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BERLIN/ Staatsoper-Werkstatt: Ligeti AVENTURES und NOUVELLES AVENTURES / Kagel : SUR SCÈNE

18.11.2015 | Oper

Staatsoper Berlin /Werkstatt : Ligeti AVENTURES und NOUVELLES AVENTURES / Kagel : SUR SCÈNE  am 17. November 2015:

Györgi Ligetis Aventures und Nouvelles Aventures kann man bei der zeitgenössischen Musik eigentlich schon als Klassiker bezeichnen. Sie werden recht regelmäßig in Konzertsälen aufgeführt. Szenische Umsetzungen sind wegen der ungemein schwierig auswendig zu lernenden Gesangsparts dagegen sehr rar.

Ligeti verwendet keinen Text, sondern dadaistische Lautgebilde, die er sprechend, singend, aber auch kreischend, gurrend und murmelnd von den Sängern einfordert, – alles genau notiert. Es entsteht zusammen mit dem Kammerensemble ein expressionistisch- geordnetes Chaos mit vielerlei Farben.

Regisseur MICHAEL HÖPPNER will dem sinnfrei Abstrakten eine konkrete Geschichte geben und erzählt die Evolution vom Urmenschen zur Gehirnmaschine mit drastischem Kostüm- und Requisitenmitteln. (Kostüm und Bühne: GÜNTER HANS WOLF LEMKE ).

In den Ligeti- Stücken mag dieses narrative Verfahren noch nachvollziehbar sein, aber bei Kagels „Sur Szène“ geht nichts mehr auf. Der Schauspieler FELIX THEISSEN  hat einen einstündigen Monolog zu halten, der letztlich um nichts geht: eine professorale Abhandlung über musiktheoretische Themen ohne Syntax und Logik. Und dieser Vortrag gerät leider wenig fesselnd,  denn der Referierende muss sich in die optischen Nebenhandlungen mischen und ist dabei zu oft aus dem Fokus. Bassist MARKUS HOLLOP darf stimmlich einige Fetzen aus der klassischen Opernliteratur andeuten und die Musiker werden obendrein als  Geräuschemacher eingesetzt. Durch zu viel optisches Klimbim verpufft die Skurrilität und Absurdität dieses schwierigen Werks. Weniger wäre mehr.

Sonst bleibt als Hauptplus dieses Abends die musikalisch erstklassige Umsetzung der Ligeti- Werke: die agile amerikanische Sopranistin LYDIA BROTHERTON und die mit weitem Stimmumfang begabte, auch szenisch wendige Mezzosopranistin LENA HASELMANN sowie der erwähnte starkstimmige Bassist MARKUS HOLLOP bringen sich aufopferungsvoll ein.

MAX RENNE leitet souverän und locker die diffizilen Werke. Das in Tierkostümen verkleidete Kammerensemble aus Mitgliedern der Staatskapelle spielt absolut integer und mit hörbarer Musizierfreude.

Als Fazit mag man sagen, dass szenisch nicht klar wird, ob die Stücke mit augenzwinkernder Ironie oder großer Ernsthaftigkeit (die leider dann unfreiwillige Komik erzeugt hätte) dargebracht werden sollten. Diese Unentschlossenheit, aber auch der Zwang, konkret inszenieren zu wollen, schwächen die Vorstellung, die musikalisch sich auf höchstem Staatsopernniveau bewegt.

Christian Konz

 

 

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