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BADEN-BADEN: SÄCHSISCHE STAATSKAPELLE- THIELEMANN / GERHAHER

24.05.2015 | Konzert/Liederabende

Baden-Baden: „GERHAHER-SÄCHS. STAATSKAPELLE- THIELEMANN“  23.05.2015

 

Ganz im Duktus der Romantik bot das Festspielhaus am Pfingst-Samstag den Konzert-Besuchern ein wahres Schmankerl: Christian Gerhaher, einer der bedeutendsten Bariton-Stimmen unserer Zeit präsentierte sich in optimaler  Konstellation  mit Christian Thielemann sowie der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

 Christian Gerhaher sang zwei Arien aus „Alfonso und Estrella“ (Franz Schubert) Der Jäger ruhte hingegossen und Sei mir gegrüßt, o Sonne,  sein herrliches, weiches Material strömte im Wohlklang und ließ keine Wünsche offen. Das nenne ich Liedgesang par excellence zu Orchesterbegleitung. Man muss sehr lange suchen, um gegenwärtig den Tannhäuser-Wolfram so vorbildlich in Diktion und Phrasierung zu hören. Bei Blick ich umher in diesem edlen Kreise schossen mir unwillkürlich die Tränen in die Augen.  Geradezu richtungsweisend erschien mir Was duftet doch der Flieder  des Hans Sachs. Poetische, nachdenkliche Momente, musikalisch in jeder Phrase hoch motiviert schenkt Gerhaher diesem Monolog vokal herrlich aufblühend, ein unvergleichliches, individuelles Profil.

 Hinreißend präsentierte Christian Thielemann mit dem sächsischen Elite-Orchester den begleitenden Sound auf mirakulöse Weise, wunderbar differenziert, lupenrein im Wohlklang, einfach traumhaft! Das Publikum schien meiner Meinung, applaudierte lautstark, anhaltend und wurde mit „keiner“ Zugabe belohnt.

 Thielemann und Bruckner, diese glückliche Verbindung verspricht „Verheißung pur“ und hält was sie verspricht! Liebe Leser Sie ahnen es schon, hier schwelgt der Rezensent in Euphorie – für wahr und zu Recht. Es erklang die „Vierte“ von Anton Bruckner und nur schwerlich lassen sich meine Eindrücke wiedergeben.

 Bruckners Mischklänge, etwa das Miteinander von ersten Violinen und Holzbläsern kamen einzigartig zur Geltung, wie nie zuvor erlebte man die Vortragsbezeichnung „zart“ der Streicher so bewusst. Thielemann scheint jedem kalkuliertem Überschwang fern, souverän spannt er den Bogen des Eröffnungsthemas, die Dynamik schwillt im Forte an, um sodann wieder im Piani die Motiv-Segmente in einem einzigen, musikalischen Atem zusammen zu schmelzen. Eine ruhige Gelassenheit waltete über dieser Interpretation der vier Sätze.

 Man hatte den Eindruck, der Dirigent wollte in unvergleichlicher, psychologischer Analyse Bruckners „Geste des Verlusts“, seine Sehnsucht nach einer nie erreichten, nur geträumten Welt und ihre Sublimierung ins Metaphysische heraus arbeiten. Dies gelang Thielemann mit seinem plastisch, transparent, hervorragend klingenden Orchester in seinen höchst akkuraten Gruppierungen von Saiten-Holz und Blechinstrumenten, auf das Vortrefflichste.

 In manchen Momenten wähnte ich mich in einer anderen Welt und wünschte mir die Symphonie möge nie enden. Beim Anschwellen der Streicher, der Auftürmung des Orchesterapparates zum gewaltigen Klangdom des Finales, stockte einem schier der Atem. Das nenne ich perfekte Interpretation, Genuss pur und dem gibt es nichts, absolut nichts entgegen zu setzen.

 Das Auditorium schien sich der Gunst der Stunde bewusst und ließ nach kurzer, atemloser Stille und Besinnung, seiner Begeisterung freien Lauf.    

Gerhard Hoffmann

 

 

 

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