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BASEL/ Stadtcasino: BRUCKNERS VIERTE – SINFONIEORCHESTER BASEL/ Stanislaw Skrowaczewski. 4 GEWINNT

06.03.2015 | Konzert/Liederabende

Basel: Stadtcasino – Sinfonieorchester Basel (SOB), Stanislaw Skrowaczewski (Leitung) – „Bruckner 4“04.03.15

 4 gewinnt

 Es wird wohl kein Zufall gewesen sein, welcher die Programmverantwortlichen veranlasst haben, sich beim Titel des Abends nicht nur auf den Namen Bruckner zu beschränken, sondern zudem die Zahl 4 anzuhängen: Denn am 4. März gibt das Sinfonieorchester Basel (SOB) als Hauptteil Anton Bruckners 4. Sinfonie, Es-Dur, „Romantische“, WAB 104 – ein grosses Werk in 4 Sätzen, welche der 1824 geborene Bruckner in den Jahren 1878 – 1880 komponierte. Warum findet denn das Konzert nicht am 4.4. sondern am 4.3. statt, wenn die 4 so zentral sein soll? Auch da lässt sich spekulieren: Im ersten Teil wird Mozarts 3-sätzige Sinfonie Nr. 34 C-Dur, KV 338 aufgeführt – der mitspekulierende Leser merkt: Da ist sowohl die 3 als auch die 4 mit drin …

 Doch genug der Spekulation und ran ans Eingemachte! Bereits beim ersten Satz der Mozart-Sinfonie wird klar, dass sich da wieder einmal zwei gefunden haben: der polnische Meisterdirigent Stanislaw Skrowaczewski und das Sinfonieorchester Basel (SOB). Frisch und fein nuanciert treten im ersten Satz die Holzbläser mit den mit Leichtigkeit einsetzenden Streichern und dem Rest des Orchester in einen sensiblen Dialog, in welchem die Blechbläser bereits strahlend auf sich aufmerksam machen. Die besten Vorzeichen für die Bruckner Sinfonie! Maestro Skrowaczewski arbeitet die Piani besonders sorgfältig aus, die Forti geraten gepflegt kontrolliert. Das SOB lässt sich voll und ganz auf seinen Dirigenten ein und setzt seine Anweisungen gekonnt um. Im zweiten langsamen Satz, welcher durch viele Piani geprägt ist, bestechen die Streicher durch absolute Reinheit. Der dritte Satz gerät fröhlich-verspielt, ohne dabei in lieblichen „Mozart-Kitsch“ abzudriften – leicht verspielte Ernsthaftigkeit, von Meisterhand sensibel dirigiert, vom SOB meisterhaft umgesetzt.

 „Die Spiritualität Bruckners ist in mir“, so wird Stanislaw Skrowaczewski im Programmheft zitiert. Wenn man jemandem diese Aussage glauben darf, dann ihm – der mittlerweile 92-jährige Künstler dirigiert Bruckners „Romantische“ – wie den Mozart vorhin übrigens auch – ohne Partitur – also vollkommen auswendig. Beim Heben des Taktstockes scheint der Dirigent in die Musik zu versinken und sie in Bewegung umzusetzen, welche vom Orchester aufgenommen und in herrlichste Musik verwandelt wird. So entsteht im wahrsten Sinne gelebte Musik, eine Aufführung im romantischen Sinne – ehrlich, ohne übertriebenen Pathos, authentisch und transparent. Der Meisterdirigent kitzelt aus den Musikern sämtliche Stimmungen und Klangfarben heraus, lässt das Orchester anschwellen, um es dann sofort wieder in feine Piani zurückzunehmen. In den Forti entlockt der Maestro dem SOB herrlichsten Vollklang. Besonders hervorheben möchte ich hier nebst den fantastischen Bläsern auch den präzisen jungen Mann an der Pauke.

Nach dem fulminanten Ende verharrt der Dirigent sekundenlang in der Schlusspose, findet dabei aus Bruckners musikalischer Welt zurück in den Konzertsaal, wo er zusammen mit dem Orchester sichtlich berührt jubelnden Applaus und eine hoch verdiente Standing Ovation des Publikums entgegennehmen darf.

 Michael Hug

 

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