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Basel: Stadtcasino Basel – Sinfonieorchester Basel (SOB) – «Spätwerk» – Oliver Schnyder (Klavier) – Michail Jurowski (Leitung)

19.11.2021 | Konzert/Liederabende

Basel: Stadtcasino Basel – Sinfonieorchester Basel (SOB) – «Spätwerk» – Oliver Schnyder (Klavier) – Michail Jurowski (Leitung)

 – 17./18.11.2021 – besuchtes Konzert 17.11.2021

Es ist wieder einmal ein Abend der grossen Namen in Basel angesagt: Die Komponisten Beethoven und Schostakowitsch auf dem Notenpult, Pianist Oliver Schnyder und Maestro Michail Jurowski auf dem Podium! Ein vielversprechendes Programm, welchem das Basler Konzertpublikum mit Spannung entgegenfiebert und auch zahlreich erscheint. Mit dabei auch Schulklassen, welche offenbar von ihren Lehrpersonen im Vorfeld nur unzureichend auf einen Konzertabend vorbereitet wurden und deshalb – besonders bei Beethovens Klavierkonzert – mit Getuschel und klingelnden Mobiltelefonen für ein Klangerlebnis der unerfreulichen Art sorgen. Eine verantwortliche Lehrkraft? Fehlanzeige.

Kraftvoll und dynamisch eröffnet das Sinfonieorchester Basel das «Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5, Es-Dur, Emperor Concerto, op.73» von Ludwig van Beethoven. Der Schweizer Pianist Oliver Schnyder setzt mit Leichtigkeit und Fluss ein und stellt seine technische Brillanz unter Beweis. Während Maestro Michail Jurowski mit wenigen Bewegungen aus dem SOB differenzierten und fein phrasierten Orchesterklang zaubert, setzt der Solist weitgehend verstärkt auf pianistische Technik und weniger auf Emotionalität. Das kommt beim zarten fliessenden Übergang vom zweiten in den dritten Satz besonders stark zum Tragen. Erschwerend kommt noch dazu, dass der Flügel während der Aufführung geschlossen bleibt, was zu einigen akustischen Verwischungen führt.

«Ich bin seiner Musik sehr nahe, weil ich weit mehr als die Partitur vor mir habe», sagt Maestro Michail Jurowski im hoch interessanten Interview im Programmheft über seinen Bezug zu Dmitri Schostakowitsch. Den ersten Kontakt mit dem grossen Komponisten hatte Jurowski bereits in seinen Kindertagen. In seiner Familie reichten sich damals die Künstler die Türklinke. Zwischen Jurowskis Vater – ebenfalls Komponist – und Schostakowitsch bestand eine besonders enge Beziehung, seit sich die beiden im zweiten Weltkrieg kennengelernt und zusammen nach Kuibyschew (heutiges Samara) evakuiert wurden. Diese Verbundenheit wuchs in dem jungen Michail weiter, der heuer 75jährig in Basel die «Sinfonie Nr. l 15, A-Dur, op. 141 (1971)» zur Aufführung bringt.

«In dieser letzten Sinfonie nahm Schostakowitsch nicht nur Abschied vom Leben, sondern genauso von der musikalischen Welt, die er so sehr geliebt hat», so Jurowski im Programmheft. Wir treffen in diesem Werk also auf (musikalische) Momente, welche das Leben des Komponisten besonders geprägt haben, so zum Beispiel die Erinnerung an die Blaskapelle im Stadtpark, welche Rossinis Ouvertüre zu «Wilhelm Tell» mit vielen falschen Tönen zum besten gab. Weltabschied erklingt mit Zitaten aus Wagners «Götterdämmerung» und «Tristan und Isolde» im letzten Satz. Zu Schostakowitschs 15. hat der Maestro ein ganz besonderes Verhältnis, durfte er doch die Proben zur Uraufführung, welche 1971/72 stattfanden, als Assistent seines Lehrers Gennadi Roschdestwenski begleiten. Kurz: Wenn einer diese Sinfonie verstehen und interpretieren kann, dann ist das Michail Jurowski. Den Beweis dafür liefert er mit einer ergreifenden Aufführung mit dem Sinfonieorchester Basel, welches mit gewaltiger Leidenschaft und äusserster Sensibilität musiziert. Dabei verdienen der Solo-Cellist, der Solo-Violonist sowie die feierlich aufspielenden Blechbläser besonderes Lob!

Grosser Applaus für einen grossen, anspruchsvollen, beeindruckenden Musikabend.

Michael Hug

 

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