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BADEN-BADEN: KONZERTABEND Orchestre Philharmonique du Luxembourg/ Gustavo Gimeno – Anja Harteros (Sopran)

29.01.2018 | Konzert/Liederabende

ANJA HARTEROS (c) Andrea Kremper
Anja Harteros. Foto: Andrea Kremper

Baden-Baden: „ANJA HARTEROS“ – 28.01.2018

Im Mittelpunkt des von Romantik und Impressionismus geprägten Konzertabends mit dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg unter der Stabführung von Gustavo Gimeno stand die Sopranistin Anja Harteros und interpretierte die „Wesendonck-Lieder“ von Richard Wagner.

Gehört dieser Zyklus neben den Strauss-Liedern zu meinen absoluten Favoriten dieses Genres fieberte ich diesem Ereignis regelrecht entgegen und wurde von der grandiosen Sängerin auf das Reichste belohnt. Wagners Melos, der herbe Pathos dieser Preziosen schienen geradezu für die weich timbrierte Stimme von Anja Harteros prädestiniert zu sein und bot gleichwohl genügend Spielraum im dramatischen Aplomb des vokalen Höhenflugs wie zur sinnlich getönten Mittellage ihres gefühlsmächtigen Soprans. Man gewann den Eindruck die begnadete Sängerin veredele diese wunderbaren Lieder mit ihrem kostbaren Material.

Himmelwärts verschmelzend in Wort und Melos erklang Der Engel, ungestüm dann besinnlich ganz im Duktus des Textes folgte Stehe still. Völlig neue Aspekte bot Harteros sodann zu den melancholischen Tristan-Akkorden, entfaltete mit ihrem dunkel warmen Timbre fast „greifbar“ die sinnliche Schwüle Im Treibhaus. Förmlich aus dem Sprachklang zur ausgefeilten Deklamation mit dramatischem Unterton interpretierte die exzellente Sängerin Schmerzen. Schwebend, leicht, exemplarisch zum prächtig fokussierten Höhenklang, in Unendlichkeit schier verhauchend krönte schließlich Harteros den Zyklus zum Weinen schön mit Träume. Verhalten, zügig ohne Effekthascherei wurde die Künstlerin vom Orchestre Philharmonique unter der Leitung von Gustavo Gimeno einfühlsam begleitet. Mit Bravos und prasselndem Applaus des Publikums im nur halbvollen Saal beschenkt wurde sympathische Sängerin verabschiedet. Ich wage zu bemerken: ein reines Wagner-Programm mit 2-3 Arien mehr hätte vermutlich das Haus komplett gefüllt?

Als Entree erklangen Ouvertüre und Venusberg-Bacchanal zu „Tannhäuser“ , Gimeno animierte den Klangkörper zu sinnlich-warmem Spiel der raschen Celli-Läufe, den instrumentalen Schönheiten der Holzbläser und schließlich zur dynamischen Spannweite des Gesamtklangs dieser farbenreichen Partitur. Ansprechend jedoch keineswegs umwerfend umriss der Dirigent die Rhythmik der Fortissimo-Steigerungen gleichwohl die elegisch verhauchenden Pianissimo-Momente.

Nach der Pause führten die Gäste in die subtile Klangwelt des französischen Impressionismus mit drei Auszügen aus „Ibéria“ von Claude Debussy und entfalteten in differenzierten Variationen die orchestral-temperamentvollen Abläufe spanischen Kolorits.

Zum Finale entführten die Gäste aus Luxembourg in musikalisch-marine Gefilde mit „La Mer“. Der junge smarte Dirigent von angenehmem Gestus animierte den sauber jedoch wenig euphorisch musizierenden Klangkörper zum soliden Auftürmen der Wogen ohne überschäumenden orchestralen Tiefgang. Sparsame Publikumsgunst zum Abschied.

 

Gerhard Hoffmann

 

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