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BERLIN/ Deutsche Oper: DIE LIEBE DER DANAE – „heitere Mythologie in drei Akten“,

10.04.2016 | Oper

BERLIN/Deutsche Oper DIE LIEBE DER DANAE, „heitere Mythologie in drei Akten“, 9.4.2016

Nicht alles ist Gold, was glänzt

Beginnen wir mit dem Positiven: Es ist großartig, dass ein Haus wie die Deutsche Oper Berlin nicht nur Die Ägyptische Helena, sondern auch Die Liebe der Danae im Repertoire hält. Zwei eigenwillige, aber kunstvoll gebaute Spätwerke von Richard Strauss, die unverdientermaßen ein Schattendasein im aktuellen Bühnenbetrieb führen. Voller Ironie und gleichzeitig spätsommerlicher Klangpracht dreht sich diese traurige Komödie à la Rosenkavalier um erotischen Verzicht (Jupiter), leere Brieftaschen, Geldgier und Gaunerei (Pollux) und naive heiratsfähige Töchter, die des Vaters Geldbörsel mittels Ehe wieder füllen sollen (Danae). Hinzu kommt beim Personal auf der Bühne noch der junge, seine Seele dem schnöden Mammon und Jupiter verschreibende Parvenü (Midas) sowie ein deus ex machina, der die Karten aufdeckt und das Finale lenkt (Merkur).

Leider lässt weder die szenische Umsetzung dieser dritten und letzten Aufführung einer kleinen Serie anlässlich der Richard Strauss Tage 2016 an der Deutschen Oper Berlin noch die musikalische Seite von einem großen Abend berichten. Die allzu biedere Inszenierung von Kirsten Harms mit einem von der Decke hängenden nach unten gedrehten Klavier und die unattraktiven Kostüme (Dorothea Katzer) geben nicht den nötigen Humus, auf dem ein komplexes, jedoch sehr „heutiges Werk“ auch szenisch gedeihen kann. Immerhin geht es um Staatsbankrott in der Ägäis, allerlei Dukatenesel-Tricks, um Geld zu schaffen, dazu die gaunerische Instrumentalisierung von Personen, um aus diesem Dilemma herauszukommen. Diese „griechische Götterdämmerung“ könnte man wahrlich trefflicher und eindringlicher zeigen.

Manuela Uhl als Danae vom Dienst verfügt über eine schöne, manchmal an Hildegard Behrens erinnernde Mittellage, muss aber schon alle Tricks anwenden, um die Piani und Höhen hinzubekommen. Dabei fällt schon einmal der eine oder andere scharfe Ton ab. Mark Delavan als alternder Gott Jupiter wäre vom Typ her sehr gut gewählt (was auch für Uhl zutrifft), schafft es aber nicht, mit seinem kleindimensionierten, fahl klingenden Bariton die Orchesterfluten zu durchdringen. Seine Stimme bleibt im Ungefähren, sein Bühnendeutsch ist über weite Strecken unverständlich. Die Empathie, die dieser letztendlich betrogene und resignierende Jupiter im Publikum auslösen soll, bleibt aus. Andrew Dickinson als prachtliebender, aber bankrotter Pollux gelingt eine kantige Rollenstudie, ein wenig mehr Wohlklang darf man sich aber auch von einem Charaktertenor erwarten. Der Merkur des Thomas Blondelle kann das vokale Gesamtbild des Abends, dessen einziger wirklicher Lichtblick Adriana  Ferfezka als Dienerin Xanthe ausmachte, auch nicht retten. Aus dem Orchestergraben kam viel Schönes (Goldregen-Zwischenspiel) und gute Ansätze zu Aufschwüngen, Strauss‘sches Gold oder Silber konnte Sebastian Weigle an diesem Abend den Instrumentalisten der Deutschen Oper Berlin allerdings nicht entlocken. Der Chor sorgte am Anfang für Wackelkontakte zum Orchestergraben, im Verlauf des Abends stieg dessen Leistung und Profil aber.

Schade um die vergebene Chance, so wird man kaum jemand für dieses „goldene“ Werk des Richard Strauss gewinnen können. Wie die spärlichen Zahlen seit der Uraufführung 1952 in Salzburg zeigen, bestünde hier dabei durchaus „Handlungsbedarf“. Ich erinnere mich noch sehr genau an die großartige Aufführung der Salzburger Festspiele vom August 2002 mit Fabio Luisi und Deborah Voigt und Franz Grundheber. Dieser bleibende Eindruck hat mich diesem Werk näher gebracht. 14 Jahre später wird Salzburg in diesem Sommer  einen neuen Anlauf versuchen….. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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