Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BERN/ Bühnen: PELLÉAS ET MÉLISANDE. Gepflegter Voyerismus. Premiere

21.03.2022 | Oper international

Claude Debussy: Pelléas et Mélisande • Bühnen Bern • Premiere: 20.03.2022

 Gepflegter Voyerismus

Regisseur Elmar Goerden siedelt seine Inszenierung von Debussys «Pelléas et Mélisande» in einer nicht weiter definierten Gegenwart an und hat sich dazu von Silvia Merlo vier Zimmer der Familie von König Arkel auf die Drehbühne bauen lassen. Damit grosse Durchsichtigkeit gewährt ist, sind die Zimmer fragmentarisch gehalten, also nur angedeutet. Das Publikum soll zum Voyeur werden und Einblick erhalten, wie sich Mélisande in dem von Männern dominierten Haushalt mit ihren Traumata zurechtfindet. In einem dermassen mit Symbolen aufgeladenen Stück wie diesem ist Einheitsbühnenbild allerdings ein heikle Sache: wenn Szenen wie der Ringverlust nicht einmal ansatzweise angedeutet werden, die ganze Handlung nur in Zimmern abläuft, wird das fordernde Stück für das Publikum noch fordernder. Die szenische Komponente tritt übermässig in den Hintergrund. Die Kostüme von Lydia Kirchleitner sind, wenn auch von banaler Alltagskleidung inspiriert, immerhin individuell gehalten. Golaud wird als zupackender Naturbursche gezeigt, sein Halbbruder Pelléas als Buchhaltertyp.

pelo
Foto © Janosch Abel

Die Farben, die Sebastian Schwab dem Berner Symphonieorchester entlockt, wollen an diesem Abend leider nicht so recht leuchten. Zudem gerät die Aufführung gegen ihr Ende hin unverhältnismässig laut.

Michał Prószyński singt den Pelléas mit kräftigem, wohlklingenden Tenor. Szenisch ist noch Luft nach oben, die Emotionen sind noch nicht wirklich spürbar. Einen grossen Erfolg kann Robin Adams als Golaud verbuchen. Mit herrliche dunklem, virilen Bariton gibt er einen Golaud von intensiver szenischer und emotionaler Präsenz. Matheus França lässt seinen prächtigen Bass als König Arkel frei strömen. Orsolya Nyakas gibt einen quicklebendigen Yniold, Claude Eichenberger eine grossartige Geneviève. Die Krone des Abends gebührt Evgenia Asanova als Mélisande: intensiver kann man die Geheimnisvolle kaum darstellen.

Weitere Aufführungen:

27.03.2022, 01.04.2022, 05.04.2022, 16.04.2022, 01.05.2022, 14.05.2022, 10.06.2022, 17.06.2022 und 22.06.2022.

20.03.2022, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken