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BASEL/ Stadtcasino: „DIALOG“ – Sinfonieorchester Basel (SOB), Gabriela Montero (Klavier), Rudolf Lutz (Orgel), Ivor Bolton (Leitung)

03.09.2021 | Konzert/Liederabende

Basel: Stadtcasino Basel – «Dialog» – Sinfonieorchester Basel (SOB), Gabriela Montero (Klavier), Rudolf Lutz (Orgel), Ivor Bolton (Leitung)

 – 01.09.2021

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Das SOB mit Ivor Bolton – und der wunderbaren Orgel (Foto: Michael Hug)

Freudige Saisoneröffnung mit Überraschungen

Zum Start in die neue Saison tritt das Sinfonieorchester Basel (SOB) mit seinem Chefdirigenten Ivor Bolton mit einem vielseitigen Programm in Dialog mit dem Publikum und hat dabei einige Schmankerl mit im Gepäck. Vor den Begrüssungsworten des Künstlerischen Direktors des SOB, Hans-Georg Hoffmann und – ganz spontan – des Basler Regierungspräsidenten Beat Jans (erste Überraschung), kommt Rudolf Lutz an der grossen Orgel zum Zug. Er improvisiert unter dem Titel «Präludium» über Schweizer Volkslieder sowie über den «Basler Marsch». Dabei zieht der Organist im wahrsten Sinne des Wortes sämtliche Register und bringt das imposante Prunkstück des Musiksaales in allen seinen Facetten zum Klingen.

Danach tritt Komponist Peter Eötvös mit «Dialog mit Mozart, Da Capo für Orchester» mit Mozart in Dialog und setzt Mozarts Motiven seine eigene musikalische Sprache entgegen. Ein zuweilen befremdliches Klangbild mit vielen vertrauten Momenten entsteht, wenn Mozarts Fein- und Zartheiten mit Eötvös’ überbordenden Klangwellen dialogisieren. Das Sinfonieorchester Basel ist für seine Offenheit und Experimentierfreude bekannt und meistert auch diese Herausforderung unter der bewährten Stabführung von Ivor Bolton mit Bravour.

Der Dialog mit Mozart geht weiter. Nun mit dem «Konzert für Klavier und Orchester Nr. 24 c-Moll, KV491 (1786)». Am Klavier Gabriela Montero, Artist in Residence, welche in Basel vor einiger Zeit bereits mit Chopin und ihrer Improvisation über «z’ Basel an mym Rhy» auf sich aufmerksam machte. Erneut beeindruckt die Pianistin mit technischer Brillanz, bleibt emotionell allerdings etwas an der Oberfläche. Das ist aber auch der Einstudierung von Ivor Bolton, der in den grossen Klangbogen und -wogen der Romantiker eher zu Hause zu sein scheint, als in Mozarts filigraner Musiksprache, geschuldet. Der Dirigent legt das Konzert eher getragen und schwer an und stellt die technische Darbietung der Solistin weitgehend ins Zentrum der Aufführung. Frau Montero ist klar in der Solorolle, während das Orchester weitgehend als zuverlässiger Begleiter agiert. Eine Verschmelzung zwischen Orchester und Klavier findet kaum statt.

Als Zugabe improvisiert Gabriela Montero zu einem ihr unbekannten Volkslied, dessen Melodie ihr von einer Konzertbesucherin vorgesungen wird. Die Improvisation ist die grosse Spezialität der Künstlerin. Sie geht darin auf und begeistert mit grossartigem, emotionalem Spiel. Als das Publikum sich zur Pause erheben möchte, hebt die Pianistin zur zweiten Überraschung des Abends an und improvisiert zusammen mit dem Organisten Rudolf Lutz über ein altes Kinderlied. Da war alles drin: Romantik, Jazz – kurz: die beiden Solisten «rockten die Hütte». Ich bin mir sicher, ein Improvisationsabend mit dem Duo Montero/Lutz wäre ein absoluter Renner!

Nach der Pause erklingt die «Sinfonie Nr. 3 F-Dur, op.90» von Johannes Brahms. Eine Aufführung, welche durch grosse Klangbogen, ausgiebig genossenen forti und – besonders zu Beginn des zweiten Satzes – durch innere Differenzierung geprägt ist. Ein ansprechender, grosser zweiter Teil dieses interessanten, anregenden Eröffnungskonzerts.

Freude und Dankbarkeit für diesen gelungenen Konzertabend sind gross. Mindestens so gross ist auch die Hoffnung, dass die kulturelle Durststrecke nun hoffentlich endlich weitgehend überwunden ist und der häufige Dialog zwischen Orchester, Künstler*innen und Publikum weiterhin möglich bleibt.

 Michael Hug

 

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