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BAYREUTH/ Festspiele: SIEGFRIED – „Der Ring des Nibelungen – zweiter Durchlauf

11.08.2016 | Oper

Bayreuth/ Festspiele/ „Der Ring des Nibelungen: SIEGFRIED 10.8.2016


Stefan Vinke (Siegfried), Ana Durlovsky (Waldvogel). Copyright: Enrico Nawrath

Marek Janowski lässt auch bei ‚Siegfried‘ seine eigene Handschrift erkennen. Der Anfang mit dem tiefen rollenden Fagotten und Baßklarinetten kommt bei ihm ganz anders als gewohnt herüber. Die düster dumpfe Verzweiflung Mimes, dem es nicht gelingt, das Schwert zu schmieden, erscheint bei Janowski noch viel bleckender, tierlautähnlicher, wahrscheinlich durch besondere Stopfung der entsprechenden Instrumente. Der großartige Mime Andreas Conrad geht für mich aber zu oft in den Sprechgesang über, das soll vielleicht ‚moderner‘ (Schönberg) klingen. Man merkt aber, daß er alle Noten schlafwandlerisch drauf hat, und er lässt sich von Siegfried bis zu seiner Erschlagung nichts vormachen. Und dafür, dass Siegfried plötzlich seine Gedanken „hört“, kann er ja nichts. Natürlich ist es eine „Machtkiste“ zwischen den beiden, da Mime ja durchaus auch zum Mord an Siegfried fähig gewesen wäre, obzwar er als Zwerg der augenscheinlich Unterlegene ist. Die beiden Ungleichen ergänzen einander hier durch lauteren Schöngesang: Conrad und Stefan Vinke. Letzterer wirkt viel lockerer als in seinem ersten Jahr. Und sein etwas gaumig rauhes Timbre steht  ihm gut zu Gesicht (Gehör!). Aber auch in der Höhe wirkt er viel souveräner und wetteifert mit Conrad quasi um das hohe C. Bei der Schmiedeszene gerät er aber mehr mit Patric Seibert aneinander, der als ‚Hofbär‘ dort angeleint seinen Dienst tut und auch mal witzige Fitneßübungen zu Siegfrieds Schmiedeschlägen vollführt. Aber das Schmieden wird schnell unterbrochen, Siegfried findet eine MP, die ihm mehr taugt. Damits geht’s dann zu Fafner (Karl-Heinz Lehner), der sich als Zuhälter am Berliner Alexanderplatz verdingt hat. Und so weiter im Castorf’schen Erzählmix, der sich nur in Wenigem vom Vorjahr unterscheidet.- 

Musikalisch wird Janowski im weiteren Verklauf „konventioneller“, bereitet aber das einzigartige vielgestaltige Siegfried-Tondrama mit der langen Unterbrechungspause hochgradig schön auf mit einem Orchester, das solche Vorgaben in brillanter Weise umsetzen kann. Bei den Sängern hat es keine Umbesetzungen gegeben bis auf Ana Durlovski, dem neuen Waldvogel aus Stuttgart. Sie kann mit einem berückenden dabei konsistent kräftigen Soprantimbre Siegfried die nötigen Instruktionen geben und den Weg weisen, wobei sie gleich Ballast in Form von Kleidung ablegt. Ein hübscher wilder Vogel Greif.(S. auch Siegfried Kritik August 2015 Online-Merker/Archiv). Gewohnt souverän: Catherine Foster als Brünnhilde. John Lundgren (Wanderer), Nadine Weissmann (Erda)                                      

Friedeon Rosén

 

 

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