Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BAYREUTH: DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG. Dernière

25.08.2021 | Oper international

Bayreuther Festspiele: Die Meistersinger von Nürnberg   Dernière 24.8.2021

Die Meistersinger von Nürnberg - Bayreuther Festspiele (2021) (Produktion -  Bayreuth, deutschland) | Opera Online - Die Website für Opernliebhaber
Copyright: Bayreuther Festspiele

Es wurde noch einmal zum regelrechten Schaulaufen: Die sehr erfolgreichen Meistersinger in der Inszenierung vom Intendanten der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky und unter dem erlesenen Dirigat von Philippe  Jordan sind nun vorerst ‚abgespielt‘. Sie wurden aber für diese Festspiel-Ausgabe nochmals, in erster Linie musikalisch, auf Hochglanz gebracht. Besonders der 1. Akt lief nahezu perfekt durch. Gleich beim Vorspiel wurden die teils gegensätzlichen Ideen und Motive gut ausdifferenziert und klanglich extrem durchhörbar intoniert, so daß manchmal fast neuartig ’neudeutsch‘ wirkende Harmonien durchschimmerten, wie man es bei Wagners Meistersingern, die ja einen eigenen Stil kreieren, erwarten kann. 

Im großen Saal von Villa Wahnfried war es dann auch eine Freude, das Zusammenwirken von Orchester, Solisten, Lehrbuben- und Meistersinger-Ensemble zu erleben. Wagners Auftritt mit zwei großen Hunden fiel diesmal weg, sein Mime war aber nichtsdestotrotz ein Hans Dampf in allen Gassen. Der 2.Akt ist zwar szenisch nicht so brillant, aber  nun in  den Wänden des Gerichtssaals der Alliierten mit aufgetürmten Stühlen und dem Rednerpult, wird er für sinnreiches Spiel genützt. Im Schlußakt ist dieser Saal  betischt und bestuhlt, und es ergibt sich ein wildes Durcheinander-Getanze der verschiedenen Stände, Davids und der Mädels von Fürth, alle in historischen bzw.historisierenden bunten Kostümen (Bühne Rebecca Ringst, Kostüm: Klaus Bruns). In der Regie werden wie bisher die Feindlichkeiten und Bloßstellungen der Juden bei der Figur des Beckmessers gezeigt.

Das Orchester kann das hohe Niveau der Ouverture durchgehend halten und kommt Wagners Ideal damit sehr nahe. Philippe Jordan hat sich in die Herzen und Sinne des Publikums gespielt.

Bayreuther Festspiele: Die Meistersinger von Nürnberg | Spielplan |  BR-KLASSIK | Bayerischer Rundfunk
Michael Volle, Klaus Florian Vogt. Foto: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Die 16 namentlich aufgeführten Lehrmädels und -buben singen klangrein, bestens studiert und sind spielfreudig, was genauso für das Meistersinger-Oktett in den entgegengesetzten Stimmlagen gilt! In der Kleinpartie des Nachtwächters ist Günther Groissböck natürlich unterfordert, aber er gibt sie gut nuanciert und mit schwarz-dunkler Stimmfarbe. Die Magdalene scheint erstmals Christa Mayer zu geben, und sie macht ihre Sache auch stimmlich ansprechend. Eine Freude ist es auch wieder, Daniel Behle bei der pointierten Beschreibung der schräg-lustigen Meistergesangs-Regeln zuzuhören, die er fast spirituell tenoral vermittelt. Der Fritz Kothner des Werner Van Mechelen sticht auch gesanglich baßbaritonal aus seiner Schar hervor, während Georg Zeppenfeld würdevoll mit warmtimbrietem Baß den Pogner gestaltet. Camilla Nylund ist eine gar nicht introvertierte Eva und erfreut mit ihrem sinnig-sinnlich eingesetzten Sopran. Den Walther gibt in einer seiner Paraderollen Klaus Florian Vogt. Die aufeinander aufbauenden Werbelieder singt er gut  abgestuft und -getönt, sein Ausnahme-Tenor befindet sich in der Form seines Lebens. 

Der Chor erfüllt in seine großen Schlssauftritten die Erwartungen und singt trotz Corona sehr klangvoll (E.: Eberhard Friedrich).

 Johannes Martin Kränzle ist als Sixtus Beckmesser zurückgekehrt und macht es gewohnt hervorragend, gibt mit extremer Leichtigkeit diese etwas schauerliche Buffo-Rolle (an der Harfe begleitet von Manuela Randlinger-Bilz). Der leicht anspringende hohe Bariton ist bestens fokussiert.

Michael Volle als Sachs hier wieder erneut zu loben hieße wohl Eulen nach Athen tragen. Er steht mit dieser bisher längsten Opernpartie für den umjubelten Abend ein!                                   

Friedeon Rosén

 

Diese Seite drucken