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BAYREUTH:/ Festspiele: DIE WALKÜRE. „Der Ring des Nibelungen“ – zweiter Durchlauf, erster Tag.

09.08.2016 | Oper

Bayreuth: DIE WALKÜRE –  8.8.2016

Die Walküre ist für Marek Janowski die große Gelegenheit, alles zu zeigen, was er an Wagner-Kompetenz zu bieten hat. Es beginnt mit einem wie gemeißelten Gewitter, das einen sofort mitten in die traurige Wäsungenhandlung katapultiert. Elegische Celli begleiten, es ist jetzt viel kammermusikalische Feinarbeit zu goutieren. Mit Christopher Ventris und Heidi Melton stellt sich ein neues Wälsungenpaar vor, das aber zunächst etwas blass agiert, so dass sich auch die Truthähne im Käfig nicht aus der Ruhe bringen lassen. Georg Zeppenfeld, der mittlerweile alle Baßrollen seines Fachs am Hügel singt, ist ein gestrenger Hunding, der seine Frau bei jeder ihrer Äußerung bedrängt. Die Wotan – Fricka Episode läßt Janowski routiniert abspulen, wobei die Fricka Sarah Connolly herrisch orientalisch auftrumpft.


Copyright: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Auch ein neuer Wotan präsentiert sich: Der Schwede John Lundgren legt mit pastosem, fast geflüsterten Tönen seinen ‚Jugendmonolog‘ ganz mysthisch an, dabei auch sehr wortverständlich, und das stark aufspielende Orchester gibt ihm dabei angemessen Kontra. Auch die Brünnhilde (Catherine Foster) findet gleich zu ihre weich timbrierten präsenten Stimme, wobei sie auch szenisch nie blaß bleibt, sondern durch ‚Aktionen‘ Wotans Sprüche gleichsam kommentiert. Eine weitere Steigerung stellt die Todesverkündigung dar, die wie ein sakrales Emblem interpoliert scheint. Eine geradezu kontrapunktische Meisterleistung, war die Führung der Mittelstimmen durch Janowski im Doppel-Zweikampf am Aktende und beim Walkürenritt. Eine so ausgehörte Partitur ist einen bei diesen Teilen bisher kaum begegnet. Die Walküren geben dazu eine angenehme Klangkulisse und bündeln sich zu schneidend starker Wehklagegemauer. Erst danach bringt sie die Regie mit den sowjetischen Videos über die Ölförderalage, die stark kriegsbedroht ist, wieder mehr ins Spiel.

Castorf hat sich für eine Wotan mit Glatzkopf entschieden, was mit dem lang wallenden orientalischen Bart im 2.Akt noch mehr hermacht. Natürlich wird damit das herrisch quasi Brutale noch unterstrichen, das sich erst in seinem Abschied langsam mildert. Heidi Melton kommt im 2.Akt mit ihren Gesängen besser herüber und erreicht beim finalen Liebesmotiv vor ihrem Abtritt eine absolutes Highlight an Schöngesang, was ihr auch, neben Janowski den meisten Applaus einträgt. Korrespondierend steigert sich auch der Siegmund Ventris in fulminanten Aufritten.                             

Friedeon Rosen

 

 

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