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BASEL/ Theater: INTERMEZZO von Richard Strauss. Wiederaufnahme. Ensemble phantastischer Sängerdarsteller

29.08.2021 | Oper international

Richard Strauss: Intermezzo • Theater Basel • Vorstellung: 28.08.2021

(2. Vorstellung • Wiederaufnahme am 25.08.2021)

Ensemble phantastischer Sängerdarsteller

Neun Stücke, die das Theater Basel in der vergangenen Saison nur eingeschränkt spielen konnte, hat es zum Festival «Extra Wochen» und zeigt sie bis zum 3. Oktober2021 in Wiederaufnahmen. Dazu gehört auch Richard Strauss «Intermezzo» in der Inszenierung von Herbert Fritsch.

BASEL/ Theater/ Grosse Bühne: INTERMEZZO von Richard Strauss. Aufführung  vor 50 Besuchern, damit „ausverkauft“Online Merker
Foto © Thomas Aurin

Fritsch hat sich als sein eigener Bühnenbildner für seine Inszenierung einen grossen Spielraum geschaffen: die Bühne ist praktisch leer, lediglich ein Flügel und ein grosser Lampenschirm und dessen angedeuteter Lichtkegel sind auf der Bühne zu sehen. Weitere Requisiten gibt es nicht, die Sänger sind nun als Darsteller gefordert und werden von Fritsch hervorragend geführt. Die Bewegungen aller Figuren sind, hier nimmt Fritsch Strauss Orientierung an zeitgenössischen Dramaturgien gekonnt auf, vom Stummfilm und frühen Tonfilm inspiriert. So einige «Pointen» und Bewegungsmuster wirken reichlich mühsam und outriert, hier aber passen sie bestens. Die Verankerung der Oper im Leben, die Entzauberung hat Fritsch ebenfalls aufgenommen: der Lampenschirm verströmt muffigste, bürgerliche Biederkeit und der Flügel ist nicht nur ein Arbeitsinstrument des Hofkapellmeisters, sondern auch Bestandteil der musikalischen Ausbildung des Nachwuchses. Victoria Behr führt die Entzauberung in den Kostümen fort: lediglich Frau Hofkapellmeister ist elegant gekleidet, die Riege der Herren und die Frau des Notars tragen Strickjacken, die zwar mollig warm sein mögen, denen man die Mottenkugeln aber auch schon ansieht. Das Bühnenbild ist wie gewohnt farbig und der spiegelnde Boden in Kombination mit dem Lichtdesign von Roland Edrich gibt dem Abend eine Natürlichkeit die ziemlich genau Strauss Idee von der Verankerung der Oper im Alltag entsprechen dürfte.

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Foto © Thomas Aurin.

Das hervorragende Sängerensemble setzt Fritsch Ideen mit grossem Einsatz phantastisch um. Günther Papendell als Hofkapellmeister Storch ist von Anfang mit seinem wohlklingenden Bariton von Anfang an präsent und bestens verständlich. Nach kurzen Startschwierigkeiten läuft Flurina Stucki als Storchs Ehefrau Christine zu Höchstform auf und ist im zweiten Aufzug dann von beeindruckender Intensität. Rolf Romei ist als Baron Lummer eine Idealbesetzung. Kali Hardwick gibt eine formidable Kammerjungfer Anna. Karl-Heinz Brandt (Kapellmeister Stroh), Hubert Wild (Notar/Justizrat), Andrew Murphy (Kommerzienrat) und Mkhanysell Miombi (Kammersänger)bilden die Skatrunde, Jasmin Etezadzadeh (Frau des Notars), Ena Pongrac (Resi), Raphael Clamer (Diener) und Moritz Emil Rehlen ergänzen das Ensemble. Nocheinmal: es gilt dem Ensemble phantastischer Sängerdarsteller für diese Leistung in corpore höchste Achtung zu zollen.

Das Sinfonieorchester Basel unter Clemens Heil hat einen grossartigen Abend und bringt Strauss spätromantische Musik wunderbar zum Blühen – und schafft damit einen starken Kontrast zum Geschehen auf der Bühne und zeigt, dass Strauss hier am Beginn der Entwicklung der Gattung «Zeitoper» steht.

Grosses Theater!

Weitere Aufführungen: SO 12.09.2021, 18.00; DO 23.09.2021, 19.30; SO 26.09.2021, 18.30.

 

28.08.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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