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BASEL: SOMMERGALA 2015 – Ballettschule Theater Basel

15.06.2015 | Ballett/Tanz

Basel: Theater Basel – Grosse Bühne – Ballettschule Theater Basel (BTB): „Sommergala 2015“– Besuchte Aufführung 14.06.2015

 Wie schon in den vergangenen Jahren erweist sich auch heuer die Gala der Ballettschule Theater Basel (BTB) unter der bewährten Leitung von Amanda Bennett, Julie Christie Wherlock und Founding Partner Fred P. Feldpausch als strahlendes Juwel im Basler Theaterkalender.

 Mit „Matrosen und Majoretten“, choreographiert von Julie Christie Wherlock zur Musik von John Philip Sousa. Traditionsgemäss kommen in dieser gross angelegten ersten Nummer auch die kleinsten der Kleinen zu ihrem wohl ersten grossen Bühnenauftritt und präsentieren voller Stolz und Freude ihr natürlich noch kleines Bewegungsrepertoire. Es fällt auf, wie sorgfältig an der BTB mit den Kindern gearbeitet wird.

 Solistisch gefallen im ersten Teil die spitzen Spitzentänzerin Alicia Gouveia, der leichtfüssige und zugleich hoch springende Rodrigo Pinto in der Variation aus „Paquita“ bzw. „La Sylphide“.

 Elegant klassisch präsentiert sich Guido Sarnataro in der Variation aus „Coppélia“. In „A Solo for Diego“ (Musik aus der Feder von Mikis Theodorakis), welches Richard Wherlock dem jungen Talent eigens auf den Leib schrieb, stellt Nachwuchstänzer Sarnataro seine Fähigkeiten zum Charaktertanz später erneut unter Beweis. Ein vielseitig einsetzbarer Prinz ist dieser junge Tausendsassa! Klasse!

 In der „Pizzicato Polka“ von Johann Strauss zeigen Fine Degen, Lia Filipuzzi, Leonie Hansen und Lea Welker, dass sie auf dem besten Wege sind die hohe Kunst des Spitzentanzes ausgezeichnet zu erlernen. Fernando Noto, der elegante Hahn im Korb, zeigt dabei, dass auch er sich zu einem guten Springer entwickeln möchte.

 Leicht und schwebend gelingt Clara Imhof, Giulia Leonardi, Ines Da Silva Matos, Rosario De Lima Mayer, Iza Dietner, Chiara Mastroianni, Isabella Moretto, Rebecca Olarescu und Anna Van Haaren Adolphe Adams „La Filleule des Fées“.

 Mit einem grossen modernen Bewegungsrepertoire und grandiosem Ausdruck beweist Pauline Richard ihr grosses Modern-Talent in der von Richard Wherlock choreographierten Variation aus „Le Sacre du printemps“.

 Vor der ersten Pause zeigen die Paare Amyra Badro/Rodrigo Pinto, Mar Escoda Llorens/Misha Hall, Valentina Voci/Tamaz Golub, Alicia Gouveia/Rory Ferguson und Madison Devietti/Nikita Zdaravkovic Ausschnitte aus Balanchines „Who Cares?“ und wissen technisch gut zu gefallen.

 Nach einer kurzen Pause folgt ein Ausflug in die Vergangenheit und zwar in die unvergessene Spoerli-Aera: Die BTB präsentiert eine Kurzfassung von „La Fille mal gardée“, ein Grosserfolg des langjährigen Basler Ballettdirektors und Choreograph mit Weltruf Heinz Spoerli. „Fille“ ist übrigens eines der wenigen Werke aus des Meisters Basler Zeit, das auf DVD mit dem Basler Ballett erhältlich ist. Ein Genuss, der mit so illustren Namen wie Martin Schläpfer, Valentina Kozlova und Chris Jensen aufwartet. Und eben Chris Jensen hat zusammen mit Amanda Bennett mit der BTB eine Art Zusammenfassung von Spoerlis Meisterchoreographie einstudiert. Ein zauberhafter Ausflug in die „goldenen Jahre“ der Basler Ballett-Geschichte, von Mar Escoda Lorens und Rodrigo Pinto in den Hauptpartien sowohl darstellerisch als auch technisch äusserst professionell umgesetzt. In den Ensembleszenen beweisen sich die Herren als zuverlässige Partner bei Pirouetten, Sprüngen und Hebungen.

 Nach der zweiten „langen“ Pause wagt sich die BTB an eines der besten und schwierigsten Stücke von Richard Wherlock überhaupt: den „Bolero“. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer wachsen in diesem Stück über sich hinaus und meistern die höchst anspruchsvolle Choreographie mit absoluter Harmonie und Synchronität. Pauline Richard und Nikita Zdravkovic im „grossen Part“ bieten Ausdrucksstärke sowie technische Brillanz – von einer „Schüleraufführung“ kann da bei weitem nicht mehr die Rede sein. Bleibt zu hoffen, dass auch der „Bolero“ Eingang ins Repertoire der BTB findet. Das Resultat: nicht enden wollender Applaus und Standing Ovation! Wir haben an diesem Abend etwas einmalig Einmaliges erlebt!

 Ergriffen tritt Amanda Bennett mit dem Mikrofon an die Rampe und kündigt den Choreographen an, den man in Basel nicht mehr vorstellen muss: Heinz Spoerli. Dieser betritt eilig die Bühne, übergibt Amanda mit Händedruck und Küsschen ein Couvert und stellt sich zu den Tänzerinnen und Tänzern. Wer den Zusatzzettel im Programm gelesen hat, weiss, was da nun passiert: Die „Foundation Heinz Spoerli“ verleiht eine mit 20’000 Franken dotierte Auszeichnung an Amanda Bennett für ihre herausragenden Leistungen um die Ballettschule Theater Basel. Diese Auszeichnung wird Amanda Bennett besonders viel bedeuten, prägte sie doch während Heinz Spoerlis erfolgreicher Zeit am Theater Basel während 11 Jahren als Tänzerin erfolgreich das damalige Basler Ballett, bevor sie in die Ballettschule wechselte und sie in den vergangenen Jahren zu dem machte, was sie heute ist: eine der prominenten Ballettschulen mit grosser internationaler Bedeutung und Ausstrahlung. Schade nur, dass sich niemand fand – auch Heinz Spoerli nicht -, der „on Stage“ mit ein paar persönlichen Worten die grossartigen Leistungen dieser fantastischen Ballettpersönlichkeit Amanda Bennett würdigt.

 Mit der Sommergala 2015 zeigt die BTB deutlich, dass auch mit dem Basler Ballettnachwuchs zu rechnen ist. Bestens organisiert, von herausragenden (Ballett-)Pädagogen unterrichtet und betreut, gelangen die Schülerinnen und Schüler der BTB an das „Rüstzeug“, das ihnen Tür und Tor in der internationalen Welt des Ballett öffnen wird. Nebst ausgezeichneter Technik bringen die jungen Leuten bereits einen breitgefächerten Erfahrungsschatz mit unterschiedlichen Choreographen mit. – Gespannt freuen wir uns auf die Aufführungen der BTB in der kommenden Spielzeit!

 Michael Hug

 

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