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BERN/ Stadttheater: ARIADNE AUF NAXOS. Premiere

20.04.2014 | KRITIKEN, Oper

Ariadne auf Naxos am Stadttheater Bern vom 19. April 2014 (Premiere)

Unbenannt
Foto: Annette Boutelier/ Theater Bern

 Lydia Steier hat mit dieser Ariadne die Zeichen der Zeit schlicht und einfach vergessen. Die Aufführung findet weder im angestammten 18. Jahrhundert statt noch im heutigen 21. Jahrhundert und auch die griechische Antike der Oper wird folgefalsch dargestellt, durch die Brille eines ironisierenden Nichts. Was freilich dahindeutet, dass die Regie nicht durch dramaturgisches Können überzeugen will, sondern das Ganze lediglich ins Groteske zieht und keine eindeutige Sprache spricht. Die Personen sind undeutlich charakterisiert und es herrscht in jedem Moment szenisches Unverständnis.

Weshalb der Komponist die Aufführung bis zum Schluss begleiten muss und immerwährend und lautstark das Geschehen unterbricht ist absoluter Schwachsinn und stört die Komposition empfindlich. Warum Ariadne und Bacchus in Unterwäsche gekleidet den nicht ganz einfachen Schluss durchkämpfen, bleibt unverständlich. Weshalb die Komödiantentruppe, als Atomkraftwerk-Laboranten in weissen Überkleidern daher kommen und alles fortwährend desinfizieren müssen ist ebenso fraglich wie die beiden tot daliegenden Statisten in Blut getränkt, von denen Ariadne das Blut nimmt und sich damit beschmiert. Weshalb Ariadne zuckend auf ihrer Insel daher vegetiert und unendlich viel Whisky trinkt bleibt diffus und lässt vielleicht darauf hin deuten, dass es sich um eine Weltuntergangsstimmung handeln könnte. Vielleicht will die Regie die eigentliche Oper als Trotzreaktion der Artisten gedeutet sehen, als Gegenreaktion zum launischen Haushofmeister (Uwe Schönbeck) der die geplante Oper laufend und unkontrolliert auf den Kopf stellt. Das Ganze wirkt sehr undurchdacht und zu alledem unästhetisch.

 Stimmlich in guter Form präsentierte sich Yun – Jeong Lee als Zerbinetta und zieht in den exponiertesten Passagen gesanglich und darstellerisch alle Register als kokettes Commedia dell’Arte-Püppchen. Ihr Gegenpart in dieser Produktion ist Bettina Jensen. Sie setzt ihre etwas dominante Erscheinung bewusst augenzwinkernd für die Gestaltung der Primadonna ein und überzeugt als Ariadne mit silbern schimmerndem Sopranton. Mit klangvoller Mittellage, etwas scharfen Spitzentönen und engagiertem Spiel zeichnet Claude Eichenberger ein rundum solides Porträt des Komponisten. Kai Wegners warm timbrierter Bariton passt bestens zum Charakter des väterlichen Musiklehrers. Michael Putsch verfügt über die nötigen sieghaften Spitzentöne für die unangenehm hoch notierte Rolle des Bacchus. Auch in den Nebenrollen gibt es einige gute Leistungen zu verzeichnen. Wolfgang Resch als jugendlicher Harlekin, Ani Taniguchi als silberstimmige Najade und Andries Cloete als selbstüberzogener und überraschend stimmstarker Tanzmeister.

 Am Pult des Berner Symphonieorchesters der designierte Chefdirigent der Münchner Symphoniker Kevin John Edusei der alle Fäden fest im Griff hat. Der lockere Konversionston des Vorspiels liegt ihm ebenso wie die Lyrismen der Ariadne-Szenen. Für den Schluss hält er noch einen schönen Schuss Strauss’schen Pathos bereit.

 Marcel Paolino

 

 

 

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