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BEZAUBERNE LÜGEN

03.04.2012 | FILM/TV

Ab 6. April 2012 in den österreichischen Kinos
BEZAUBERNE LÜGEN
De vrais mensonges  / Frankreich  /  2010
Regie: Pierre Salvadori
Mit: Audrey Tautou, Nathalie Baye, Sami Bouajila u.a.

Sète, ein sehr hübsches, romantisches, eher kleines und von Touristen vermutlich nicht überlaufenes französisches Örtchen am Mittelmeer: Das perfekte Ambiente für eine Idylle, wo Probleme letztendlich fliegengewichtig einherkommen und das Happyend unvermeidbar ist (nur dass es bis dahin ein paar Drehungen und Wendungen zu viel gibt): Kurz, das französische Kino beschert uns wieder einmal eine durch und durch künstliche, zauberhafte Komödie, die man sich einfach von den wunderbaren Schauspielern verkaufen lässt. Ist ja weder ernst noch wichtig gemeint.

Wenn da schon Audrey Tautou auftaucht, mit ihrer schwarzen Kurzhaarfrisur und den ausdrucksvollen Augen, ganz unzeitgemäß eine Audrey Hepburn von heute, dann möchte man sich am liebsten selbst in ihrem Frisiersalon niederlassen, obwohl sie gleich zu Beginn eher harsch über die Wünsche einer Kundin hinwegfegt. Ist aber lustig gemeint, wenn diese ganz verdutzt auf den verschnittenen Pony schaut…

Émilie Dandrieux besitzt also den Friseurladen zusammen mit einer Kollegin, und im übrigen hat sie keinen Ehemann, nur eine verzweifelte Mutter namens Maddy, die von ihrem Mann verlassen wurde und der Tochter auf der Seele liegt. Dass in ihrem Laden in untergeordneter Position (ein Mann für alles – wer so etwas hätte!) der Nordafrikaner Jean arbeitet, nimmt sie kaum wahr. Aber er sie…

Um eine lange und unnütz umständliche Story kurz zu machen: Die anonymen Liebesbriefe, die Jean an Emilie schickt, sendet die an ihre Mutter weiter, die (nicht sehr glaubhaft) den Absender identifiziert, aber sich selbst für die Angebetete hält. Erst, als sie ihn quasi an die Mama abgeben hat, fällt auch Emilie ein, dass ihr Jean eigentlich selbst gefällt… und da ist Mutter- und Tochterliebe, man will einander nicht weh tun, und da ist der anständige Mann, der sich auch verletzt zeigt, als er darauf kommt, wie ihn Emilie missbraucht, um der Mutter zu Lebensfreude zu verhelfen…

Das alles liegt schrecklich auf der Hand, muss aber nur gespielt werden. Wie Audrey Tautou als Emilie und Nathalie Baye (wie es scheint: leider mit etwas geliftetem Gesicht) dies exekutieren, ist die hohe Schule der minimalistischen Töne und Gesten, ein doppeltes Virtuosenstück, glücklicherweise nebeneinander und nicht gegeneinander.

Aber letztendlich merkt man die Absicht… und so schießt eigentlich der Tunesier Sami Bouajila in diesem Film von Pierre Salvadori den Vogel ab. Denn wo die Damen vor allem zeigen, was sie alles können, bleibt er ein genuiner Mensch. Bringt, ganz zart, sein Außenseitertum ein (das Drehbuch vergönnt ihm den Triumph, dass er, der Klempner und Putzmann aus Nordafrika, eigentlich ein Dolmetsch vieler asiatischer Sprachen war und im Vergleich zu den Damen ein wahrer Intellektueller ist, der unter Büchern lebt) – aber vor allem spielt er die noble Seele ein, die niemandem weh tun will, selbst wenn ihm weh getan wird.

Er ist es, der mehr ans Herz rührt als sonst jemand in diesem Film, der es in jeder Einstellung so sehr darauf anlegt, entweder einen Lacher zu erzielen oder ans Herz zu rühren… Ja, mit der Echtheit haben sie’s meist nicht, die Franzosen.

Renate Wagner

 

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