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BERLIN/ Philharmonie: ELIAS von Felix Mendelssohn-Bartholdy

Berlin/ Philharmonie: ELIAS“ von Felix Mendelsohn Bartholdy, großartige Aufführung unter Marek Janowski, 24.11.2014

Unbenannt
Marek Janowski, Foto Jean-François Leclercq 

 Was ist das für eine aufrüttelnde, farben- und nuancenreiche Musik, die Felix Mendelsohn-Bartholdy für sein Oratorium „Elias“ op. 70 komponiert und bei der Uraufführung am 26. August 1846 in Birmingham selbst dirigiert hat! Noch nie hat dieses Werk (wohl nicht nur) mich so „angesprungen“ wie bei dieser Interpretation.

Offensichtlich hat der „Elias“ selbst solch einen abgehärteten Profi wie Marek Janowski gepackt, hüpft doch der sonst so Zurückhaltende zuletzt auf dem Podium. Dennoch musiziert er straff und Süßstoff frei wie immer und animiert das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) dazu, die Partitur stets voll auszuschöpfen. Das tun die Instrumentalisten mit spürbarem Eifer, besonders beeindrucken mich die Celli.

Genau genommen ist der Rundfunkchor Berlin, einstudiert von Michael Gläser, die vorantreibende Kraft. Er beweist, dass der „Elias“ eine Choroper ist, nach Mendelssohns Äußerung eine „mit recht dicken, starken, vollen Chören“. Bewundernswert auch die Chorsolisten, vor allem die Damen mit ihren strahlenden Sopranen.

Inhaltlich ist herauszuhören, dass Mendelssohn während der vorangegangenen Englandreise Händels „Messias“ erlebt hatte und davon begeistert war. Dass er sich intensiv mit Johann Sebastian Bach beschäftigte, wird ebenfalls deutlich.

Bekanntlich war er es, der 1829 die Matthäus-Passion nach mehr als 100 Jahren Nichtbeachtung wieder aufführte. Wenn später das Volk den Elias, der ihnen gerade Regen von Gott erfleht hatte, bedroht und verjagt, klingen sehr wohl Bachs Massenszenen vor der Verurteilung Jesu an.

Den Propheten Elias wollte Mendelssohn „stark, eifrig, auch wohl böse und finster“. Tatsächlich ist der ein schroffer Mahner, eigentlich ein schlimmer Fanatiker, der die Feinde (die Anbeter des Baal) verhöhnt und die unterlegenen Götzendiener abschlachten lässt. Brutale Szenen, von Mendelssohn auch so komponiert und hier ebenso verwirklicht.

Solch ein raubeiniger Überzeugungstäter ist der kurzfristig eingesprungene, an der Wiener Staatsoper wohlbekannte Adrian Eröd (Bariton) keineswegs, sondern ein nobler Sänger. Er gibt den Elias klangvoll und nachdrücklich, kann gekonnt differenzieren und auch dessen Deprimiertheit gut zum Ausdruck bringen.

Sein Gegenspieler, König Ahab, wird durch den hellen und warmen Tenor von Daniel Behle zu einem eher weichen Typ, der nur seiner Frau willen dem Baal-Kult anhängt. Die aber weiß, was sie will und hasst den Elias. Imponierend in dieser Rolle Clémentine Margaine von der Deutschen Oper Berlin, wo sie u.. die „Carmen“ singt. Sie überzeugt hier auch im Oratorienfach, verleiht dem Geschehen Dramatik, wird aber auch zum feinfühligen Engel.

Den Part der Witwe, die um ihren verstorbenen Sohn trauert (der von Elias wiedererweckt wird), hat Mendelssohn einem Sopran anvertraut. Mit innig-silbrigen, mädchenhaft anmutenden Klängen tut Sophie Klußmann den Kummer dieser vermutlich jungen Witwe kund. Ihr Solo zu Beginn des 2. Teils wird zum weiteren Höhepunkt.

Unterbeschäftigt ist bei Mendelssohn jedoch der Bass. Nur im Quartett ist Andreas Hörls warmes Organ zu vernehmen. So angenehm wie in dieser Aufführung fügen sich vier Stimmen selten zusammen, und solch einen „Elias“ wie diesen gibt es nicht von der Stange. Der ungewöhnlich lang anhaltende Applaus zeigt, dass das Publikum solch eine Darbietung zu würdigen weiß.   

Ursula Wiegand

 

 

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