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BAYREUTH: DAS RHEINGOLD

11.08.2014 | KRITIKEN, Oper

Bayreuther Festspiele : DAS RHEINGOLD am  10.8.2014

22Tabelle Kopie

 Der Ausgangspunkt bei Frank Castorfs Bayreuther ‚Ring‘-Inszenierung ist das Öl als Sinnbild der maßlosen Geldanhäufung mit machtpolitischen Implikationen, wofür Wagners Nibelungenring ja steht. Öl also, das „schwarze Gold“ als Klammer für diesen Ring, der heuer in seine 2.Runde geht. Als Einstieg in den Vorabend „Rheingold“ wurde von dem serbischen Bühnenbildner Alexandar Denic in einem Interview erklärt, man habe eine Tankstelle samt Motel im US-Texas der 1970er Jahre gewählt, wo sozusagen das Geschäft mit dem Öl optimal florierte und der Luxus in gewissen Gesellschaftskreisen auf den Höhepunkt getrieben wurde. Dies zeigt schon die üppige Konstruktion des Motels, ein Gemisch aus Jugend- und Bauhausstil, die der Raumdesiner Denic auf die Drehbühne stellt, zwei Stockwerke, Dachterrasse sowie Souterrain mit Swimmingpool, Trainings- und Ruheraum. Gleichzeitig dient er als ‚Puffraum‘ für die Rheintöchter, die sich rekreieren und in schönen Gewändern herumpussieren, im Becken planschen. Mirella Hagen (Woglinde), Julia Rutigliano (Wellgunde) und Okka von der Damerau (Floßhilde, vielleicht die Puffmutter) geben ein präzis schöstimmiges, kunstvoll, z.T. genial phrasierendes Gesangstrio ab. Eigentlich ist Alberich hier auch Puffgast, erst unsichtbar in einer Liege versunken, läßt er sich dann bezirzen bzw. veralbern. und klaut die im Bassin schwimmenden Goldbarren.

 Ein Vorteil dieser Castorf- Inszenierung ist, daß, wie Bayreuth-üblich, zwar keine Übertitel eingeblendet werden, aber Details der Handlung live auf einem Bildschirm wiedergegeben werden. Damit reduziert sich das Problem des weitenfernt Sitzens doch erheblich. Ab der Nibelheim Szene wird die Handlung auch permanent von einem ‚Reporter‘ mitgefilmt. Andererseits kann durch die Medien-Vielgestalt auch mal Verwirrung aukommen, wenn etwa die Riesen, hier im Blaumann, Fafner mit Halbmaske, das Motel von oben bis unten durchkämmen und auch nicht anstehen, bei den den gesammelten Ausflüchten Wotans das Inventar mit Baseballschläger zu demolieren. Die „Göttinnen“ ziehen sich aus Angst vor ihnen in die hintersten Gemächer zurück und telefonieren dauernd. Nibelheim ist eigentlich eine röhrenartige Behausung, die vor der Tankstelle placiert ist. Hier kommt Öl auch als ‚Tatwaffe‘ zum Einsatz, dessen sich besonders die frechen Götter zum Nachteil der geschwärzten Nibelungen bedienen. Die letzte Walhall-Szene maht in ihrer packenden Dramatik noch mal dem Actionfilm-Genre alle Ehre.

 Dirigent Kirill Petrenko beginnt mit seiner 13jährigen ‚Ring‘-Erfahrung das Rheingold eher unspektakulär, auch da im Vorspiel die Aufmerksamkeit alsbald auf die Szene gelenkt wird. Am besten gelingen ihm die spritzig-elastischn langen ‚Konversationsszenen‘ auf Walhall und Nibelheim, die auch vom Orchester super gespielt werden. Musikalische Höhepunkte sind weiters die Zwischen-‚abstiegs‘-musik 2./3.Szene, Alberichs Ring-Verfluchung und die Goldbarren-Eindeckung Freias („Legt das Gold nach Freias Maß“).

 Ein gut eingespieltes Riesenduo geben Sorin Coliban stimmlich schlagkräftig und Wilhelm Schwinghammer mit schön aufblühendem Baß. Burkhard Ulrich ist als roboterhafter Mime hochpräsent und singt einen leicht grellen Charaktertenor. Oleg Bryjak hat einen ausdrucksstarken farbig dramatischen Bariton, der in der Höhe an Grenzen führt, die aber noch gut kaschiert werden können. Nadine Weissmann wartet am verführerischsten für Wotan auf als ‚Venus im Pelz‘ (Kostüme: Adriana Braga Peretzki) mit ihrem hellen, aber voluminös timbrierten Mezzo und läßt sich ihre ‚gute (Ring)tat‘ an der Motelbar angemessen mit Drinks belohnen. Claudia Mahnke ist eine gewohnt gute Fricka, und nicht nur Stichwortgeberin für Wotan. Dieser wird von Wolfgang Koch lässig im Dinner-Jackett gezeichnet und mit unendichen Ausdrucksreserven des hohen Baritons ganz nonchalant gesungen. Dagegen wird der schwarzlockige Loge von Norbert Ernst mit eingengt wirkendem Bewegungsraum , aber mit überzeugend guten stimmlichen Mitteln gestaltet. Die Freia der Elisabet Strid ist in jeder Hinsicht eine Wucht. In den Nebenrollen sind auch Markus Eiche/Donner und Lothar Odinius/Froh gewaltige Mitspieler.

Friedeon Rosén

 

 

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