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BERLIN / Deutsche Oper: RIENZI, DER LETZTE DER TRIBUNEN

12.03.2016 | Oper

Berlin, Deutsche Oper: Wagner : Rienzi, der letzte der Tribunen  

Vorstellung am 11. März 2016

 Regisseur PHILIPP STÖLZL setzt auf Bilder. In einer Parabel erzählt er den Aufstieg und Fall eines   vermeintlich volksnahen Diktators, durchaus mit handfesten visuellen Anspielungen und Zitaten aus dem Nationalsozialismus. Die Bühne von ULRIKE SIEGRIST zeigt Häuserschluchten wie im Film Metropolis, färbt sich drastisch rot und blau je nach Stimmungslage. Stölzl scheut sich nicht, in Stummfilmsequenzen auf expressionistische Überzeichnung zu setzen.

Alles in Allem, eine ordentliche Regie, der es allerdings an subtiler Personenführung mangelt, und die aus den Figuren kaum mehr als schablonenartige Charaktere formt.

 TORSTEN KERL, auf den alles in Berlin zugeschnitten ist, vollbringt einen riesigen Tenorkraftakt. Der mörderische Rienzi- Partie gibt er einerseits das nötige Stamina, kann aber in lyrischen Passagen ebenfalls voll überzeugen. Darstellerisch bleibt er etwas eingeschränkt in seiner Ausdrucksvielfalt, was aber die große Gesamtleistung in keiner Weise schmälern soll.

Als einzige schafft es DANIELA SINDRAM, ihrer Figur, dem empfindsamen Adriano, eine komplexe Persönlichkeit mitzugeben. Mit vollem, bestens geführtem Mezzosopran gelingt ihr der rasche Wechsel von zarten Melismen und großer Attacke fabelhaft.

 Die anderen Sänger haben weniger Gelegenheiten, sich zu profilieren. MARTINA WELSCHENBACH singt ihre Irene tadellos, aber ohne nötige Diktion und Inbrunst. TOBIAS KEHRER hört sich als Colonna überfordert an und bringt nicht die geforderte Autorität als Gegenspieler Rienzis, DONG-HWAN LEE besitzt eine schöne Baritonstimme und hält sich als Orsini wacker, NOEL BOULEY bemüht sich redlich um Sonorität als Kardinal Orviedo und CLEMENS  BIEBER und STEPHEN BRONK komplettieren die Comprimari wenig auffällig.

 Am Dirigierpult steht der junge Amerikaner EVAN ROGISTER, der mit der großen Partitur alle Hände voll zu tun hat. Große Momente sind eher rar, aber im Kleinen gelingen schöne Passagen, sobald das Orchester der Deutschen Oper die Sänger nicht gnadenlos zudeckt. Die Balance läßt sehr zu Wünschen übrig. Die Intonation der Bläser, im ersten Teil noch vorbildhaft, schwächelt stark gegen Ende der Vorstellung.

 Dennoch ist es ein lohnender Abend mit einem schwierigen, unausgeglichenen Werk. Das Publikum ist dankbar und applaudiert für die Hauptpartien heftig und engagiert.

 Christian Konz

 

 

 

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