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BERN/ Konzert Theater: DIE VERKAUFTE BRAUT – Sogar das Huhn trägt Maske

14.09.2020 | Oper international

Friedrich Smetana: Die Verkaufte Braut, Konzert Theater Bern, Vorstellung: 13.09.2020

 (4. Vorstellung seit der Wiederaufnahme am 04.09.2020)

Sogar das Huhn trägt Maske

Die verkaufte Braut | Konzert Theater Bern
Foto: Janosch Abel

Die szenische Wiedereinstudierung – und wohl auch coronagerechte Adaption – (Alexander Kreuselberg) der Inszenierung der kroatischen Regisseurin Adriana Altaras wie auch die Inszenierung selbst überzeugen und faszinieren durch ihren klugen Detailreichtum.

Inspiriert durch Milos Formans «Der Feuerwehrball» (1967) lässt Altaras die Oper mehr oder weniger in der Gegenwart (Kostüme: Nina Lepilina) in einer dörflichen Mehrzweckhalle (Bühne: Christoph Schubiger) spielen, die ihre besten Tage schon lang, lang hinter sich hat. In der Halle wird geturnt, gefeiert, es finden kulturelle Anlässe statt. Das Dorf, in dem diese Halle steht, ist klein: Jeder kennt jeden. Jeder weiss über den Anderen Bescheid, kennt die Leichen im Keller und belässt sie dort. Es entsteht eine «verschworene» «Gemeinschaft», die enormen Druck aufbauen kann: Marie und Hans aber auch Wenzel bekommen ihn zu spüren. Hans wird von seiner Stiefmutter vertrieben, die aber, vermutlich wegen des Reichtums von Hans Vater Micha, bis zum Schluss im Dorf akzeptiert bleibt. Als er dann nach längerer Zeit zurückkehrt, will ihn niemand erkennen. Für den Verkauf der Braut verachten ihn alle zutiefst, bis sie ihm genauso begeistert zujubeln, weil er Kecal an der Nase herumgeführt hat. Marie ist eine Figur, über die bestimmt wird. Sie wird solang getreten, bis sie dann, gegenüber Wenzel, selbst zu treten beginnt. Wenzel ist der Aussenseiter der Gemeinschaft, jemand, der sich nicht wehrt und so wunderbar als Projektionsfläche für Früste und alles Mögliche Andere dient. Mit Tieren, so mit dem Huhn, das ihn begleitet und immer wieder Maske trägt, kann er es besser als mit den Menschen.

Altaras gelingt es meisterhaft diese dörfliche Gemeinschaft verständnisvoll auf der Bühne darzustellen und sanft in die Gegenwart zu holen.  Ohne über Gebühr abgelenkt zu werden, kann der Zuschauer immer wieder neue Details entdecken.

Der Chor ist in Altaras Inszenierung stark gefordert, die Bühne mit Leben zu füllen. Chor Konzert Theater Bern (Chor: Zsolt Czetener) hat das Spielen und Singen mit Maske bestens erfüllt. Das Berner Symphonieorchester unter Hans Christoph Bünger hat nach wackligem Beginn rasch zu alter Stärke zurückgefunden und Smetanas Musik höchst leidenschaftlich und weit weg vom «Moldau-Sound» zu Gehör gebracht.

Evgenia Grekova als Marie und Nazariy Sadivskyy als Hans sangen eine fulminante Derniere. Andries Cloete als Wenzel stand den beiden in Nichts nach. Philipp Mayer als Kecal legt den Heiratsvermittler ganz im Sinne von Altaras Konzeption an und spielt die Dörfler gegeneinander aus. Sarah Mehnert und Florian Marignol sowie Claude Eichenberger und Young Kwon sangen die Elternpaare Ludmilla und Krušina sowie Háta und Micha. John Uhlenhopp ist mit zweifelhaftem Humor der wortgewaltige Direktor der Komödiantentruppe (Orsolya Nyakas als Esmeralda, Miron Landreau als Indianer, Azucena Fabbri als Artistin und Neil Fabbri als Artistenkind).

Wieder ein rundum bereichernder Abend!

Keine weiteren Aufführungen in Bern.

Ko-Produktion mit der Oper Graz: Premiere am 12. Dezember 2020 (https://oper-graz.buehnen-graz.com/production-details/die-verkaufte-braut)

13.09.2020, Jan Krobot/Zürich

 

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