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BERN/ Stadttheater; DIE ZAUBERFLÖTE. Premiere

24.11.2014 | Oper

Premiere der Zauberflöte am Stadttheater Bern vom 23.11.2014

Unbenannt
Tamino mit den 3 Damen vor Schaufensterpuppe (Pamina). Foto: Anette Bouttellier

 Es geht heftig zur Sache in dieser Berner Zauberflöte. Für Entspannung sorgen zahlreiche einfallsreiche Brechungen, die Regisseur Nigel Lowery der ebenfalls für Bühne und Kostüm zuständig war, gelungen einbringt.

 Die ganze Handlung findet in einem Kaufhaus statt. Das Bühnenbild wird von einer übergrossen Aufzugtüre dominiert und das Kaufhaus zählt virtuell mehr als zehn Etagen. Auf jeder Etage führen die Protagonisten ihre Läden. So zum Beispiel befindet sich die Parfümerie der drei Damen im Erdgeschoss. Sie schmeissen den Laden überaus gekonnt, witzig und mit viel Sexappeal. Verkaufen Parfüm, buhlen nach Kunden und überbieten sich mit Aktionen. Im Keller lebt die Königin der Nacht und im Dachstock Sarastro und sein männliches Gefolge. Papageno tummelt sich überall herum, mal an der Cüpli Bar oder auch mal in der Parfümerie, wo er in Ungnade der drei Damen fällt. Tamino besingt eine Schaufensterpuppe als er ihr Bildnis bewundert und hat damit die Lacher des Publikums eingefangen.

 Die Personenführung ist dicht gearbeitet, die zahlreichen Szenenwechsel fliessen gekonnt ineinander, obwohl das ständige Aufzugfahren mit der Zeit ermüdend wirkt. Bei jedem Szenenwechsel schliesst sich die Aufzugtüre, sehr effektvoll ausgedacht durch die sich bewegenden Seitenwände und den verändernden Etagenzahlen.

 Warme Natürlichkeit zeichnete den Gesang von Julien Behr aus. Sein Tamino war hell gefärbt, blühte in den hohen Lagen auf und vermochte Zartes ebenso zu vermitteln wie dramatische Steigerung. Camille Butcher brachte mit farbenreichem Sopran die Hoffnung und Nöte der Pamina nuanciert zum Ausdruck, abgerundet durch ein Spiel von überzeugendem Einfühlungsvermögen. Die stärkste Leistung des Abends bot Yun – Jeong Lee als Königin der Nacht. Ihr koloraturgespickter und höhensicherer Sopran vermochte sehr zu überzeugen und begeisterte rundum. Sie sang die Koloraturen voll aus, energisch gekonnt trat sie auf und konnte somit Glanzpunkte setzen. Erstaunlich und bewundernswert wie sie ihre erste Arie unter der übergrossen Maskenlarve singt, eine nicht ganz einfache Aufgabe für die zierliche Asiatin. Der Sarastro von Kei Wegner war solide, er trat  mit erhabener Grösse auf und er konnte mit einer tiefen Stimme aufwarten. Ein quirliger Typ in Aufmachung und Gestik war der Papageno von Robin Adams. Hinter der clownesken Gewandung entpuppte er sich jedoch als liebenswerter Zeitgenosse der mit seiner einnehmenden sympathischen Art sehr gefiel. Oriane Pons gab eine gute Papagena als wahrlicher Wirbelwind, sie wurde durch die Lüfte geflogen in einem goldenen Kleid und versprühte kleine Lamettas, sodass der Weihnachtszauber doch auch noch auf der Opernbühne Einzug nahm. Die Schauspielerin (Conference) Eva Hosemann kommentierte die Aufführung und erzählte die Geschichte von dem verlorenen Paar Sonne und Luna. Sie akzentuiere gekonnt das Geschehen mit ihrer kernigen, scharfsinnigen wie auch scharfzüngigen Stimme. Evgenia Grekova, Sophie Rennert und Claude Eichenberger bildeten ein homogenes Trio als von ihren Begehrlichkeiten angetriebene Damen der Königin.

 Die musikalische Leitung lag in den Händen von Thomas Blunt, einem Könner im besten Sinne. Mit ihm entfaltete das Berner Sinfonieorchester schwelgerischen Mozart-Klang, ohne sich selber in den Vordergrund zu drängen.

 Marcel Paolino

 

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