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BASEL/ Kleine Bühne: TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN von Arthur Miller

24.01.2014 | KRITIKEN, Theater

Basel: Kleine Bühne – Arthur Miller: „Tod eines Handlungsreisenden“ – Premiere 24.01.2014

 Es braucht keine grosse Bühne für eine grossen Theaterabend: Das Theater Basel beweist dies mit seiner mittlerweile zweitjüngsten Schauspielproduktion („Bluthochzeit“ ist ein Tag jünger) „Tod eines Handlungsreisenden“ auf eindrückliche Art und Weise. Die Premiere ist bis unters Dach ausverkauft, zwei Lehrer haben zudem ihre Klassen zu Millers Drama verdonnert – gespannt und mit hohen Erwartungen an das, was da nun kommen möge, strömen sie in das „kleine Haus“ – sie sollen nicht enttäuscht werden! Mit dieser Aufführung schafft Regisseurin Barbara-David Brüesch zusammen mit Kostümbildnerin Heidi Walter und Bühnenbildner Damian Hitz den Spagat zwischen anspruchsvollem Theater und nachvollziehbarer Handlung – sie wird damit sicher einige der jungen – und älteren – Zuschauer – erneut – fürs Theater bzw. Schauspiel gewonnen haben. Unterstützt durch die grossartige Beleuchtung durch HEIDVOEGELIN LIGHTS schafft die Regisseurin die Vermischung der realen Handlung mit den Rückblenden bzw. Willy Lomans Traumwelt nahtlos und zeigt so eindrücklich, wie nah – und ach so fern – Wirklichkeit und Traum, Vergangenheit und Gegenwart sich doch sind. Auch auf ausgezeichnete Schauspielleistungen darf Frau Brüesch zählen. Dirk Glodde lebt sich in fast schon beängstigend intensiv in den alternden, mittlerweile erfolglosen Handlungsreisenden, den seine langgehegten Lebenslügen einholen und letztendlich in den Selbstmord treiben, hinein. Es ist unglaublich, wie dieser grossartige Schauspieler Loman kaum spürbar zwischen der realen und der Wunschwelt hin- und herswitchen lässt. Ihm als loyale, liebende Ehefrau Linda zur Seite: Chantal Le Moign. Sie berührt in ihrem Kampfgeist um ihren Willy und in ihrer Trauer um das, was aus ihm geworden ist. Lorenz Nufer gefällt als schürzenjagender, aber von den Eltern wenig beachteter Sohn Happy, Manuel Bürgin kämpft zwischendurch fast etwas zu lautstark mit seinem inneren Gefühlskonflikt gegenüber seinem Vater. Als „Frau“ mischt Joanna Kapsch gefällig die Herren Loman auf, Heiko Pinkowski im eigentlich einzigen komischen Part des Stücks füllt die Rolle des Nachbarn Charley mit viel gelungenem Schalk bestens aus. In gleich zwei Rollen gefällt Silvester von Hösslin – nämlich als Bernard, der sich regelmässig bei seinen Abgängen die Tür, welche sich in die falsche Richtung öffnet, an den Kopf schlägt und als Willy Lomans Chef, der seinen langjährigen, mit seiner Familie engverbundenen Handelsreisenden eiskalt vor die Türe setzt. Allgegenwärtig der lauernde Tod in Person von Onkel Ben – unheimlich verführerisch, beissend ironisch, meisterlich dargestellt von Florian Müller-Morungen. Am Schluss der Aufführung lange anhaltender Applaus mit vielen Bravos, zwei zufriedene Klassen sowie zwei ebenso zufriedene begleitende Lehrer, welche den Abend sicher noch mit weiteren Klassen besuchen werden. Das werde ich auch – einfach ohne Klassen …

 

   Michael Hug

 

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