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BADEN / Bühne: DIE GESCHIEDENE FRAU von Leo Fall

Operetten-Rarität

11.02.2019 | Operette/Musical

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Maya Boog als Jana und Matjaž Stopinšek als Karel (Copyright: Christian Husar)

 

Operetten-Rarität in Baden: „Die geschiedene Frau“ von Leo Fall (Vorstellung: 10. 2. 2019)

 

Die Operetten-Metropole Baden zeigt wieder einmal im Stadttheater eine echte Rarität: „Die geschiedene Frau“ von Leo Fall. Diese musikalisch-satirische Operette, die die Freiheit und Gefangenschaft der Ehe auf humorvolle Art aufs Korn nimmt, hatte ihre Uraufführung am 23. Dezember 1908 im Wiener Carltheater (mit Hubert Marischka als Karel).

Dass die Wiener Gesellschaft der damaligen Zeit manches in dieser Operette für zu frivol empfinden könnte, wie beispielsweise das Lied von der freien Liebe, war möglicherweise mit ein Grund, warum man die Handlung im liberalen Amsterdam spielen lässt. Jedenfalls war die Operette von Leo Fall so erfolgreich, dass sie 227 Aufführungen in Serie hatte und am 11. Dezember 1909 das Jubiläum der 250. Vorstellung gefeiert wurde. Auch in Berlin hatte das Werk ein Jahr später den gleichen Erfolg.

Die Handlung der Operette in drei Akten, deren Libretto von Victor Léon stammt, in Kurzfassung: Die eifersüchtige Jana von Lysseweghe will sich scheiden lassen. Ihr Mann Karel hat unabsichtlich eine Nacht im Schlafcoupé mit der jungen Gonda van der Loo verbracht, der er sein Abteil aus Platznot zur Verfügung gestellt hat. – Karel beteuert seine Unschuld. Als aber im Prozess bekannt wird, dass Gonda Anhängerin der freien Liebe ist, glaubt man Karels Verteidigungsversuchen nicht mehr. Die Ehe wird geschieden. – Nach vielen amourösen Verwicklungen, in die auch der Gerichtspräsident Lucas van Deesteldonck und Janas Vater Pieter te Bakkenskjil verstrickt sind, kommt es schließlich doch noch zur Wiederversöhnung zwischen Jana und Karel.

Der südafrikanische Regisseur Leonard Prinsloo, der auch für die Bearbeitung des Textes verantwortlich zeichnete, schuf eine komödiantische Inszenierung, die leider etliche Male in Klamauk abdriftete, wie beispielsweise im ersten Akt, der in einem Gerichtssaal spielt. Die oft schräg-witzige Handlung verstärkte noch die Bühnenbildnerin Su Pitzek, deren Ausstattung sich durch schräge Fenster und schiefe Betten auszeichnete. Elegant hingegen die Kostüme, die Mareile von Stritzky entwarf, wobei aber auch der Humor nicht zu kurz kam.

Exzellent die Besetzung der drei Hauptrollen: In der Titelrolle brillierte die Schweizer Sopranistin Maya Boog, die sowohl darstellerisch wie stimmlich als eifersüchtige Jana überzeugte. Ihr in jeder Hinsicht ebenbürtig die aus Graz stammende Mezzosopranistin Martha Hirschmann in der Rolle koketten Gonda van der Loo. Sie trat überzeugend für die freie Liebe ein und zeigte sich in jeder Szene als verführerische Frau.

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Der  Gerichtspräsident (Artur Ortens) wirbt um die Gunst von Gonda van der Loo (Martha Hirschmann) Copyright: Christian Husar

Dass sich Karel von Lyssweghe – vom slowenischen Tenor Matjaž Stopinšek gleichfalls überzeugend gespielt und blendend gesungen – zwischen den beiden Frauen hin und her gerissen fühlte, konnte man nachempfinden. Der Grazer Schauspieler und Sänger Artur Ortens hatte in der Rolle des Gerichtspräsidenten Lucas van Deesteldonck seinen stärksten Auftritt in der Gerichtsverhandlung und durfte sich am Schluss über eine legale Verbindung mit Gonda van der Loo freuen.

Komödiantisch auch der Wiener Peter Horak als Janas Vater Pieter te Bakkenskjil, der als Chef der Schlafwagengesellschaft ebenfalls im Nachtzug ein kleines Abenteuer mit Adeline, der Braut des Schlafwagenschaffners, hatte. Adeline wurde von Gabriele Kridl, der Schlafwagenschaffner von Robert R. Herzl gespielt, der allerdings in vielen Szenen zu stark outrierte und dadurch oftmals bloß lächerlich wirkte. 

Das Ballett der Bühne Baden konnte in der Choreographie von Regisseur Leonard Prinsloo seine tänzerischen Qualitäten einige Male unter Beweis stellen. Das Orchester der Bühne Baden gab unter der Leitung von Oliver Ostermann die ins Ohr gehenden Melodien von Leo Fall auf treffliche Weise zum Besten. Zu den musikalischen Höhepunkten zählten das Marsch-Quintett Ich und du und Müllers Kuh, der mitreißende Tanzwalzer Kind, du kannst tanzen und das Duett Man steigt nach.

Das begeisterte Publikum, das immer wieder die Akteure mit Szenenbeifall belohnte, zollte am Schluss der Vorstellung allen Mitwirkenden minutenlang frenetischen Applaus.

 

Udo Pacolt

 

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