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BEETHOVEN – Tripelkonzert mit Carmignola, Gabetta und Lazic

14.09.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0888837636223 BEETHOVEN – Tripelkonzert mit Carmignola, Gabetta und Lazic; Giovanni Antonini dirigiert das Kammerorchester Basel / SONY CD

Bevor man zur all stellar cast des Tripelkonzertes vordringt, dirigiert Giovanni Antonini die Ouvertüre zu Beethovens Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“. Ein wunderbares unterschätztes Werk, das mit einer wild emphatischen Orchestereinleitung beginnt. Antonini hält das Kammerorchester Basel zu extrem akzentuiertem Spiel an, gewiss wirkungs- und reizvoll, aber die Musik kann zu wenig ausschwingen, bleibt quasi Gefangene der dynamischen Zuspitzung bis an die Grenzen. Wer dieses Ballett in einer mustergültigen neueren Aufnahme hören will, muss zur Interpretation von George Petrou mit dem Orchester Armonia Atenea (DECCA) greifen.

Und als Zentrum der CD hierauf Beethovens Tripelkonzert, dieses eigentümliche Orchesterwerk mit Klaviertrio, wo dem Cello aber dramaturgisch das Hauptgewicht zukommt Ich finde die Aufnahme von A bis Z mehr maniriert als inspiriert. Super rasche Tempi und ein dynamisch eher im Piano angesiedelter Grundduktus lässt das Ganze etwas „verhuscht“, fahrig dahingepinselt statt pastos gemalt erklingen. Rhythmisch kommen die markanten Stellen eher militärisch gerade, denn energetisch und von innen spannungsgeladen daher. Man wartet auf die Offenbarung, aber sie will sich nicht einstellen. Schade, denn die drei Solisten sind vom Allerfeinsten. Sol Gabettas nobler Celloton, Dejan Lazic als überhaupt einer der besten Pianisten der Jetztzeit und schließlich Giuliano Carmignola, dem keine noch so vertrackten Sprünge, Läufe und Verzierungen technische Schwierigkeiten bereiten und auch im Legato einen einschmeichelnd singenden Klang produziert, sorgen wahrlich für schöne Momente. Also macht das Largo (2. Satz) am meisten Freude, da hier die Solisten den Ton angeben und das Orchester nur Stichwortgeber bleibt. Tja, da hatte ein Koch die besten Zutaten und macht nichts Aufregendes daraus…

Was für ein himmelhoher Unterschied etwa zur dynamisch klassisch ausgewogenen, tief emotionalen Aufnahme des Tripelkonzertes mit Gustav Dudamel und dem Simon Bolivar Jugendorchester von den Salzburger Festspielen 2008 mit Martha Argerich, Renaud Capucon(Violine) und dem hinreißenden Gautier Capucon (Cello), die bei der Deutschen Grammophon als DVD erhältlich ist. Um nur ein Beispiel einer gelungenen Einspielung zu nennen.

Aufgefüllt auf insgesamt 55 Minuten wird die CD mit der Egmont und Coriolan Ouvertüre. Der dramaturgische Leitfaden der auf der CD vereinten Werke ergibt sich laut Katrin Bicher im Booklet daraus, „dass all sie neben der heroischen Konnotation auch ganz eigene Zeugnisse für Beethoven Art und Weise sind, mit der Krise der Jahre nach 1800 umzugehen. Eine andere Lesart bleibt daneben denkbar; die des Lebensgenusses, wie er sich auch in der Beschwingtheit eben der mehr populären Werke der Zeit – wie das Tripelkonzert und die Bühnenmusiken zweifellos auch waren- äußert.“

Sicherlich wird diese Neueinspielung dennoch ihre Fans finden, letztlich sind Interpretationen bekanntlich ja Geschmacksfragen.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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