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BASEL/Theater/ Grosse Bühne: „ROMEO UND JULIA“ – SINFONIEKONZERT. Pekka Kuusisto, Erik Nielsen

28.10.2016 | Konzert/Liederabende

Basel: Theater Basel – Grosse Bühne – „Romeo und Julia“ -Sinfoniekonzert – Sinfonieorchester Basel – Pekka Kuusisto, Violine – Erik Nielsen, Leitung    –  26.10.2016

 Eigentlich ein musikalischer Filmabend

 Während des umfassenden Umbaus des traditionsreichen Musiksaals im Stadtcasino Basel weichen die Konzerte in andere Locations aus. Eine davon ist die „Grosse Bühne“ des Theaters. Erwartungsgemäss erfüllt das vielseitige Haus auch die Anforderungen an einen Konzertsaal mit Bravour! Und dies nicht nur akustisch, sondern auch optisch, haben doch die Konzertbesucher dank der abgestuften Anordnung der Sitzreihen optimale Sichtverhältnisse zum Orchester und den Solisten.

Das Theater Basel eröffnete seine Spielzeit mit Erich Wolfgang Korngolds „Die Tote Stadt“. So überrascht es nicht, dass sich Korngold auch im Programm der Sinfoniekonzerte des Sinfonieorchesters Basel (SOB) wiederfindet. An seinem zweiten Konzertabend dieser Saison präsentiert das SOB den „anderen“ Korngold, nämlich den Komponisten grossartiger Filmmusiken. So komponierte er den Soundtrack zu den heute noch häufig ausgestrahlten Filmen „Unter Piratenflagge“ (1935) und „Der Herr der sieben Meere“ (1940). Für die Musik des letztgenannten Films, engl. Originaltitel „The Sea Hawk“, erhielt Korngold 1941 eine Oscar-Nominierung. Wenn man sich den Film – insbesondere die grosse Fechtszene zwischen Eroll Flynn und Henry Daniell – ansieht, versteht man auch wieso: Korngold verstand es wie kaum ein anderer die Handlung mit „erzählender“ Musik zu versehen, welche jedes bildliche Detail musikalisch umsetzt. Mit der Suite aus ebendieser Filmmusik eröffnen das SOB und Dirigent Erik Nielsen den Konzertabend. Es gelingt eine frisch-feurige Aufführung der spannungsgeladenen Musik. Wie schon bei der „Toten Stadt“ setzt Maestro Nielsen auf zügige Tempi, grosse Klangbogen. Sein Dirigat gerät äusserst differenziert. Damit wird einmal mehr eindrücklich unter Beweis gestellt, dass auch Korngolds Musik beim SOB in allerbesten Händen ist.

Ein wahrer „Teufelsgeiger“ ist er, Pekka Kuusisto, welcher das „Konzert für Violine und Orchester d-Moll, op. 47“ von Jean Sibelius interpretiert. Technisch brillant musiziert er differenziert und leidenschaftlich mit dem Orchester. Der finnische Violinist kitzelt alles aus seinem Instrument heraus, kommuniziert mit begeisterten Blicken mit dem Orchester und wird mit ihm eins. Es entsteht ein mitreissendes Gesamtklangerlebnis in absoluter Harmonie. Kuusisto, SOB und Nielsen – ein Dreamteam!

1929 erhielt Arnold Schönberg den Auftrag eine Filmmusik zu komponieren. Es entstand die „Begleitmusik zu einer Lichtspielszene, op. 34“ – atmosphärisch dicht und spannungsgeladen. Nielsen präzises und erneut differenzierten Dirigat entlockt dem SOB ein transparentes Klangbild, welches dem Zuhörer viele Facetten dieser interessanten Komposition zugänglich macht – fabelhaft!

Zum krönenden Abschluss dieses Konzertabends erklingt Sergei Prokofjews beliebte 1935 komponierte Suite „Romeo und Julia“. Das Sinfonieorchester Basel und Erik Nielsen sorgen für ein dynamisches, hoch emotionales Musikerlebnis, wie man es sich nur wünschen kann. Es bestechen die klaren, kraftvollen Bläser, die jugendlich-verspielten Flöten, die kompakt-harmonischen Streicher. Mit feinfühligem Dirigat setzt Erik Nielsen die schönste Liebesgeschichte der Welt in musikalisch ergreifende Bilder um.

Begeisterter Applaus am Schluss für einen faszinierenden Konzertabend!

Michael Hug

 

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