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BERLIN/ Staatsoper im Schillertheater: L'ELISIR D'AMORE – wenn der Klamauk nicht enden will

02.11.2015 | Oper

BERLIN/ Staatsoper: L’ELISIR D’AMOR – wenn der Klamauk nicht enden will. 1.11.2015

Pretty Yende (Adina) und Vittorio Grigolo (Nemorino), Foto Tatjana Dachsler, 2
Vittorio Grigolo, Pretty Yende. Foto: Tatjana Dachsler

Zugegeben, Donizettis heitere Oper „Der Liebestrank“ und seine Geschichte sind schnell erzählt und geben nur wenig Stoff zur tieferen Interpretation. Aber dennoch kann man das Stück ernst nehmen und frei heraus erzählen. An der Staatsoper im Schillertheater Berlin gab es nun die Wiederaufnahme der Inszenierung von Percy Adlon zu sehen, welche 2002 noch unter den Linden ihre Premiere feierte. Ein aufgesetztes Dauergrinsen liegt über dem gesamten Abend. Bunte Farben, ein wirres und abstraktes Bühnenbild sowie der übertrieben spielfreudige Chor sorgen dafür, dass man auch ja keine Sekunde vergisst, dass es sich hier um eine  Opera buffa handelt. Das ist schade, gibt es doch auch so viele intime und ehrliche Momente im Stück. Diese werden jedoch übergangen, wartet doch schon die nächste Klamaukszene darauf feucht-fröhlich dargeboten zu werden. Der Chor fungiert hier als jeckes, dauerblödes Dorfvolk in Karnevalsstimmung. Von Gummistiefeln bis zur bärtigen Jungfer sind alle Klischees vertreten. 

Mittendrin der unbescholtene Vittorio Grigolo in seinem Staatsoperndebut als Nemorino. Gesanglich gibt er alles, lässt keinen Schmachtfetzen aus und gerät zum Teil in balladenhaft-säuselnden Gesang. Dies gerät nicht ganz ohne Ermüdungserscheinungen, doch sein vor allem weibliches Publikum dankt ihm jeden hohen Ton mit anhaltendem Applaus und Jubeln, was Grigolo sichtbar nur zu gern entgegen nimmt. Auch beim Schlussapplaus gefällt er sich nur zu gut in der Rolle des Italo-Lovers, der wortwörtlich dankend niederkniet. Mann kann meinen, er verneige sich vor einem Millionenpublikum.

Auch hier: Inszenierung ist alles. Darstellerisch erinnert Grigolo zu sehr an seinen Rollenvorgänger Rolando Villazon und übernimmt 1:1 dessen szenische Unruhe, Mimenspiel und schlaksige Gestik inkl. der tölpelhaften Körperhaltung à la Charlie Chaplin. Was jedoch wirklich stört sind Grigolos musikalische Einzelgänge, wenn er provozierend an der Rampe steht, sein eigenes Tempo anschlägt und den Dirigenten vor ihm (ohne ihn eines Blickes zu würdigen) „verbluten“ lässt. Ein weiterer Star des Abends war die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende, deren schönstimmige Adina ganz in der Tradition Mirella Frenis stand. Manch eingefügte Kadenz hätte nicht sein müssen, ihre satte Stimme erblüht mehr in der Schlichtheit der Linie als in aufgesetzten Spitzentönen. Darstellerisch blieb sie überraschend uncharmant und beinahe teilnahmslos, man vermisste den gewohnten Liebreiz der Partie. Yende wurde zu Beginn der Vorstellung als szenisch indisponiert angesagt, da sie sich in der vorangegangen Vorstellung das Knie auf der Bühne verletzt habe. Szenisch merkte man nichts dergleichen, lediglich beim Schlussapplaus trat plötzlich eine humpelnde Sängerin die Bühne. Als Belcore polterte Alfredo Daza rollendeckend sowohl gesanglich als auch darstellerisch mit dem nötigen Machogetue durch den Abend. In jeder Hinsicht eine sichere Bank ist der große Buffo Renato Girolami als Quaksalber Dulcamara. Als Einziger des Abends verstand er es, die Finessen des Librettos herauszukitzeln und mit schönem Bariton jede Komik natürlich aufzuzeigen ohne als „komischer Alter“ zu wirken. Narine Yeghiyan fiel eher szenisch als gesanglich auf und gab eine sportlich agierende Giannetta.

Im Graben sorgte Maestro Domingo Hindoyan für gute Laune und ließ die Staatskapelle triumphierend aufspielen ohne die Sänger dabei zu überrollen. Seine Mühe hatte er allerdings mit Herrn Grigolos „One-man-show“, wobei es ihm da nicht anders erging als mir.

Barbara Rosenrot

 

 

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