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BASEL/ Musical-Theater: SINFONIEKONZERT SINFONIEORCHESTER BASEL: CARMENS SPIEL. Pacho Flores (Trompete), Michal Nesterowicz (Leitung)  

28.06.2019 | Konzert/Liederabende

Basel: Musical Theater – Sinfoniekonzert SOB: «Carmens Spiel» – Sinfonieorchester Basel (SOB), Pacho Flores (Trompete), Michal Nesterowicz, Leitung  – 26.06.19 (besuchtes Konzert) und 27.06.19


Foto: Michael Hug

Wer lange im voraus plant, ist dennoch nicht vor Überraschungen gefeit. So geschehen beim jüngsten Konzertabend des Sinfonieorchesters Basel (SOB) als die ursprünglich vorgesehene Akkordeonistin Ksenija Sidorova wegen Familienzuwachses ihren Auftritt in Basel absagen musste. Für würdigen Ersatz haben die Verantwortlichen des SOB auch innert kürzester Frist gesorgt.

Der vielseitige venezolanische Trompeter Pacho Flores springt mit einem sehr attraktiven Programm ein. Der Trompeter, der sowohl in der klassischen als auch in der modernen Musik und im Jazz ein Meister seines Fachs ist, eröffnet den Abend mit Joseph Haydns «Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur, Hob VIIe:1 (1796)». Er spielt technisch brillant und verleiht dem Konzert viel strahlenden Glanz. Fein arbeitet der Solist die einzelnen Stimmungen des Werkes heraus. Besonders zart und gefühlvoll gerät der zweite Satz. Strahlender Höhepunkt ist zweifelsohne der berühmte dritte Satz, in welchem Flores die Höhen mit unglaublicher Leichtigkeit meistert. Auch hier setzt der Solist nicht auf klangliche Strahlkraft seines Instruments, sondern auf musikalische Sensibilität. Bei der Coda im ersten Satz lässt Pacho Flores auf witzige Art und Weise seine Affinität zum Jazz durchblitzen. Das Sinfonieorchester Basel unter der bewährten Leitung von Michal Nesterowicz ergänzt den Solisten wunderbar, so entsteht erneut ein wunderbar abgestimmtes, lebhaftes musikalisches Gesamtbild.

So quasi als Kontrapunkt spielt Pacho Flores Christian Lindbergs «Akbank Bunka (2004)», ein gross angelegtes Werk für Trompete und Orchester, welches sowohl vom Solisten als auch vom Orchester äusserste Präzision verlangt und somit sehr anspruchsvoll aufzuführen ist. Man hört sagen, die Interpretation von Pacho Flores sei die vom Komponisten favorisierte. Das versteht jeder, der diesen Musiker in diesem Werk erlebt hat.

Als Zugabe jazzt Pacho Flores mit dem SOB-Trompeter Marc Ulrich, welcher nach 42 Jahren in den wohlverdienten (Un-)Ruhestand tritt, um die Wette.

Das Konzert und damit auch die Saison beschliesst das SOB mit der «Sinfonie Nr. 5 e-Moll, op. 64 (1888)» von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Michal Nesterowicz, welcher das Werk auswendig dirigiert, hat mit dem Orchester eine ausdrucksstarke Interpretation erarbeitet. Leidenschaft und Emotion werden dabei differenziert und ohne übertriebenen Pathos übermittelt. Atemberaubend gelingt das Hornsolo zu Beginn des zweiten Satzes. Zart, mit grösster Feinheit von den Streichern begleitet, tritt das Horn in den Dialog mit den Holzbläsern. Auf den elegant-schwungvollen dritten Satz folgt mit dem vierten Satz das rauschende Finale.

Auch im letzten Konzert dieser Saison zieht das Sinfonieorchester Basel sämtliche Register seiner grossen Kunst. Mit grosser Vorfreude auf die kommende Saison verabschieden sich Orchester und Dirigent mit diesem gelungenen, umjubelten Saisonfinale in die Sommerpause.

 Michael Hug

 

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