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BERLIN/ Staatsoper im Schillertheater: DIE WALKÜRE

15.04.2013 | KRITIKEN, Oper

Berlin: „DIE WALKÜRE“ – Staatsoper im Schiller Theater 14.4.2013

Was mit einem aufwühlenden Orchestervorspiel begann, fand leider keine Umsetzung in der öden Szenerie der Bühne sowie der „Regie“ von Guy Cassiers, der jegliche schlüssige Personenführung fehlte. Das kümmerte freilich Waltraud Meier und Peter Seiffert offenbar überhaupt nicht, die beide ihre eigene Version boten, welche vor Spannung und Intensität barst und gesanglichen Glanz in höchstem Maße verströmte. Ihr liegt die Sieglinde nach wie vor großartig (und weit besser, als es in jener Zeit der Fall gewesen war, als sie die Partie in ihr Repertoire eingefügt hatte). Und er bot als Siegmund bis zum kraftvoll festen „Wälsungenblut“ metallische Strahlkraft, gepaart mit weicher Lyrik. Ein Jubelsturm bedankte einen 1. Akt, wie man ihn nicht alle Tage erleben kann.

Dass die anderen Sänger da nicht herankamen, war auch Schuld der „Regie“. Doch sangen Mikhail Petrenko einen sonor düsteren Hunding und Ekaterina Gubanova eine schönstimmige (wortundeutliche) Fricka. Iréne Theorin gab die Brünnhilde mit einigen Schärfen in der Höhe couragiert, und versuchte, lebendig zu agieren. Obwohl Seiffert und Meier in den letzten 40 Minuten des 2. Aktes nochmals all ihre Gefühlswelt und ihr Können in die Waagschale warfen, erreichten dieser und der 3. Akt nicht mehr die hinreissende Wirkung des ersten.

Daran war jedoch auch Thomas J. Mayer nicht schuld, der kurzfristig für den erkrankten René Pape als Wotan einsprang, und seine Sache sehr gut machte. Er bewegte sich, trotz Unkenntnis der „Inszenierung“, geschickt, und brachte von der Zerrissenheit des Göttervaters viel herüber. Stimmlich meisterte er die Partie erstklassig, und verabschiedete sich, nach einigen kleinen Schwächemomenten, mit einem voll tönenden „Wer meines Speeres Spitze fürchtet, …“.

Die (hier namentlich nicht genannten) 8 Walküren des 3. Aktes waren genötigt, Kletterübungen zu veranstalten, sangen dabei aber sehr ordentlich.

Neben Seiffert und Meier gebührt höchstes Lob der Staatskapelle Berlin sowie Daniel Barenboim, der, im Gegensatz zu Wiener Abenden im Jahr 1996, diesmal zumindest orchestral durchgehend Spannung bot. Ihm und seinem prachtvollen Orchester galt der überwiegende Teil der Schlussovationen.

Gerhard Ottinger

 

 

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