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BAYREUTH / Festspielhaus: Wagners DIE WALKÜRE halbszenisch

21.08.2021 | Oper international

 

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So brav und regungslos haben sie die die Walküren noch selten aneinandergereiht. Alle Fotos: Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuth / Festspielhaus: Wagners WALKÜRE halbszenisch

 19.8.2021

Trotz Covid-Maßnahmen hat das Haus am Grünen Hügel nichts von seinem Zauber eingebüßt. Die Entscheidung von Festspielchefin Katharina Wagner, Die Walküre halbszenisch herauszubringen, hat sich als richtig erwiesen. Der Abend wurde musikalisch zu einem der Höhepunkte der diesjährigen Festspielsaison. Die Bereicherung der Aufführung durch die Schüttaktionen von Hermann Nitsch hat sich allerdings nur zum Teil eingestellt. Vom Schöpfer des Orgien-Mysterien-Theaters hatte man eine Steigerung der Intensität des musikalischen Geschehens erwartet, doch die permanenten Schüttgeräusche wurden zuweilen – besonders an den leisen Stellen – oft auch als störend empfunden. Weniger wäre da mehr gewesen. Der Reichtum an Farbkombinationen – Blut kam diesmal nicht zum Einsatz – war dennoch spektakulär und verlieh dem Ganzen eine zusätzliche Dimension. Jeder der drei Aufzüge begann  mit einer leeren weißen Bühne, die dann in Schüttungaktionen Farbigkeit annahm. Ob die am Kreuz vollzogenen Opferriten zur Welt der Walküre passen, bleibt allerdings mehr als fragwürdig.

Der finnische Dirigent Pietari Inkinen konnte sich seit der Premiere offensichtlich steigern, wenngleich man sich immer noch mehr Emotion in seiner Gestaltung wünschen würde. Inkinen zählt zu den eher analytischen Interpreten die es ja in der Festspielgeschichte immer schon gegeben hat. 2022 wird er den neuen Ring dirigieren. Noch mehr Steigerung wird nötig sein, um dieses Vorhaben entsprechend erfolgreich umsetzen zu können.

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Was Monstranz und Kreuz in Wagners Götter- und Heldenwelt verloren haben, weiß wohl nur Nitsch allein.

Die Sängerinnen und Sänger des Abends waren vortrefflich. Allen voran Lise Davidson als strahlende Sieglinde mit Brünnhildenstimme. Klaus Florian Vogt sang den Siegmund in Topverfassung und gab der Figur ausreichend Kontur. Ein früherer Kollege, der in dieser Partie vor Jahrzehnten ebenfalls reüssieren konnte, Siegfried Jerusalem, war übrigens im Zuschauerraum anwesend. Christa Mayer als Fricka bot, wenn auch schauspielerisch versiert, die gesanglich schwächste Leistung des Abends. Dimitry Belossellskiy war ein adäquater Hunding.

Tomasz Konieczny übernahm von Günther Groissböck den Wotan, den er stimmlich hervorragend darbot. Durch seine intensive Darstellung war er manchmal nahe daran, den Rahmen einer konzertanten Aufführung zu sprengen. Da er immer wieder auch den Alberich singt, brachte er gelegentlich Klangfarben ein, die man eher dieser Figur zuordnen würde denn dem Charakter eines Wotans.

Dass an diesem Abend nicht – wie bei der Premiere – Irene Theorin singen würde, sondern dass Catherine Foster ihren Part übernehmen würde, dürften die meisten im Publikum schon gewusst und dankbar zur Kenntnis genommen haben. Foster sang eine strahlende Brünnhilde, die auch in der konzertanten Aufführung das Publikum sehr berührte.

Am Ende gab es Ovationen für alle Mitwirkenden sowie einige wenige Buhs für Hermann Nitsch, was den Erfolg dieses Opernabends und seines Anteils daran aber nicht schmälern konnte.

Karlheinz Schöberl 

 

 

 

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