Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BERLIN/ Deutsche Oper: DER ROSENKAVALIER als Abschluss der Richard Strauss-Wochen

16.04.2016 | Oper

Deutsche Oper Berlin: Der Rosenkavalier Abschluss der Richard Strauss Wochen

Besuchte Vorstellung am 14. April 2016


Copyright: Deutsche Oper Berlin

 In den zurückliegenden Richard Strauss Wochen wurden Elektra und Salome, so wie die Raritäten “Ägyptische Helena”, “Die Liebe der Danae” und zum Abschluss “Der Rosenkavalier” aufgeführt. Für mich ist der Baron Ochs auf Lerchenau die eigentliche Hauptrolle, zumindest vom Umfang her. Von den weiblichen Rollen ist hier zu erst die Partie der Feldmarschallin zu nennen. Diesen Baron interpretierte das Ensemblemitglied, Albert Pesendorfer, mit seinem kraftvollen Bass. Dabei ist die Rolle eine Gratwanderung, denn einerseits soll er durchaus komisch sein, aber er soll auch seine adelige Intelligenz nicht verlieren. Beides hat er perfekt umgesetzt.

Die Partie der Marschallin musste leider kurzfristig umbesetzt werden und wurde von der jungen, vom Mezzofach kommende begabten Betsy Horne besetzt, wohl wissend, dass die ursprünglich vorgesehene  Anja Harteros nicht zu ersetzten ist. Die Ausnahmekünstlerin ist durch private, krankheitsbedingte Einflüsse momentan nicht in der Lage, die zugesagten Termine einzuhalten. Alle Verehrer ihrer Kunst wünschen ihr von dieser Stelle aus alles Gute. Einen herausragenden Eindruck machte der Oktavian, Daniela Sindram, die diese Hosenrolle an allen großen Häusern interpretiert. Die Sophie, Siobhan Stagg, hatte die richtige jugendliche Sopranstimme gegenüber dem „groben Bass“ vom Baron Ochs.

Den Sänger, ein unbedingtes Muss für jede ausgeprägte Tenorstimme, wurde von Matthew Newlin mit höhensicherem Ausdruck, in dieser Vorstellung allerdings mit etwas zuviel Vibrato, gesungen.

Die meisten der übrigen kleineren Rollen wurden vom eigenen Ensemble besetzt.

Richard Strauss wurde einmal von einem musikalischen Leiter gefragt, wie er die Tempi behandeln soll. Dann kam die einfache und verblüffende Antwort vom Komponisten: “Wenn die Besucher den Text der Sänger verstehen, hat er alles richtig gemacht“. Hinzufügen kann man, dass das Ergebnis einer  gelungenen orchestralen Leistung ist, wenn man nichts Negatives berichtet und das Publikum am Ende dies durch den akustischen Zuspruch dokumentiert. Das war in dieser Vorstellung der Fall.

Dafür war Ulf Schirmer, der GMD und Intendant in Personalunion in Leipzig, verantwortlich, bekannt vor allem als hervorragender Strauss- und Wagnerdirigent.

Die Regie mit Götz Friedrich , sowie Gottfried Pilz und Isabel Glathar für Kostüme und Bühne, finden das richtige Verhältnis zwischen Komödie und ernstem Hintergrund.

Den Höhepunkt bildet bühnentechnisch der zweite Akt, weil hier der prunkvolle Raum mit seinen Spiegelsäulen und den entsprechenden Kronleuchtern sogar das Publikum zum spontanen Beifall inspiriert.

Das ganze Bühnengeschehen ist immer der Musik untergeordnet.

Problematisch sind immer die komödienhaften Szenen im dritten Akt, für einige sind sie zu übertrieben, für andere wiederum zu einfältig. Die Regie versucht dies zu lösen, in dem sie eine Komödientruppe auftreten lässt, die eigentlich für eine Karnevalsgesellschaft am Hintergrund der Bühne zuständig ist, aber für die Zuschauer gleichzeitig die Komödie zwischen Ochs und dem verkleideten Oktavian bestimmt. Den Worten der Marschallin, dass alles nur eine Farce ist und weiter nichts, hat die Regie ergänzt. Das Liebesverhältnis von Marschallin und Oktavian im ersten Akt, wird durch das junge Paar, Sophie und Oktavian, im dritten Akt ersetzt wird, somit schließt sich der Kreis. Das Alter mit all seinen Konsequenzen setzt den Kreislauf in Gang. Diese Aufführung wäre eventuell für Personen geeignet, die meist einen Bogen um eine Opernstätte machen. Möglich wäre, dass einige Besucher darnach Gefallen finden könnten an diesem Genre.

Fazit: In den Meistersingern heißt es: “Ehret eure Meister, dann bannt ihr gute Geister”. Dieser Meister, Götz Friedrich, war Intendant und Regisseur und wurde zum Ehrenmitglied der Deutschen Oper Berlin ernannt. Dafür sorgt die Deutsche Oper Berlin, in dem sie an vielen Inszenierungen von Götz Friedrich festhält, hier der Rosenkavalier, der schon 23 Jahre mit der gleichen Inszenierung aufgeführt wird. Der Parsifal im Nationaltheater in Mannheim wird schon über 50 Jahre in derselben Fassung erfolgreich aufgeführt. Vielleicht erreicht auch eine Inszenierung von Götz Friedrich dieses Ziel.

Franz Roos

 

 

 

 

Diese Seite drucken