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BADEN BADEN: KONZERT SIMONE KERMES + VIVICA GENAUX

30.11.2014 | Konzert/Liederabende

Baden-Baden: „SIMONE KERMES + VIVICA GENAUX“  28.11.2014

Unbenannt
Copyright: Andrea Kremper

 Mit dem Label „Rival-Queens“ stürmten die beiden Spezialistinnen barocker Sangeskunst Simone Kermes und Vivica Genaux bereits die CD-Charts und boten nun aus dem Album während ihrer Tournée im Festspielhaus, eine immense Kostprobe ihres Könnens. Frei nach dem Slogan the show must go on gerieten sich die Diven in Selbstironie, publikumswirksam lediglich zu den Duetten in die Haare und absolvierten während ihrer Solo-Auftritte, im fliegendem Wechsel,  eine höchst qualitative, professionelle Leistungsschau kostbarer Preziosen illustrer Tonsetzer des 17. Jahrhunderts.

 In traumhafter Konstellation vereinte sich das Silbertimbre der Kermes mit dem warmen Goldton der Genaux zum herrlich dualen Wechselgesang. Einer der Damen den Vorzug zu geben, fiele dem Rezensenten äußerst schwer und zieht sich somit beim Urteil des Paris diplomatisch aus der Affaire und überreicht jeder der göttlichen Goldkehlen einen Apfel.

Doch gebührt wahrlich eine ganze Steige dieser köstlichen Früchte dem begleitenden Instrumental-Ensemble Capella Gabetta unter der Leitung des Solo-Violinisten Andrés Gabetta.

 Ohne die Leistungen der beiden wunderbaren Sängerinnen zu schmälern möchte ich dieses exzellente Instrumentarium in besonderer Weise würdigen. Leider war dieses Ensemble solistisch nur mit zwei Ouvertüren zu „Ariodante“ (Pollarolo) und „Orfeo“ (Porpora) vertreten. Der Musizierstil dieser lobenswerten Künstler erfüllt von Rhythmik, höchster Prägnanz, verblüffender Dynamik, klanglichem Reiz, Instrumenten-Soli-Finessen,  elektrisierender Spontanität, verschlägt einem schier den Atem.

 Die diversen Arien der Vokalistinnen einzeln zu bewerten, sprengt fast den Rahmen und somit beschränke ich mich jeweils auf zwei besonders markante Darbietungen der beiden Singulär-Temperamente. Simone Kermes ein wandelnder Vulkan, ba-rockte sich durch Va´tra le selve ircane aus „Artaserse“ (Hasse), setzte präzise, atemberaubende Oktavsprünge, gestochen klare Töne in kontrapunktueller Meisterschaft. Zudem unterstreicht Kermes auch ihre bewundernswerte Soprankultur mit leisen, empfindsamen Emotionen bei Piangeró la sorte mia aus der Oper „Giulio Cesare“ (Händel).

Verhaltener, dennoch mit Glut unter der Asche erscheint Vivica Genaux und bezauberte mit dunkel-warmem Timbre, rasanter Tongebung zu L´onda chiara che dal fonte aus „Ifigenia in Tauride“ (Vinci) und betörte facettenreich, geschmeidig mit Spera che questo cor zur Oper „Astianatte“ (Bononcini). Glanzvoll absolvierten die beiden Damen in herrlichem Zwiegesang die beiden Duette aus „Cleofide“ (Hasse) und „Amadis di Grecia“ (Torri).

 Die Begeisterung des Publikums war überschäumend und wurde mit drei Duett-Zugaben belohnt: „Rinaldo“ (Händel), „BBA-Medley“ (arr. Taillard) sowie „Barcarole“ (Offenbach), sodann schritten die Gefeierten zur nächsten „Pflichtübung“  der Autogrammstunde.

 Gerhard Hoffmann

 

 

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