei Figuren erscheinen. In die Arme der mittleren zieht es das Mädchen. Diese, der Tod, umhüllt es mit seinem Mantel. Das Mädchen sinkt tot danieder. 

Zu dieser Geschichte schrieb Martinů die heiterste und unbeschwerteste Musik, die man sich denken mag. Es klingt ganz köstlich nach Rosenkavalier, Alpensymphonie, dazwischen auch nach Mozart und Beethoven. Also wenn man Mondrian in seiner reifen abstrakten Phase schätzt, ist es selbstverständlich legitim, sich mit dessen konkreten frühen Landschaftsbildern (vor allem dessen Vorliebe für Bäume) zu befassen. So bietet auch diese Aufnahme abgesehen von den rein „kulinarischen“ Aspekten viel Lehrmaterial für die musikalische Entwicklung des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů. Der Hörer kann dessen Vorliebe für den Einsatz des Klaviers im symphonischen Rahmen kennenlernen und staunen, wie Martinů schon als Junger mit rein kammerorchestralen Mitteln unter Zuhilfenahme von Klavier und Celesta farbenprächtige klingende Tableaus zu entwerfen imstande war.

Wenn man das Werk als Tanzsuite ohne Inhalt auffasst, in der es strausselt, bis geht nicht mehr, dann kann man auch Gefallen daran finden, zumal DirigentIan Hobson der Sinfonia Varsovia gar delikate und silberne Klänge zu entlocken vermag. Mit hoher Orchestertransparenz gespielt, wird dieses einstündige Opus  unter Assistenz der Sopranistin Dorota Szczepanska und Agnieszka Kopacka am Klavier nie langweilig.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

Diese Seite drucken