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BASEL: SAINT FRANCOISE D’ASSISE von Olivier Messiaen/Oscar Strasnoy

Starkstrom auf der Bühne

19.10.2020 | Oper international

Olivier Messiaen/Oscar Strasnoy: Saint François d’Assise, Theater Basel Vorstellung: 18.10.2020

(2. Vorstellung seit der Premiere am 15.10.2020)

Starkstrom auf der Bühne

Benedikt von Peter beginnt seine Intendanz am Theater im Bereich Musiktheater mit einem fulminanten Erfolg. Der Hausherr selbst hat bei Messiaens einziger Oper Regie geführt und verlegt die Handlung ins Hier und Jetzt. Márton Ágh hat ihm dazu eine «Raumbühne» geschaffen, die das Publikum nicht Teil des Geschehens werden lässt, denn eine Gemeinschaft, die an dem Schicksal des François teilhat, lässt sich nicht nur durch das Teilen des Raums erzeugen: Wohl aber wird durch das Ineinandergreifen von Bühne und Zuschauerraum wie auch das auf Bühnenhöhe positionierte Orchester eine ungewohnte Nähe zwischen Zuschauern und Künstlern geschaffen. Starkstrommasten und -Leitungen, ein Bootswrack und ein zerstörter Supermarkt, durchaus auch grell beleuchtet (hervorragendes Lichtdesign von Tamás Bányai), statt Heiligenbildern und Stimmungslicht geben den szenischen Rahmen ab. Es ist eine Endzeit, Franziskus und die Brüder sind Überlebende einer Apokalypse (Kostüme ebenfalls von Márton Ágh) und nicht Bettler, wie jene mit denen Basel im Moment zu kämpfen hat. Menschen am Rande der Gesellschaft, in Extremsituationen sind zu den gleichen Gefühlen und Entscheidungen fähig wie der «normale Mensch», der Zuschauer.


Foto © Ingo Hoehn

Mit einer Sondergenehmigung der Messiaen Fondation hat der französische Komponist Oscar Strasnoy für die Basler Aufführung im Auftrag des Theaters eine reduzierte Orchesterfassung erstellt. Strasnoy studierte bei zwei Meistern der Orchestrierung: Gérard Grisey, einem Schüler Messiaens und Hans Zender, einem bedeutenden Interpreten von Messiaens Musik. Es ging, so Strasnoy im Programmheft, darum, unter Wahrung der Proportionen einen ausgewachsenen Baum in einen Bonsai zu verwandeln: das Orchester war um zwei Drittel (von 100 auf 40 Musiker) zu verkleinern und dabei das Gleichgewicht der Orchestergruppen zu erhalten.


Foto © Ingo Hoehn

Das Sinfonieorchester Basel unter Clemens Heil und der Chor des Theater Basel (Chordirektor: Michael Clark) absolvieren ihre Aufgabe schlicht bravourös! So wird Messiaens Werk, seine Musik, auch in reduzierte Fassung zum für den, was die Musik des 20. Jahrhunderts angeht, Laien bewegenden Erlebnis.

Foto © Ingo Hoehn

Nathan Berg ist als Saint François praktisch den ganzen, 3’40 langen Abend auf der Bühne und verleiht dem Heiligen mit seinem warmen Bariton und grosser Bühnenpräsenz scharfes Profil. Álfheiður Erla Guðmundsdóttir als Engel und Rolf Romei als der Leprakranke agieren mit Berg absolut auf Augenhöhe. Jason Cox als Bruder Léon, Paul Curievici als Bruder Massée, Karl-Heinz Brandt als Bruder Elie, Andrew Murphy als Bruder Bernard, Paull-Anthony Keightley als Bruder Sylvestre und Kyu Choi als Bruder Rufin fügen sich als Franziskus nahtlos in die grandiose Ensemble-Leistung ein.

Eine grandiose Ensemble-Leistung und ein bewegender Theaterabend!

Weitere Aufführungen:

21.10.2020, Grosse Bühne, 19:00–22:40;24.10.2020, Grosse Bühne, 19:00–22:40;

26.10.2020, Grosse Bühne, 19:00–22:40;28.10.2020, Grosse Bühne, 19:00–22:40;

30.10.2020, Grosse Bühne, 19:00–22:40;01.11.2020, Grosse Bühne, 16:00–19:40;

06.11.2020, Grosse Bühne, 19:00–22:40;08.11.2020, Grosse Bühne, 18:00–21:40.

19.10.2020, Jan Krobot/Zürich

 

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