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BERLIN/ Konzerthaus: NATIONALES JUGENDORCHESTER DER NIEDERLANDE (Strauss, Ravel) im Rahmen des Festivals „Young Euro Classic“

26.08.2016 | Konzert/Liederabende

BERLIN / Konzerthaus: Nationales Jugendorchester der Niederlande, 25.8.2016

Triumph mit Strauss und Ravel im Rahmen des Festivals „Young Euro Classic“

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© MUTESOUVENIR | KB

 Sie gelten ja schon seit Jahren als großer Geheimtipp unter allen Jugendorchestern dieser Welt, diese formidablen jungen Niederländerinnen und Niederländer, die am Ende des Konzerts nach zwei Zugaben mit standing ovations lauthals gefeiert wurden. Der energiegeladene, quirlige und auch mit einer politischen Botschaft nach „Harmonie“ aufhorchen lassende Dirigent Antony Hermus, hatte mit der überschwänglichen Suite aus „Der Rosenkavalier“ Op. 59 von Richard Strauss die Herzen des Publikums nach der Pause gänzlich erobert. So viel an schwebender Walzerseligkeit, Ochs’scher Nonchalance, und finalem Liebeszauber hört man sogar in Wien selten. Da fällt der eine oder andere Schleuderkurs bei den Übergängen nicht mehr ins Gewicht. Den teils wirklich blutjungen Musikerinnen und Musikern aus den Niederlanden dürfte diese Musik besonders gut gefallen, so sehr haben sie sich mit ihren Instrumenten ins Zeug gelegt und für eine wahrlich rauschhafte Wiedergabe gesorgt. Auch beim finalen La Valse von Maurice Ravel war noch so viel „Schlagobers“ zu schmecken, dass dieser so geniale Parforceritt  und psychodelische Trip auf Walzermotiven runterging wie Fondant au chocolat.

Als Zugaben wurde das Publikum noch mit den schmissigen Ungarischen Tänzen Nr. 1 und 5 von Johannes Brahms verwöhnt. Die Klangkultur des Orchesters ist exquisit, der Ausdruck im mitreißenden Forte aber intensiver als bei bloß brav phonmäßig zurückgenommeneren Passagen. Darunter hatte das eingangs gespielte Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur, Op. 83 von Johannes Brahms einigermaßen zu leiden. Der Dirigent hatte hier eher zu tun, die Zügel zusammenzuhalten als noch großmächtig interpretieren zu können. Die Partitur wurde sauber umgesetzt, ohne jenen Schwung und Elan zu entwickeln zu können, der erst aus dem spannungsgeladenen Gegensatz in einer klug konzeptionellen Binnendynamik entsteht. Der technisch exzellente Pianist Hannes Minnaar glänzte durch eine feine Anschlagskultur und federleichte Läufe und Triller. Dennoch wären im ersten und zweiten Satz ein klein wenig mehr an Akkuratesse und pointierten Kontrasten wünschenswert gewesen. Vielleicht ist die von mir bemerkte bisweilen schlechte Balance zwischen Instrument und Orchester aber auch dem Umstand geschuldet, dass mein Platz auf der der Klaviatur zugewandten Seite des Saales war, sodass ich zwar sein Spiel genau verfolgen konnte, aber akustisch einigermaßen das Nachsehen hatte. Auf jeden Fall war der vierte Satz dann aber so delikat und duftig interpretiert, dass man dem beherzten Solisten auf jeden Fall eine schöne erfolgreiche musikalische Zukunft wünschen möchte. Seine Zugabe, das Intermezzo in A-Dur von Johannes Brahms, war ebenso wunderbar. Zu loben ist auch der Solocellist des Orchesters, der mit klangvollem Strich das in Pressbaum bei Wien finalisierte Konzert veredelte.

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Eingeleitet wurde der Sommerabend mit der deutschen Erstaufführung eines kurzen Orchesterstücks mit dem Titel „Chase“ des Komponisten Joey Roukens. Es geht in dieser Art Filmmusik um eine Verfolgungsjagd auf den Pariser Straßen und Unterführungen, das Ganze lautmalerisch und handwerklich gediegen dargeboten. Auf jeden Fall ist dieses Stück Musik nicht schlechter als das, was auf dem Berliner Klassiksender tagauf tagab als den Ohren schmeichelnde Vertonungen für das Kino angeboten wird.

Der finale Triumph war wohlverdient, das Orchester wird man sich als Kaderschmiede für größere Aufgaben der Instrumentalisten wohl merken müssen. Am Ende großes Glück bei Dirigenten Antony Hermus, den endlich entspannt wirkenden Damen und Herren des Klangkörpers und im begeisterten Publikum.

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

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