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BASEL / Kleine Bühne: „GOLDRAUSCH“ von Guillermo Calderon. Premiere

15.01.2017 | Theater

Theater Basel, kleine Bühne: „GOLDRAUSCH“ von Guillermo Calderon
Premiere: 12. Januar 2017

bas
 Vincent Glander, Ingo Tomi, Inga Eickemeier, Leonie Merlin Young, Orlando Klaus   ©Simon Hallström

Das Theater Basel bringt ein Werk des lateinamerikanischen Schriftsteller/Regisseurs Guillermo Calderon als Welt-Uraufführung auf die Bühne. Goldrausch ist die Geschichte um den Emigranten (Flüchtling/Wirtschaftsflüchtling?) General Sutter. Calderon bediente sich des Romans „GOLD“ von Blaise Cendrars als Vorlage. In Gold erzählt Cendrars die ungeheuerliche Geschichte des Schweizers Johann August Suter aus Rünenberg im Baselland. Der Roman ist so knapp und verdichtet geschrieben, dass er bereits wie die Zusammenfassung eines Romans wirkt. Calderon zeigt auf einem Filmset die Rückkehr des verarmten Protagonisten und erzählte so die Geschichte, wie im Roman, harten, filmartigen Schnitten. Aber: „Wen interessiert schon ein Film, der 1850 spielt“ (Zitat: Marlene) Daher wird der Film aufgepeppt durch Sexszenen, welche aber immer wieder zu lautstarken Diskussionen unter den Protagonisten führen.

Die Umsetzung des Romans erscheint mir sehr gelungen, die Essenz der Handlung wird dramaturgisch hervorgehoben. Die Charakterisierung Sutters als Despot erlaubt den SchauspielerInnen eine grosse Spannweite im Spiel.

Die Hektik jedoch, welche von der Personenführung, Regie führte in Basel der Autor Guillermo Calderon,  verhindert jedoch in weiten Teilen der Aufführung eine vertiefte Charakterisierung der einzelnen Protagonistinnen und Protagonisten. Die Wutausbrüche der SchauspielerInnen wirken dramaturgisch aufgesetzt und, obgleich hervorragend interpretiert, störend. Die besten Momente erlebt der Zuschauer in den intimen Szenen, welche dann auch sehr stark wirken. Dies auch, weil der Gegensatz zu den hektischen, lauten Szenen so gross ist. Unverständlich für mich sind die musikalischen Gesangseinlagen (Gitarre/Moderation Ana Castano Almendral), welche die Schnitte, Filmschnitte darstellen. Weniger Hektik, „Langsam“, wie der Filmregisseur immer wieder betont, wäre mehr und würde eine reflektierte Charakterisierung erlauben.

Ein Highlight ist der Schluss vor dem Vorhang: Bei der Preisverleihung für den Film Goldrausch bitten die SchauspielerInnen, dass das Publikum doch die verfolgten Amerikaner, welche unter einem faschistischen Regime leiden, als Flüchtlinge aufzunehmen. Damit sind wir im Jahr 2017 angelangt.

Die Leistung des Ensembles auf der Bühne ist ansprechend. Die Diktion hervorragend, dies vor allem in den leisen/intimen Szenen. Greta, die Schauspielerin wird hervorragend interpretiert von Inga Eickemeier. Ihre Verletzlichkeit ist förmlich spürbar, dies vor allem auch wegen der subtilen Körpersprache, welche optimal mit dem Text einhergeht. Dasselbe gilt im gleichen Mass für Marlene, das Modell, gespielt von
Leonie Merlin Young. Orlando Klaus in der Rolle als Schauspieler überzeugt wesentlich mehr als sein Gegenspieler Vincent Glander, Erik, das männliche Modell. Etwas farblos gespielt von Ingo Tomi erscheint mir die zentrale Rolle von Oskar, der Regisseur.
Für die Bühne und die Kostüme verantwortlich war Anna Sophia Röpcke. 

Gesamthaft darf man feststellen, dass dem Team im Theater Basel (Intendanz: Andreas Beck) eine ansprechende Leistung gelungen ist. Dabei ist anzumerken, dass das Stück nur eine Anlehnung an Blaise Cendrars Gold ist, aber eine gelungene Dramatisierung (Dramaturgie: Almut Wagner) darstellt.

Das Premierenpublikum verdankte den gelungenen Theaterabend mit verdientem Applaus.

Peter Heuberger, Basel

 

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