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BERLIN/ Philharmonie: DAS RHEINGOLD – konzertant

23.11.2012 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Philharmonie/Berlin: Das konzertante „RHEINGOLD“ wird zum Erfolg, 22.11.12


Rheingold konzertant, Marek Janowski, RSB und Solisten, Foto Kai Bienert

Marek Janowski
biegt mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) bei seinem zehnteiligen Wagner-Zyklus in die Zielgerade ein. Mit „Rheingold“, dem Vorabend zum Bühnenfestspiel, startet er nun gleich durch zum „Ring des Nibelungen“. Schon morgen, am 24.11., folgt die konzertante „Walküre“. „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ sind für den 01. und 15. März 2013 terminiert.

Was zunächst wie ein beinahe überflüssiges Unterfangen wirkte, überzeugt die Opern- und Musikfreunde schon seit langem. Oper pur, ohne sich über Regieeinfälle ärgern zu müssen – das hat offenbar für viele einen eigenen Charme. Dass Janowski und die Seinen das können, ist weithin bekannt. Also herrscht wieder mal Andrang vor und in der Philharmonie.

Eines sei gleich vorweg hoch gelobt: Von einer solchen Sängerriege wie bei dieser Darbietung träumt man/frau bei vielen „echten“ Opernaufführungen vergeblich. Auch die Nebenrollen sind gut besetzt, die Hauptpartien sogar bestens.


Jochen Schmeckenbecher als Alberich, Rheingold konzertant, Foto Kai Bienert

Der Allerbeste wird nach meinem Dafürhalten Jochen Schmeckenbecher als Alberich. Sein kräftig-schöner Bariton bringt alle Seelenzustände des Nachtalbs deutlich und differenziert zum Ausdruck. Durch seine Bühnenpräsenz, Mimik und Schauspielkunst gelingt ihm selbst auf dem Konzertpodium eine Charakterstudie par excellence.

Vom Geilen zum Frustrierten, vom Prahler zum perfide Beraubten – das alles wird miterlebbar. Ebenso sein Zorn gegen sich selbst wie gegen den göttlichen Gauner Wotan und den listigen Loge. Bei der vor Wut schäumenden Verfluchung des Rings läuft es sicherlich vielen Zuhörern kalt über den Rücken.

Auch Iris Vermillion als Fricka kann ihre Rolle mit warmer Kehle und Darstelltalent verdeutlichen und überdies beweisen, dass sich auch in einem schlanken Körper eine Saal füllende Stimme herausbilden kann. Mühelos schwingt ihr Mezzo von den Höhen in die Tiefen und umgekehrt. Ihre Angst um die an die beiden Riesen als Pfand überlassene Schwester Freia begreift das Publikum sofort.

Anders Tomasz Konieczny als Wotan. Dass der einen profunden Bariton besitzt, wissen nicht zuletzt die Wiener. Hier wirkt er allerdings reichlich steif, steifer, als selbst ein Gott es sein müsste. Ob das nur an der konzertanten Aufführung liegt? Oder an der Tatsache, dass er sich – wie die meisten anderen Sänger – nach Beendigung seines Parts gleich auf den Stuhl setzt? Leider erwecken die Interpreten dadurch den Eindruck des Abschaltens, so als ginge sie das dramatische Geschehen nur etwas an, wenn sie gerade an der Reihe sind.

Gleiches gilt leider auch für Christian Elsner (Tenor) als Loge. Der singt mit lyrischem Wohlklang und durchaus facettenreich den Feuergott, macht das auch textverständlich und mit guter Phrasierung, kann aber mit seiner massigen Figur den züngelnden Loge kaum glaubhaft machen.

Nur Iris Vermillion und Jochen Schmeckenbecher bleiben länger stehen und nehmen mit deutlicher Körpersprache und Mimik weiterhin am Geschehen teil, selbst wenn sie keinen einzigen Ton singen. So sollte es eigentlich sein.

Janowski versucht allerdings, durch unterschiedliche Positionierung der Sänger der Darbietung etwas Szenisches zu geben. Die drei Rheintöchter – Julia Borchert Sopran (Woglinde), Katharina Kammerloher Mezzosopran (Wellgunde) und Kismara Pessatti Alt (Floßhilde) – stehen am linken Bühnenrand. – Dort lässt auch Ricarda Merbeth (Freia) ihren klaren Sopran leuchten. An gleicher Stelle macht die junge Maria Radner (Erda) mit ihrem schönen, höhenfähigen Alt sehr positiv auf sich aufmerksam.

Dagegen ragen die beiden Riesen – Günther Groissböck (Fasolt) und Timo Riihonen (Fafner) – rechts hinten zwischen den Instrumentalisten hervor. Mit ihren Bässen dringen sie dennoch durch, Günther Groissböck noch akzentuierter als sein Kontrahent.

Mit gut geführten Tenören gefallen außerdem Kor-Jan Dusseljee (Froh) und Andreas Conrad (Mime), wobei Conrad auch schauspielerisch einiges tut. Dem kräftigen Bariton von Antonio Yang glaubt man den Donner.

Ihnen allen sind Janowski und die Instrumentalisten mit spürbarem Engagement zu Diensten. Plätschern die Rheinwellen anfangs noch etwas matt, so überzeugen alsbald die Hörner und die Tuben. Die Streicher legen sich ebenfalls ins Zeug und werden im Verlauf eindringlicher. Janowski nimmt sich mit Vorliebe der rhythmischen Partien an und akzentuiert die Dissonanzen.

Nach dem tatsächlich donnernden Finale, das bekanntermaßen in eine Frühlingsstimmung übergeht, „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ vorausahnend, bricht einhelliger Jubel los. Stehende Ovationen belohnen die Leistung aller Beteiligten. Die meisten Bravos erhält zu Recht Jochen Schmeckenbecher.

Ursula Wiegand

 

 

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