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BIETIGHEIM/ BISSINGEN/ Kronen-Zentrum: FRANZ LISZT KAMMERORCHESTER (Bach, Tartini, Waxman, Dvorak)

13.03.2020 | Konzert/Liederabende

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Copyright: Classic Concerts Management

Franz Liszt Kammerorchester am 12.3.2020 im Kronenzentrum/BIETIGHEIM-BISSINGEN

Mit brillantem Bogenstrich

 Im Mittelpunkt dieses glanzvollen Konzerts mit der vielfach preisgekrönten japanischen Geigerin Mone Hattori (Konzertmeister: Peter Tfirst) stand das stimmungsvoll und erfrischend interpretierte Konzert für Violine und Orchester in a-Moll BWV 1041 von Johann Sebastian Bach. Dieses Werk wurde vom Franz Liszt Kammerorchester mit einem selbstbewusst-energischen Thema eingeleitet. Die Solovioline entdeckte bald einen schmerzlichen Zug, den Mone Hattori ausdrucksvoll unterstrich. Nach der Rückkehr zur Anfangsstimmung führte sie den melodischen Fortgang in energischer Weise weiter. Auch das facettenreiche Bassthema des zweiten Andante-Satzes gewann bei dieser Wiedergabe eine geradezu ergreifende Intensität. Über diesem Bassmotiv entfaltete sich dann das betörende Spiel der Violine mit bewegender Emphase. Der Tanz-Charakter des letzten Allegro-assai-Satzes wirkte wie ein atemloser Schlusstaumel. Hervorragend war dann auch die Wiedergabe des Concerto Nr. 3 in G-Dur BWV 1048 aus den Brandenburgischen Konzerten von Johann Sebastian Bach. Violinen, Bratschen und Celli werden dabei in raffinierter Weise geteilt. Das Mit- und Gegeneinander dieser Kombination führte hier zu einer großen Klangfülle, die gar nicht mehr zu bremsen war. Das erste Allegro war dabei wirklich von einer überaus festlichen Spannungskraft erfüllt. Die fantasievolle Verarbeitung des Kopfthemas stach deutlich hervor.  Der Adagio-Takt verkündete ein besinnliches Innehalten. Nach der grandiosen Cembalo-Kadenz folgte das tänzerische und unbeschwerte Schluss-Allegro. Mone Hattori war bei der berühmten „Teufelstrillersonate“ in g-Moll für Violine und Orchester von Giuseppe Tartini ganz in ihrem Element. Dabei berührte nicht nur der ausdrucksvolle Cantabile-Stil des Andante das Publikum, sondern auch die schwierigen und hochvirtuosen Triller und Doppelgriffe bei den schnellen Sätzen. Tartini soll dabei von einer Traum-Vision heimgesucht worden sein, bei der der Teufel seine Melodien verführerisch schön nachspielte. Er war selbst ein glänzender Geiger, der Kombinationstöne entdeckte, die seinen mystischen Anspruch unterstrichen. Beim Konzert im Kronenzentrum ließ die ausgezeichnete Geigerin Mone Hattori diesen Aspekt regelrecht aufblühen. Im Allegro assai schien dann der Teufel die musikalische Führung übernommen zu haben. So zeichnete die Gegierin die Passagen in atemberaubender Weise nach. Beim plötzlich hereinbrechenden Allegro schien der Komponist vom Teufel überrascht worden zu sein. Die Grave-Einleitung stellte offensichtlich den Schlafenden dar. Tartini heiratete übrigens die Nichte des Erzbischofs. Angeblich soll er noch heute zusammen mit seiner Frau in jenem Grabgewölbe herumspuken, in dem er beerdigt ist. Auch die „Carmen Fantasie“ des erfolgreichen amerikanischen Filmkomponisten Franz Waxman gestaltete Mone Hattori mit glühender Intensität und elektrisierender Leuchtkraft. Feinste Klangzerlegungen und die Kraft ungebrochener melodischer Erfindung führten hier zu einem wahrhaft grenzenlosen Schlusstaumel. Auch die rhythmische Kraft zeichnete die Faszination der Stierkampfarena in mitreissender Weise nach. Zum Abschluss erklang noch die Serenade für Streichorchester in E-Dur op. 22 von Antonin Dvorak, wo das Franz Liszt Kammerochester die thematischen Zusammenhänge in reizvoller Weise betonte. Das Duett zwischen Bratschen und ersten Geigen im Larghetto besaß ergreifende Klangfülle. Und die eigenartige slawische Melodik kam in bemerkenswerter Weise zum Vorschein. Zuletzt gab es begeisterten Schlussapplaus für dieses Konzert des ungarischen Franz Liszt Kammerorchesters. 

Alexander Walther

 

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