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BASEL: LA FORZA DEL DESTINO – „Es steht geschrieben“. Premiere

24.10.2016 | Oper

Basel: „LA FORZA DEL DESTINO“ Giuseppe Verdi 
Premiere 22. Oktober 2016

forza

© Sandra Then     Elena Stikhina    Chor Theater Basel

„ES STEHT GESCHRIEBEN!“ Unter diesem Motto bringt Sebastian Baumgarten „LA FORZA DEL DESTINO“ von Giuseppe Verdi auf die Bühne des Theater Basel. Für seine erste Inszenierung einer Verdi-Oper verwendet Baumgarten die zweite Fassung (UA: Mailand 1869). Das oben erwähnte Motto gilt auch für die Werktreue, welche für den Regisseur bei aller Modernität wichtig ist.
In keinem Werk Verdis ist die Nachvollziehbarkeit der Handlung so schwierig. Baumgarten erleichtert das Verständnis des Dramas mit seiner Regie ungemein. Er setzt dafür viele visuelle Elemente moderner Kommunikation ein. Die Videoproduktion von Chris Kondek ist eindrücklich, genauso wie die Text-Begleitung des Vorspiels: „es steht geschrieben“. Dazu kommt das eindrückliche Lichtdesign von Guido Hölzer, plus die spannende Lichtführung, welche durch alle vier Akte konsequent beibehalten wird. Die Personenregie von Sebastian Baumgarten ist zielführend, auch wenn in den Massenszenen (Statisterie des Theater Basel) ein scheinbares Chaos herrscht. Dieses „Chaos“ unterstreicht die Auffassung des Regisseurs, dass Schicksal nicht unbedingt Vorbestimmung (Determinismus) bedeutet, sondern auch den Zustand einer nicht zu bestimmenden heterogenen Mehrheit darstellen kann. Baumgarten führte in einem Interview (Programmheft Theater Basel) aus, dass Verdi in gewisser Weise utopisch darstellt, was wir in der heutigen Gesellschaft erleben: Krieg, Fanatismus und Rache, sozioökonomische Unterschiede u a m.

Unter der Stabführung des in Riga geborenen Dirigenten Ainars Rubikis läuft das Sinfonieorchester Basel zur Hochform auf und interpretiert die Musik von La Forza werkgetreu und mit viel Gefühl.

Der Chor und Extrachor des Theater Basel unter der Leitung von Henryk Polus singt wie immer hervorragend dynamisch und mit klarer Diktion.
Als Don Carlos di Calatrava steht der russische Bariton Vladislav Sulimski auf der Basler Bühne. Nach seinem Basler Macbeth überraschte seine superbe Leistung sowohl im Gesang als auch schauspielerisch nicht. Der südamerikanische Tenor Aquiles Machado überzeugte als Don Alvaro. Auch er intonierte klar mit guter Diktion, und seine Rolleninterpretation als Liebender, als Soldat und als Mönch überzeugte ebenso wie sein Auftritt im letzten Akt als siegreicher? Duellant in der Mönchskutte.

Glanzvoll vorgetragen sind die Duette Don Alvaro/Don Carlo Di Varga im dritten und vierten Akt. Für mich sind diese Duette neben dem hervorragend interpretierten Vorspiel die absoluten Höhepunkte in dieser Inszenierung.

Als Leonora di Vargas debütierte die junge, russische Sopranistin Elena Stikhina hier in Basel. Stikhina ist mit einer grossen, glasklaren Stimme gesegnet, welche auch in den Höhen nicht bricht und zu falschem Vibrato (Tremolo) verführt. Ihre Melodieführung ist hervorragend, ihre Diktion gut. Nicht so überzeugend ist ihre Körpersprache, ihre Schauspielkunst auf der Bühne. Dazu kommt, dass meiner Meinung nach, ihre musikalische Interpretation der Rolle nicht optimal ist. Verdis Leonora ist keine wagnerianische Heroine, sondern eine zerrissene Sucherin. Mir scheint, dass Elena Stikhina eher ihre unbestrittene Gesangskunst in den  Vordergrund stellt. Dabei gerät eine optimal Rolleninterpretation in den Hintergrund.
Den Marchese die Calatrava gab der Bass Pavel Kudinov. Als Fra Melitone überzeugte Andrew Murphy durch seine musikalische Interpretation und seine herausragende Leistung als Schauspieler. Eher farblos dargestellt war die Figur von Padre Guardiano, gesungen durch Evgeny Stavinsky. Das Basler Ensemblemitglied Karl-Heinz Brandt als Hausierer Mastro Trabucco überzeugte wie immer mit seinem Gesang und seinen schauspielerischen Fähigkeiten.. In weiteren Rollen waren zu hören:

Anaik Morel als überzeugende Zigeunerin Preziosilla, Maren Favela als eher farblose Kammerzofe Curra, Vivian Zatta als Alcade und Vahan Markaryan als Chirurg.
Das Bühnenbild entwarf Barbara Ehnes, für die Kostüme war Marysol del Castillo verantwortlich.
Die Massenauftritte des Chores und der Statisten wurden durch den Choreografen Kinsun Chan organisiert und einstudiert. Pavel B. Jiracek zeichnet für die Dramaturgie verantwortlich. Dies ist bei diesem Werk Verdis keine einfache Aufgabe.

Das zahlreich erschienene Premierenpublikum belohnte die Leistung des Teams mit verdientem Applaus, diesmal dank der reifen Leistung des Dirigenten Ainars Rubikis und der Regie Sebastian Baumgartens ohne „Buh’s“

Peter Heuberger, Basel

 

 

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