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BEETHOVEN LIEDER & BAGATELLEN, Werner Güra

12.09.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

3149020221723 (1) - Kopie BEETHOVEN LIEDER & BAGATELLEN, Tenor Werner Güra und Christoph Berner  auf dem Fortepiano 1847 zeigen neue Facetten im Liedwerk Beethovens auf – CD harmonia mundi  

„Auf den Hügeln sitz ich spähend in das blaue Nebelland, nach den fernen Triften sehend, wo ich dich, Geliebte, fand.“

Nur neun Lieder aus den erhaltenen achtzig Beiträgen Beethovens zu dieser Gattung haben Güra und Berner für das neu aufgenommene Album ausgewählt und sie mit den sechs späten Bagatellen für Klavier Op. 126 wild durcheinander gewürfelt. Vielleicht aber gar nicht so zufällig, wie es auf den ersten Blick scheinen  mag. Gerahmt wird das Programm von zwei Vertonungen Beethovens auf denselben Text von Christoph August Tiedge, nämlich „An die Hoffnung“. Die beiden Interpreten wollen offenbar dem Hörer etwas von Beethovens musikalischer Entwicklung anhand des Liedes vermitteln, was auch gut gelingt. Neben eher banalen Titeln, wie „Adelaide“ oder „Zärtliche Liebe“ interpretiert Güra auch den ersten echten Liedzyklus der Musikgeschichte, die sieben Jahre vor Schuberts Müllerin entstandene „An die ferne Geliebte“. Großartig das späte Lied „Resignation“, in dem sich wohl die angeschlagene Stimmung Beethovens aufgrund der nahenden Taubheit widerspiegelt.

Werner Güra ist nicht nur zu Recht ein allseits gerühmter Liedspezialist, das heißt stilistisch ohne Fehl und Tadel, sondern verfügt auch über jene spontan urwüchsige Musikalität, die jenseits der nötigen kognitiven Feinarbeit erst jede Liedinterpretation zum Ereignis werden lässt. Gut scheint auch die Idee, die Lieder mit den Bagatellen für Klavier solo Op. 126 zu kombinieren. Das vertieft das Hörerlebnis, ohne  jede Anstrengung, wie reine Liedprogramme auf CD sie des Öfteren verursachen können. Wie Roman Hinke im exzellenten Booklet-Aufsatz schreibt, „könnte es Intention dieser letzten Klavierstücke sein, den fulminanten Gedankenkosmos der großen Sonaten noch einmal zu rekapitulieren, zu reflektieren und auf kleinstem Raum zu entwickeln.“ Also quasi die Quintessenz des Beethovenschen Schaffens in nuce zu verdichten. Christoph Berners Beitrag zu dieser CD geht weit über den eines Begleiters hinaus, zumal er die Bagatellen so spannend und durchlichtet, final strukturell wie harmonisch beispielgebend gestaltet. Fazit: Eine gelungene CD nicht nur für eingefleischte Beethoven-Freunde.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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