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BERLIN/ Staatsoper: TOSCA. Die Diva kam, sah und …ja, sie siegte auch irgendwie.

19.09.2016 | Oper

BERLIN/ Staatsoper: TOSCA am 18.9.2016

Die Diva kam, sah und …ja, sie siegte auch irgendwie.

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Angela Gheorghiu. Foto: staatsoperlive.com

Die Berliner Staatsoper begann ihre letzte Spielzeit im Ausweichquartier des Schillertheater mit einer aufgewerteten Repertoire-Vorstellung von „Tosca“. In der biederen und fad erzählten Inszenierung von Alvis Hermanis durfte man nach zwei Spielzeiten mit Anja Kampe nun die rumänische Sopranistin Angela Gheorghiu in der Titelpartie bewundern. Und wie erwartet spendete das Publikum der Diva schon nach dem 1. Akt die gebührende Aufmerksamkeit, gewohnt kokett nahm sie diese winkend und schelmisch lächelnd entgegen. Ein bisschen was von „anno dazumal“ mag das schon haben, aber man will es ihr nicht verübeln. Sie hat allen Grund sich feiern zu lassen, wartet Sie doch mit stimmlicher Hochform auf. Gheorghiu verfügt mit Sicherheit nicht über eine typische Puccini-Stimme was Volumen und Durchschlagskraft anbelangt, jedoch verführt sie den Zuhörer mit zauberhaften Piani und einer ausgeloteten Rollenanalyse. Diese Tosca weiß um ihre Reize, bewegt sich anmutig im tristen Bühnenbild und neigt hier und da etwas zur szenischen Übertreibung. Zurückhaltung ist ihre Sache nicht. Aber dann gibt es eben auch jene Momente, wo Sie allen das Blut in den Adern gefrieren lässt. Nämlich wenn sie im 3. Akt den Tod ihres Cavaradossis feststellen muss. Dann ist La Gheorghiu plötzlich ganz im Naturalismus angekommen und bannt jeden mit ihren verzweifelten Klagerufen.

Für den erkrankten Fabio Sartori stellte man der Rumänin einen Landsmann in Form von Teodor Ilincai zur Seite. Er überzeugte an jenem Abend mit stählener Höhe und großer Stimme, ließ es allerdings leider an Emotionen mangeln, was ihn dann widerum kühl und teilnahmslos erschienen ließ. Der Applaus nach seiner Arie im 3. Akt verebbte schon nach kurzer Zeit und so musste man auch keine Bange haben, dass seine kapriziöse Kollegin mit ihrem anschließenden Auftritt auf sich warten lassen könnte.

Von der Premierenbesetzung übrigen geblieben ist Michael Volle als Scarpia. Die Partie scheint ihm mittlerweile besser zu liegen, noch kräftiger und sicherer berherrscht er das Monster von Rom und kann seine Kräfte klüger einteilen als noch 2014.  Wegen der „fehlenden Italianita“ scheiden sich bekanntlich nicht nur bei ihm die Geister.

Der russische Bass Grigory Shkarupa ging seinen Angelotti mit stimmlich etwas zu viel Druck an, wusste aber als attraktiver Darsteller zu gefallen. Von den Nebenpartien konnten Jan Martiník (Mesner), Vincenzo Neri (Sciarrone) sowie Dominic Barberi (Kerkermeister) überzeugen, lediglich Dan Karlström als Spoletta offenbarte ein Niveau weit unter dem einer Staatsoper.

Im Graben hatte Domingo Hindoyan damit zu kämpfen, auf die Tempi seiner Titelheldin zu reagieren, die ihm das Leben wahrhaft nicht leicht machte. Im Gegenzug deckte er sie desöfteren im 3. Akt zu. Fazit: Ein etwas aufgewerteter Repertoire-Abend, den das Publikum dankend entgegennahm.

Barbara Rosenrot

 

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