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BLINDENMARKT/ HERBSTAGE: "BOCCACCIO" ALS FLOTTE MUSICAL-REVUE IN BLINDENMARKT. Premiere

09.10.2016 | Operette/Musical

FLORENZ HAT SCHÖNE FRAUEN…“BOCCACCIO“ ALS  FLOTTE MUSICAL-REVUE IN BLINDENMARKT (8.10.2016)

Bildergebnis für blindenmarkt boccaccio
Alexander Kaimbacher, umringt von schönen Frauen. Copyright: Herbsttage Blindenmarkt/ Lukas Beck

Sie sind ein einzigartiges Phänomen – die „Herbsttage“ in Blindenmarkt bei Amstetten. Ein Monat lang  – seit nunmehr bereits seit 26 Jahren –  lockt der Intendant der Open-Air-Oper in Klosterneuburg, Michael Garschall, mit attraktiven Operetten-Produktionen ein Monat lang  in seinen Geburts-Ort an der Westautobahn. Unterstützt wird er dabei  vom Dirigenten Kurt Dlouhy, ebenfalls gebürtiger Blindenmarkter und langjähriger Professor an der Musik-Hochschule in Linz.  Heuer ist es  „Boccaccio“ von Franz von Suppé (UA 1879) – eine wirre „Verwechslungskomödie“ über den Erotik-Dichterfürsten Giovanni Boccaccio, der im 14. Jahrhundert lebte und durch sein frivolen „Decamerone“ am Literaturhimmel fixiert wurde. Franz von Suppé (1819-1895) gilt  zwar als Vater der Operette in Österreich und „Boccaccio“ als sein berühmtestes Werk. Und  musikalisch wirkt der „Boccaccio“  tatsächlich als Hit-Lieferant: „Hab ich nur Deine Liebe, die Treue brauch ich nicht“ oder „Florenz hat schöne Frauen“ gehören zu den „ewigen“ Ohrwürmern der Operette. Leider kann das Libretto von Friedrich Zell und Richard Genée damit nicht mithalten. Eine mehr als komplizierte Handlung mit viel zu vielen Protagonisten –  könnte man ausrufen. Oder haben Sie schon einmal versucht die Handlung des „Boccaccio“ in wenigen Sätzen wiederzugeben? In Blindenmarkt versucht man, daraus eine Tugend zu machen. Die Regisseurin Isabella Gregor und Ausstatterin Ilona Glöckel entschieden sich für eine flotte Musical-Revue (Choreographie Monica I. Rusu-Radlman ) in Slap-Stick-Manier und fügten sogar  das bekannte „Sie hab’n a Haus baut“ von Arik Brauer ein. Da  rockt es auf der Bühne und das Publikum jubelt, pfeift und schreit Bravo wie zuvor beim Misericordia-Chor der Bettler. Allerdings entsteht die eingeschobene Euphorie aus gegebenen  Anlass. Spielt man doch heuer in der funkelnagelneuen Ybbsfeldhalle. Kultur wird in Blindenmarkt in Zukunft nicht nur im Oktober „Gross“ geschrieben! Doch wieder zurück zu Suppé und seiner Operette. Sie wird in Blindenmarkt als Amalgam von Laien und echten Professionals geboten. Sowohl der Chor der Herbsttage Blindenmarkt wie das Kammerorchester Ybbsfeld unter der Leitung des routinierten Kurt Dlouhy ist durchsetzt von echten Amateuren oder Musikstudenten, die sich erste Erfahrungen holen. Und auch auf der Bühne findet man viele blutjunge Gesichter, die mit Begeisterung ersetzen, was ihnen  an Erfahrungen fehlt. Und dann gibt es die Voll-Profis, die im österreichischen Theaterleben in die 1. Kategorie gehören, wie Alexander Kaimbacher (Titelrolle) oder Gabriele Schuchter (Peronella). Der in Villach geborene Kaimbacher gehört zu den international gefragten Singdarstellern. Er war Star der Neuen Oper Wien, von 2007 – 2010 Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper und ist seither in München, Paris oder Mailand engagiert. Er ist für den Boccaccio eine Idealbesetzung: fesch, charmant ein  sensibler „Frauenversteher“ und dazu ein Vollblutkomödiant, der die vielen Verkleidungen genießt. Seine  Fiametta – die blutjunge Mazedonierin Milena Arsovska – kann nicht ganz in punkto Stimmvolumen mithalten. Aber dieses Manko kompensiert sie durch ein süßes, inniges Timbre und ihr beschwingtes Spiel. Großartig auch Gabriele Schuchter, die an allen führenden österreichischen oder deutschen Theatern spielt. Die geborene Salzburgerin ist als Peronella eine echte „Komödiantin“, sie singt mit Werfe, tanzt und schlägt sogar Rad. Weitere Stars der Aufführung: der attraktive Waldviertler Anton Graner als Prinz von Palermo oder Willy Narowetz als etwas „trotteliger“ Gewürzhändler Lambertuccio – er kommt aus Blindenmarkt und deshalb Bühnen-Lokalfavorit. Im Ensemble auch noch der engagierte Daniel Serafin als Barbier Scalza und die aus Lettland stammende Anete Liepina als Beatrice. Die Blindenmarkter-Herbsttage 2016 – letzte Vorstellung am 30.Oktober – sollte man nicht versäumen!

Peter Dusek

 

 

 

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