Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BERLIN/ Staatsoper: IDOMÉNÉE von André Campra im Rahmen der Barocktage

11.11.2021 | Oper international

André Campra: Idoménée • Staatsoper unter den Linden, Berlin • Vorstellung: 10.11.2021

 (2. Vorstellung • Premiere am 05.11.2021)

 Eine musikalische Entdeckung

 André Campras «Idoménée» steht als Neuproduktion im Mittelpunkt der Barocktage der Staatsoper unter den Linden. Intendant Matthias Schulz bietet damit nicht nur die Möglichkeit eine echte Rarität, das Werk eines im deutschen Sprachraum kaum bekannten Komponisten aus einer unterrepräsentierten Epoche kennen zu lernen, sondern auch die Vorlage zu Mozarts «Idomeneo».

iul
Foto: Bernd Uhlig

André Campra, 1660 in Aix-en-Provence geboren, zum Chorsänger ausgebildet und geweiht, kam mit Mitte 30 nach Paris, wo er dann im Jahre 1700 um die Entlassung aus dem Dienst der Kirche bat. Damit war er vom Publikumserfolg seiner Werke, seien es die von ihm erfundenen Opéras balletts oder kammermusikalische Kompositionen zum Hausgebrauch, und von adligen Mäzenen abhängig. Für eine königliche Pension,  die finanziell vieles erleichtert hätte, kam er auf Grund seines progressiven Stils, einer Synthese des zeitgenössischen französischen und italienischen Stils, und der Vorherrschaft des konservativen Hofkomponisten Michel Delalande vorerst nicht in Frage. 1718 war es dann auf Bitten seines Mäzens Philipp II de Orléans dann doch soweit. 1722 und 1723 rückte Campra in die wichtigsten musikalischen Ämter seiner Zeit auf. 1744 starb er zurückgezogen in Versailles.

Chor und Orchester Le Concert d’Astrée unter Leitung ihrer Gründerin Emmanuelle Haïm musizieren Campras Partitur mit einer Hingabe, die jeden Moment hörbar ist. Haïm gestaltet den Abend mit einer Begeisterung, die sie zur idealen Anwältin Campras im Besonderen und der französischen Barockoper im Allgemeinen macht.

Die nun in Berlin zu sehende Produktion hatte bereits in identischer Besetzung im September 2021 Premiere an der Oper von Lille. Die Solisten sind alle Spezialisten auf dem Gebiet der alten Musik. Tassis Christoyannis gibt den Idoménée mit prächtigem Bariton und grosser Bühnenpräsenz. Samuel Boden als Idamante und Chiara Skerath als Ilione überzeugen mit prächtig geführten Stimmen und szenischer Glaubwürdigkeit. Hélène Carpentier geht als Électre trotz aller Dramatik leer aus. Eva Zaïcik als Vénus, Yoann Dubruque als Éole und  Neptune, Victor Sicard als La Jalousie und Némésis, Frédéric Caton als Arbas und Protée und Enguerrand de Hys als Arcas ergänzen das phänomenale Ensemble.

Das katalanische Theater-Kollektiv La Fura dels Baus siedelt die Handlung in einem einer surrealen Gemälde-Galerie ähnelnden Königspalast an und bietet ein Gesamtkunstwerk bekannter Prägung.

Eine musikalische Entdeckung!

Weitere Aufführungen: 14.11.2021, 18.11.2021 und 20.11.2021.

 

01.01.2021, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken