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BADEN/ Weikersdorfer Schlosskonzerte: FALSTAFF , MACBETH, OTELLO. Wie macht man ohne Bühne große Oper?

07.07.2016 | Konzert/Liederabende

Weikersdorfer Schlosskonzerte: FALSTAFF,  MACBETH, OTELLO  – 6.7.2016

Oder: Wie macht man ohne Bühne große Oper?

Ganz einfach. Man nehme die richtigen Sänger und einen Dirigenten, der das Gespür für die Theatralik großer Opernmusik hat…

Im konkreten Fall dirigierte Erich Binder sein kleines Eroica Symphony Orchester (mit Klavier statt Schlagzeug – großartig Pavel Kachnov) so plastisch und effektvoll, dass er das Publikum ganz  nah an das Grauen der Macbeth-Geschichte und an die Abgründe der Otello-Tragödie heranholte und die Urkomik zweier Falstaff-Vertonungen, nämlich die von Nicolai und Verdi/Boito, instrumental zur Geltung brachte. Und die „Stars“ des Merker-Kunstsalons lebten zu ebener Erde vor dem Orchester stehend ihre Rollen mit großen Stimmen und kleinen Gesten so aus, dass sich die Theaterwirkung ganz von selbst einstellte.

Annas Ryan schaffte das Kunststück, als Lady Macbeth in einem enganliegenden knallroten dekolletierten Kleid und mit  triumphierendem Sopran die Macht dieser Teufelin spürbar zu machen, ehe sie sich mit transparent-schwebendem Stimmklang in die Verlorenheit dieser Person hineingleiten ließ. Es waren zwei ganz verschiedene Stimmen. Desgleichen ereignete sich beim Bassisten Apostol Milenkov. Nicolais „Als Büblein klein an der Mutter Brust“ zeigte ihn als Lebensgenießer, der bei jeder Strophe ein Weinglas leerte, auf Anweisung des Maestro vom Publikum (an Chores Statt) mit einem „Bravo“ bedacht wurde, und vokal von ganz tief  bis ganz hoch sowie mit entsprechender Körpersprache für großes Gaudium sorgte,  als Banquo voll böser Ahnungen seine Stimme aber ganz düster zu färben verstand. Der Tenor Daniel Magdal hatte für den Macduff genau die richtige Stimmfärbung – schmerzvoll klagend und mit großer Eindringlichkeitbesang er sein Unglück Teilnahme heischend.

Als Otello und Desdemona gaben sich Ryan und Magdal im Liebesduett weltentrückt ihrem zu kurzen gemeinsamen Glücksempfinden nach erfolgreich geschlagener Schlacht hin – zu schön, um von Dauer sein zu können. Eine so einfache wie wirkungsvolle Idee: Die beiden hatten auf den mehrfach besungenen „bacio“ zugunsten eines verträumten Aneinanderlehnens verzichtet, gingen aber nach dem sanften Ende dieser Musiknummer dezidiert Hand in Hand von der Bühne ab, wohl um im stillen Kämmerlein ihr Glück auch körperlich auszuleben…Unglaublich verinnerlicht sang Anna Ryan Desdemonas Gebet und Daniel Magdal mitvolltönender Verzweiflung wunderschön Otellos Tod. Die Spannweite all dieser Künstler zwischen solch extremen Empfindungen war bewundernswert. Dazwischen konnte der Bariton  Russi Nikoff hochexpressiv in Mimik und Stimme das böse Credo des Jago Klang werden lassen, kulminierend in diabolischem Gelächter. Zum Abschluss delektierten sich Apostol Milenkov und Russi Nikoff sowie das Publikum an der Szene Falstaff-Ford, beginnend mit der formellen Begrüßung, fortsetzend mit der eitlen Selbstdarstellung des Sir John als großer Frauenheld und dem Wutausbruch des geprellten Ford, endend nach mehrfachen „prima voi“-Aufforderungen im gemeinsamen Abgang durch den Mittelgang des Zuschauer-Bereichs. Zwischen Todeswonnegrauen von Verdis Gnaden, munterer Nicolai’scher Melodik und Shakespeare’scher Meisterdramatik bewegte sich dieser Abend zur vollen Befriedigung eines Publikums, dessen Erwartungen aufgrund der großen Autorennamen hoch gesteckt waren.Launige Kommentare von Elena Habermann zu den Dramen und ein angenehm kühler Sommerabend erhöhten das Vergnügen!

Sieglinde Pfabigan

 

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