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BERLIN/ Staatsoper: ORFEO ED EURIDICE – „Erholung“ bei Gluck

13.11.2021 | Oper international

Christoph Willibald Gluck: Orfeo ed Euridice • Staatsoper Unter den Linden, Berlin • Vorstellung: 12.11.2021

 (2. Vorstellung • Wiederaufnahme am 06.11.2021)

 «Erholung» bei Gluck

 Glucks erste Reformoper ist das jüngste jener drei Werke, die die Staatsoper unter den Linden im Rahmen der Barocktage zur Diskussion stellt. Frankreich steht mit «Idoménée» von Campra und «Hippolyte et Aricie» im Mittelpunkt der Barocktage: Glucks «Orfeo» reformierte dann als «Orphée» die Oper in Frankreich nachhaltig.

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Foto: Matthias Baus

Nach zwei Abenden mit Werken von Campra und Rameau wird die Modernität von Glucks «Orfeo ed Euridice» besonders deutlich: obwohl auch an diesem Abend mit der Akademie für Alte Musik Berlin wieder eine Spezialformation für Alte Musik spielt, tönt Glucks Meisterwerk um Generationen moderner. Dabei machen «Reformopern» nur einen Bruchteil von Glucks Schaffen aus: die Werke nach dem klassischen metastasianischen Schema dominieren klar.

Christophe Rousset an der Spitze der Akademie für Alte Musik Berlin arbeitet die für Glucks «Orfeo» so charakteristische Einfachheit der musikalischen Sprache ganz im Sinne eines intensiven dramatischen Ausdrucks deutlich heraus und bereitet so die Grundlage für die phänomenalen solistischen Leistungen des Abends. Mit seinem prächtigen Mezzosopran sang Max Emanuel Cenčić einen Orfeo, der an Virtuosität und Brillanz nichts zu wünschen übrig liess und doch immer die Wahrhaftigkeit des Ausdrucks bewahrte. Anna Prohaska begeisterte mit ihrem vollen, weichen Sopran als Euridice.  Liubov Medvedeva gab einen prächtigen Amor. Der Staatsopernchor begeistert mit wunderbar feinem Klang.

Jürgen Flimm geht in seiner Inszenierung auf die Modernität ein, indem er den ersten Akt in einer modernen, etwas kalten und sterilen Abdankungshalle, den zweiten Akt in einer barrikadenartigen, surrealen Umgebung und den dritten Akt im ehelichen Schlafzimmer spielen lässt. Die Ausstattung für diesen bezwingend schlüssigen Ansatz hat Frank O. Gehry geschaffen, die Kostüme Florence von Gerkan. Olaf Freese setzt das alles ins richtige Licht.

Ein grosser Theaterabend!

Weitere Aufführung: 19.11.2021 und 21.11.2021.

13.11.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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