Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BERLIN/ Komische Oper: DSCHAINAH – das Mädchen aus dem Tanzhaus. Operette von Paul Abraham. Konzertant

31.12.2019 | Operette/Musical

Paul Abraham: Dschainah, das Mädchen aus dem Tanzhaus, Komische Oper Berlin, Konzertante Aufführung: 30.12.2019

 (2. Vorstellung seit der Premiere am 22.12.2019)

Jazz, Asien, Ungarn und ein ganz klein wenig Walzer

Paul Abrahams Operette über die von ihm und seinen Librettisten Grünwald und Löhner-Beda als Schwester der japanischen Geisha geschaffene vietnamesische «Dschainah» begeistert auch beim zweiten Besuch mit ihrem Mix aus Jazz, asiatischen Tönen (beziehungsweise das, was die Europäer dafür halten) und ungarischen Klängen. Walzer gibt es nur noch wenig.

Henning Hagedorn und Matthias Grimminger haben das für Michiko Tanaka-Meinl, Gattin des Kaffee-Barons Julius Meinl II. entstandene und am 21. Dezember 1935 im Theater an der Wien uraufgeführte Stück für die Aufführung als Silvester-Operette an der Komischen Oper bühnentechnisch rekonstruiert. Die Biographien des Komponisten und Librettisten sind für die Aufführungsgeschichte sicher von grösster Bedeutung. Eine Rolle dürfte aber auch spielen, dass (in der gehörten Einrichtung) der Mittelteil nur von Pierre Claudel, dem Offizier der französischen Marine, der sich in der Heimat verlobt hat, dann aber nach Saigon versetzt wird und dort die Dschainah Mylo durch Heirat vor dem Verkauf aus dem Sing-Song-Haus nach Singapur rettet, und der Dschainah Mylo bestritten wird.

Klaus Christian Schreiber führt als Erzähler angenehm und mit Witz durch den kurzweiligen Abend. Als Dschainah Mylo kann Hera Hyesang Park einen grossen Erfolg verbuchen. Die stärken ihres technisch bestens gebildeten und versiert geführten Soprans liegen eindeutig in den opernähnlich Teilen. Johannes Dunz gibt den Pierre Claudel, Romanschriftsteller und Offizier. Seine Stärken liegen nun eher im Bereich der Operette. In der Summe vermögen aber beide als Paar zu überzeuge. Madame Hortense Cliquot, eine Witwe der Champagner-Dynastie, ist bei Zazie de Paris in besten Händen. Mirka Wagner gibt ihre Tochter Yvonne Cliquot, deren Verlobter Pierre dann eben nach Saigon versetzt wird, dort aus Sicht von Madame auf die schiefe Bahn gerät und von ihr wieder zurückgeholt wird. Hervorragend zusammenpassen stimmlich, schauspielerisch und tänzerisch Talya Liebermann und Dániel Fokí als Musotte und Baron Bogumil Barczewsky.

Mit Verve und Leidenschaft machen der von David Cavelius vorbereitete Chor der Komischen Oper Berlin und das Orchester der Komischen Oper Berlin unter Hendrik Vestmann den Abend zum Erlebnis.

Beste Unterhaltung!

Weitere Aufführung in der Philharmonie Köln: 12.01.2020

30.12.2019, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken