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BEETHOVEN -FREIHEIT ÜBER ALLES – Eine Hörbiographie/BR

09.12.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

beeth  BEETHOVEN -FREIHEIT ÜBER ALLES – Eine Hörbiographie von Jörg Handstein – BR Classics 4 CD >

Symphonie Nr. 5 SO des Bayerischen Rundfunks Mariss Jansons – „Wohltun, wo man kann, Freiheit über alles lieben, Wahrheit nie, auch sogar am Throne nicht verleugnen.“

In der Reihe BR Klassik Wissen wurde nun eine erstaunlich detailreiche, kurzweilige Hörbiographie in 10 Kapiteln des Ludwig van Beethoven veröffentlicht. Gespickt mit zahllosen musikalischen Beispielen erschließt sich dem Hörer ein für heutige Gemüter wohl fernes Universum. Zur Musik dieses Genies gesellt sich der biographische Hintergrund, zum heroischen Mythos ein einsamer, zu Hause unglaublich chaotischer, nach Liebe (und Wein) dürstender, vor Einfallsreichtum überbordender hypertropher, und von Krankheit geplagter Mensch. Ein Zornpinkel und unbeherrschter Sanguiniker, dessen Vorstellung von Freiheit dem Beispiele Kants folgend auf dem strengen Ethos von moralischer Pflicht beruhte. Freilich nahm er diese Moral, wenn es ums Geld ging, für sich nicht immer so genau….

Udo Wachtveitl ist der ruhige, beinahe „coole“ Erzähler, quasi der rote Faden im mäandernden Leben samt den vielen kurzen Episoden, an denen neben Cornelius Obonya als Beethoven noch Ariane Payer als Josephine Brunsvik, Thomas Albus als Beethovens Vater, Benedikt Lückenhaus als junger Beethoven und Neffe, Alexander Lückenhaus als älterer Neffe und Stefan Lehnen als Bäckermeister Fischer mitwirken.

Unter der Regie des Bernhard Neuhoff entsteht ein dichtes Bild, das sich allerdings nur bei hoher Konzentration genau offenbart. Der Redefluss ist durchwegs rasch, die Schnitte und Überlappungen zwischen Text und Musik zahlreich und bisweilen (zu) abrupt. Das erlaubt zwar, dem Menschen Beethoven, der Kreatur näherzukommen, seinen Fehlern, seinem Leid, seiner Bedürftigkeit. Die zahllosen Mosaiksteine formen sich wie beim Puzzle-Legen aber nur langsam zu einem plastischen Ganzen. Beethoven selbst kommt nur in Originalzitaten zu Wort. Die Stimme Obonyas unterscheidet sich aber leider nur wenig von derjenigen Wachtveitls, sodass weder von Stimmfarbe noch Klang und Diktion sofort klar ist, ob gerade der Erzähler oder der Meister selber spricht. 

Die Musik (deren Interpreten nicht immer optimal gewählt sind) illustriert, kommentiert oder vertieft die Erzählung nicht  nur, sondern tritt auch als eigenständiger Dialogpartner auf, „wie ein Kontrapunkt in der Fuge“. Das Spätwerk der letzten Klaviersonaten und Streichquartette wird auch mit Worten klug beschrieben. 

Die Erzählung folgt nicht streng einem bloß chronologischen Konzept, sondern ist programmatisch gebündelt, was der Verständlichkeit hilft. Etwas stereotyp heißen die Kapitel „Ein zweiter Mozart“„, „Unermessliches Tonreich“, „Heroische Zeiten“, „Dichtung oder Wahrheit“, „Krieg und Frieden“, „Zukunftsmusik“ oder „Der ganzen Welt“. 

Interessierte, die sich über die Fülle an Informationen der 4 CDs hinaus informieren wollen, können das auf br-klassik.de tun, wo ein umfangreiches Angebot mit Audios, Videos, Bildern und Texten rund um Beethovens Leben und Werk abrufbar ist. Die vierte CD enthält als konzertierenden Abschluss den Live-Mitschnitt der 5. Symphonie unter Mariss Jansons live aus Tokyo, am 27. November 2012 in der Suntory Hall aufgenommen.  Die Klaviersonate in f-moll Op. 2 Nr. 1 gespielt von Alexej Gorlatch, füllt die CD.

Beethoven ist nicht der einzige Komponist, zu dem BR-Klassik Wissen eine akustische Biographie anbietet. Jeweils auf vier CDs können auch die künstlerischen Leben von Mahler, Wagner, Verdi, Richard Strauss und Mozart gehört werden.

Für alle, die mehr über ihre Lieblingskomponisten erfahren und dies mit Musik gespickt auch genießen wollen, ist die neue Hörbiographie eine gute Sache. Auf Grund der hohen Dichte und Intensität von Text, Musik und dramaturgischem Konzept sowie der Ähnlichkeit vor allem der Männerstimmen ist das Anhören letztlich anstrengend und nur so nebenbei sicher nicht möglich.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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