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BAYREUTH/ Zentrum Europasaal: KLAVIERDUO KUTROWATZ . Nicht zu bändigendes Feuer

06.08.2015 | Konzert/Liederabende

Klavierduo Kutrowatz im Zentrum Europasaal Bayreuth

NICHT ZU BÄNDIGENDES FEUER

Grandioses Klavierkonzert mit Eduard und Johannes Kutrowatz am 4. August 2015 im Europasaal/BAYREUTH

Ja, das ist wahrhaft ein Klavierduo der Sonderklasse! Die beiden Brüder Eduard und Johannes Kutrowatz aus dem Burgenland sind international längst eine Institution. Sie gründeten und leiten das Internationale Festival „Klangfrühling“ auf der „Friedensburg“ Schlaining im Burgenland (Österreich). Seit 2009 sind sie zudem Intendanten des Internationalen „Franz Liszt Festivals“ am Geburtsort des Komponisten in Raiding (Burgenland). Im Rahmen der seit 1990 bestehenden Kulturpartnerschaft zwischen Bayreuth und dem Burgenland gaben sie nun ein bejubeltes Konzert im Europasaal des Zentrums. Natürlich durfte dabei Franz Liszt nicht fehlen. Zu hören war zunächst „Orpheus“ als sinfonische Dichtung Nr. 4 in der Originalfassung des Komponisten für zwei Klaviere. Hier konnten sich die beiden „Maestros“ richtig austoben, ohne den berühmten Faden zu verlieren. Dieses Loblied auf die Macht der Musik geriet zu einer feierlichen Hymne. Aus geheimnisvollem Dunkel stiegen ferne Klänge auf, verdichteten sich zur Melodie. In einem unaufhörlichen Crescendo wurde dann der akustische Höhepunkt erreicht, das Ausgangsthema erstrahlte im Fortissimo. Zart verschwebende, sphärenhafte Harmonien wurden zum Symbol des Überirdischen. Der ergriffene Hymnus auf Macht und Wesen der Musik gewann immer größere Intensität, deren elementarste göttliche Offenbarung in Orpheus bestand, dem Sänger im sternbesäten Mantel. Aus mythischer Ferne her schien dieser Hymnus mit seinen Harfenklängen auf den beiden Klavieren zu tönen, immer begeisterter schwoll er bis zu höchster Kraft an. Die Idee des „Lohengrin“-Vorspiels blieb hier immer spürbar. „IN ROT – Dialog für 2 Klaviere“ nach kroatischen und ungarischen Themen von Eduard Kutrowatz spielte dann höchst virtuos mit Improvisationen und einem atemberaubenden Laufwerk, dessen Rasanz alle Zuhörer fesselte. Ein weiterer Höhepunkt waren Intermezzo und Fuge und der ergreifende Choral „Üdvöslegy Maria“ nach dem Blues. Auch die beiden grandiosen Paraphrasen für zwei Klaviere von Franz Liszt in der kunstvollen Bearbeitung von Eduard Kutrowatz hatten ein explosives Feuer in sich. „Schlaflos“, „La Perla“, „Go Not, Happy Day!“ oder „Carousel“ überraschten mit zahlreichen geistreichen Modifikationen, Arabesken, Girlanden und Kaskaden, die nur so hervorblitzten. Ein Wechsel von virtuosen Spielformen, jagdhornartigen Klängen, machtvollen Oktavengängen, hellen Figurationen und einem rhythmisch fast schon spukhaft wirkenden Kontrapunkt-Satz setzten weitere Glanzpunkte. Tonartlich und stimmungsmäßig unterschiedliche Perioden führten zu pianistischen Exzessen. Zuletzt siegte der Jazz mit Dave Brubecks Stücken „Take Five“, „Summersong“, „The Duke“ und „Blue Rondo a la Turk“. Hier triumphierten knisternde Synkopen und ein gepfefferter Blues-Rhythmus. Stilmittel wie Free, Cool, Bop, Swing und Rock meldeten sich mit frecher Unbekümmertheit wiederholt zu Wort. So gerieten die Motiv-Fetzen funkensprühend aneinander und führten zu einem ausgelassenen Tumultuoso. Riesenbeifall, Jubel und zwei Zugaben von Astor Piazzolla: „Michelangelo“ und „Libertango“. Jazz-Poesie pur.   

Alexander Walther

 

ALEXANDER WALTHER

 

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