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BASEL: VON LOLLIPOP BIS DORNRÖSCHEN – die Ballettschule tanzt

15.06.2013 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Basel: „Von Lollipop bis Dornröschen – die Ballettschule tanzt“– Besuchte Vorstellung vom 13.06.2013 – Junge Menschen auf dem Sprungbrett zur grossen Karriere

 Alljährlich zeigt die Ballettschule des Theater Basel (BTB) dem Publikum, was sie so durch das Jahr hindurch arbeitet. Bisher fanden die Aufführungen, schwergewichtig von Eltern der ElêvInnen und Kennern, auf der kleinen Bühne statt. Bei einer bis zwei Aufführungen, welche immer ausverkauft waren, blieb die faszinierende Welt dieser Ballettschule einem breiteren Publikum verwehrt. Das soll sich nun ändern, sagen sich Ballettdirektor Richard Wherlock, Amanda Bennett, Direktorin der BTB und Julie Christie Wherlock, Direktorin der Junior School sowie Fred P. Feldpausch, Founding Partner, und so lernen die angehenden jungen Ballett-Sternchen und –Stars den Duft der „Grossen Bühne“ kennen und lieben. Der rund 2 ½-stündige Abend (das muss dann auch erst einmal jemand nachmachen) ist entsprechend dem Niveau der einzelnen Klassen aufgebaut – und meilenweit davon entfernt, eine Ballettaufführung mit reinem „Jööööööööö-Effekt“ zu sein. Es beginnen die Kleinsten mit „Lollypops und Kaugummi“, zur verspielten Zirkusmusik von Dmitri Shostakovich. Mit verspielter Ernsthaftigkeit zeigen die Kleinen ihr zweifellos noch kleines Repertoire an Bewegungen. Dies machen sie mit grosser Sorgfalt und Exaktheit. Als Accessoires dienen grosse Lollypops, Seifenblasen, Hula-Hoops-Reifen – und Kaugummis. Noch nie wurden wohl Kaugummis so gekonnt und elegant aus dem Mund zu einem langen Faden gezogen wie hier! Dieser Teil zeigt deutlich, wie sorgfältig, liebevoll – und konsequent mit den Kindern gearbeitet wird. Einen schweren Stand hat da der erste Solist, der nach dem tosenden Applaus für die erste Nummer aufzutreten hat! Gianluca Perrulli zeigt die Variation aus „La Fille mal gardée“ und macht dabei mit hohen Sprüngen auf sich aufmerksam. So richtig aus sich heraus wächst Gianluca in der Modern-Choreographie „Reframed“, welche den ersten Teil des Abends beschliessen wird. Die Variation aus dem 2. Akt „Giselle“ (Choreographie: Jean Coralli, Jules Perrot) meistert Valentin Quitman souverän. Der junge Tänzer fällt durch seine schlanke elegante Erscheinung auf und besticht durch exzellente Sprünge und hohe Musikalität. Im Pas des Deux aus „La Bayadère“ – Kingdom of the Shades überzeugen Keren Leiman und ihr Partner Jivan Barseghyan. Wer die BTB absolviert, hat durchaus Chancen, Preise zu gewinnen. So geschehen bei Absolventin Sidney Turtschi, welche 2012 den Kiwanis Jugend Kulturpreis Basel gewonnen hat. Mit Marius Razvan Dumitru, Tänzer beim Ballett Basel, tanzt sie einen zauberhaften Pas de deux aus Richard Wherlocks Ballett „Traviata“. Damit wird der klassische Teil vorerst abgeschlossen. Richard Wherlock legt – wie bei den Arbeiten mit dem Ballett Basel auch – beim Tanznachwuchs grossen Wert darauf, dass sie mit möglichst vielen Tanzrichtungen in Berührung kommen und ihre eigene tänzerische Persönlichkeit aufbauen und festigen können. Auch soll sich ihr Repertoire nicht „nur“ Choreographien der Lehrpersonen beschränken. So gibt Meister Wherlock seinen Tänzerinnen und Tänzern aus der Compagnie die Gelegenheit sich als Choreographen zu versuchen und trifft damit zwei Fliegen auf einen Schlag: Nebst den ElêvInnen erhalten auch die Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie eine (weitere) Gelegenheit, neues Terrain zu betreten und ihre Fähigkeiten als angehende Choreographen unter Beweis zu stellen. Und so kommt es eben dazu, dass „Cinderella“ Sol Bilbao Lucuix mit „Souru“ den jungen Künstlerinnen und Künstlern eine mitreissende, kraftvolle Choreographie auf den Leib schreiben kann. Mit „Refraimed“, ursprünglich für das Luzerner Ballett choreographiert, verlangt Choreograph Duncan Rownes von den Aufführenden vor der Pause nochmals alles ab. Das Stück gerät zu einer beeindruckenden, reifen Ensembleleistung, welche derjenigen einer „echten“ Compagnie um nichts nachsteht. Herausragend gut: Keren Leiman und Valentin Quitman in den grossen Solopartien. Da bringt die BTB zwei höchst talentierte Tänzerpersönlichkeiten hervor, von denen man bestimmt in Zukunft noch hören wird. Die erste Hürde in diese Richtung haben die beiden bereits genommen: Beide haben im Zürcher Ballett eine Anstellung erhalten! Nach der Pause wird’s wieder klassisch: Amanda Bennett und Rafael Avnikjan haben einen bunten Strauss mit Ausschnitten aus Tschaikowskis „Dornröschen“ zusammengestellt. Molly Gardiner brilliert als Prinzessin Aurora in den Spitzenschuhen. Als Prinz Desiré steht ihr mit Dayne Florence ein Partner zur Seite, der einerseits mit tollen Sprüngen und Variationen brilliert, andererseits sich als verlässlicher Partner für die Pirouetten und Hebungen erweist.

„Von Lollypop bis Dornröschen“ – besser kann eine Ballettschule ihre Vielfalt nicht präsentieren – ein grossartiger, beeindruckender Abend! Schade, dass es nur zwei Aufführungen davon gibt! Das nächste Projekt jedoch steht bereits fest: Die BTB zaubert den „Nussknacker“ auf die Bühne! Vorher geht es aber nun in die wohlverdienten Sommerferien, aus welchen unser hoffnungsvoller Nachwuchs frisch gestärkt und motiviert wieder zurückkehrt! Wir freuen uns drauf – und bleiben dran!

 Michael Hug

 

 

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